Tag Archiv für Unternehmensnachfolge

Gründerinnen wollen am liebsten Töchter als Nachfolgerinnen haben

Familieninterne Nachfolge wird auch von Frauen am liebsten angestrebt, jedoch bevor der Betrieb eingeht, können sie sich besser als Männer für einen externen Kandidaten entscheiden.

Der Frauenanteil bei Unternehmensnachfolgen ist mit 13 bis 23 Prozent immer noch verschwindend gering. Das heißt die Chancen, die durch eine Unternehmensnachfolge entstehen, werden von der Damenwelt noch landläufig übersehen. Falls es doch mal zu einem Generationswechsel, mit dem Ergebnis nun eine Inhaberin an der Spitze zu wissen, kommt, ist dies meist nicht geplant gewesen, sondern durch glückliche bzw. unglückliche Fügung entstanden. Daher denken diese Frauen zumeist auch schon früh über ihre eigene Nachfolge nach, damit sich die negative Geschichte nicht wiederholen muss. Um genaue Erkenntnisse über das Vorgehen von Unternehmerinnen zu erfahren, analysierte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) dazu die Meinungen von 300 Geschäftsführerinnen und Inhaberinnen, die Mitglied im Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) sind. Darunter befinden sich auch Gründerinnen von Firmen, die ein Drittel der Gesamtquote in der Wirtschaft ausmachen.

Das Resultat war, dass der Prototyp einer Unternehmerin etwa 38 Jahre alt ist, wenn sie die Leitungsfunktion einer Firma übernimmt – ganz gleich, ob sie eine Firma erst gründet oder die Nachfolge antritt. Doch die Branchenwahl ist hierbei sehr verschieden. Frauen, die eine Firma übernehmen, führen eher produzierende Gewerbe, wohingegen Gründerinnen unternehmensnahen Dienstleistungen sowie das Finanz- und Versicherungsgewerbe präferieren.

Frauen lassen sich helfen

Im Alter von 62 Jahren denke die meisten Frauen im Gegensatz zu Männern verantwortungsbewusst ans Aufhören und organisieren die Nachfolge, welche nach einer vierjährigen Planungs- und Übergangsphase auch stattfindet. Weiterlesen

Ein expemplarisches MBO in der Verlagsbranche

Kaufen statt Gründen: Der Umbruch in der Medienlandschaft eröffnet neue Karrierechancen für unternehmerische Führungskräfte.

Die aktuelle Lage der Zeitschriftenverlage sieht derzeit alles andere als rosig aus. Die Financial Times Deutschland, die Frankfurter Rundschau und das Unternehmermagazin Impulse sind leider schon im Aus oder standen kurz davor. Und das wäre nur eine Auswahl von Beispielen des Blättersterbens aus der letzten Zeit. Einige konnten niemals die Einnahmen erzielen, die zur Sicherung des Qualitätsniveaus nötig waren, andere konnten nicht Schritt mit der Wandel der Zeit halten.

Häufig ist es derart, dass größere Verlagskonzerne einfach nicht mehr in der Lage sind, Nischenpublikationen wirtschaftlich zu führen und müssen sie deswegen aufgeben. Obwohl unter anderen Voraussetzungen das Produkt durchaus überlebensfähig wäre. In diesen Fällen sollten Sie sich Fragen stellen, wenn Sie in der Verlagsbranche tätig sind: Glauben Sie an Ihre Arbeit? Glauben Sie an Ihr Magazin und wollen sie nicht, dass dieses auch ausstirbt? – Dann übernehmen Sie es doch einfach! Denn Unternehmensnachfolgen sind eine clevere Alternative zur klassischen Existenzgründung.

Insbesondere leitende Angestellte scheuen eine Existenzgründung aus dem Nichts heraus, da sie es gewohnt sind, strukturierte Positionen auszufüllen. Doch falls nicht ein philanthropischer Erbe aus Liebhaber-Gründen einspringt, werden weitere qualitativ hochwertige Zeitschriften ohne zwingende Notwendigkeit ihre Publikation einstellen müssen.

Notwendige Voraussetzungen Weiterlesen

Successor: Die erste Messe für Unternehmer, die Nachfolger suchen

Der Mangel an geglückten Unternehmensnachfolgen verdeutlicht die Notwendigkeit, die dazu geführt hat, die erste Messe für Unternehmensnachfolgen in Deutschland einzuführen. Der Leitsatz der „Successor“ ist der des deutschen Philosophen Nikolaus von Kues „Eines ist so wichtig wie’s andere: rechtzeitig zufassen und rechtzeitig loslassen können.“

In vielen Zeitungen werden fast wöchentlich Erfahrungen geschildert, wie Unternehmensnachfolgen funktioniert haben bzw. funktionieren können. Doch stets ist ein Satz bei, der verdeutlicht, dass dieser positive Fall einer von wenigen Ausnahmen ist. Und die Auswirkungen fehlerhafter Übergaben sind fatal für die deutsche Wirtschaft sowie den Mittelstand überhaupt: Denn eine Schließung von gesunden Unternehmen ist unvermeidlich, wenn kein geeigneter Nachfolger gefunden wird. Manche schätzen die Situation sogar derart falsch ein, sodass die Suche gar nicht erst stattfinden kann. Laut einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn werden pro Jahr gar nicht so wenige mit einer plötzlichen Unternehmensnachfolge konfrontiert. Denn zehn Prozent der Inhaber werden vom Tod überrascht und vier Prozent erkranken irreversibel. Weiterlesen

Das gefährliche Spiel mit der Zeit

Wie viel Spielraum und Freiheit im Handeln ein Unternehmen noch hat, wenn er ein spezielles Alter erreicht.

Die folgende Einschätzung der Situation bei einer Unternehmensübergabe stützt sich auf Theorien, die im Buch „Unternehmensnachfolge im Familienbetrieb“ von Prof. Dr. Valentin Schackmann beschrieben wurden. Der studierte Volkswirt ist Professor für Betriebswirtschaftslehre. Seit mehr als 20 Jahren ist er in der Managementaus- und -weiterbildung tätig. Seit der Jahrtausendwende berät er kleine und mittelständische Unternehmen zu betriebswirtschaftlichen Belangen. Davor arbeitete er sechs Jahre als kaufmännischer Geschäftsführer in einem mittelständischen Unternehmen. Aus dieser Tätigkeit heraus gewann er die in seinem Buch niedergelegten Kenntnisse.

Mit 50 Jahren:

In diesem Alter sehen sich die wenigsten Firmeninhaber gezwungen, über eine Nachfolgeregelung nachzudenken. Denn 50 bedeutet für die meisten „best age“, heißt auf dem Höhepunkt des Wissens und der Erfahrung angekommen. Die Altersvorsorge sollte jedoch für einen Selbstständigen schon zur geistigen Debatte stehen. Allein Banken könnten im Falle einer Kreditvergabe daran interessiert sein, eine Unternehmensbewertung vorzunehmen. Hierbei wird unter anderem die Rentabilität des Unternehmens ermittelt und eine Feststellung eines möglichen Verkaufspreises vorgenommen. Die Absicherung des Kreditinstitutes kann demnach schon einmal als grober Umriss für eine spätere Übernahme dienlich sein.

Mit 55 Jahren: Weiterlesen

Tipps und Tricks für ein erfolgreiches Management-Buy-in

Wer lange plant, der wird auch glücklich.

Schaut man sich innerhalb der mittelständischen und größeren Betriebe um, wird der aufmerksame Beobachter feststellen, dass es bei Übergaben bzw. Verkaufsprozessen mehrere Arten der Nachfolgeregelung gibt. Die drei bekanntesten Vorgehensweisen sind das MBO, das MBI und die familiäre Unternehmensnachfolge. Die beliebtesten Formen sind die familiäre Nachfolge oder das MBO.

Das Management-Buy-Out (MBO) ist die Form der Unternehmensübernahme von innen. Das heißt, das Management, welches vorher in einem Angestelltenverhältnis funktioniert erwirbt das Unternehmen und übernimmt die Belegschaft und arbeitet von nun an als Geschäftsführung. Ein MBO stellt oft die beste Variante für das Unternehmen dar. Denn der ehemalige Firmeninhaber kennt seinen Nachfolger schon und weiß, ob er der zukünftigen Herausforderung gewachsen ist. Ebenso ist der Nachfolger schon mit dem Unternehmen, den Mitarbeitern und dem Arbeitsalltag vertraut und startet in seiner neuen Rolle mit vergleichsweise wenigen Unsicherheiten.

Die gängigste Variante

Wenn ein Unternehmen durch einen Menschen oder ein ganzes Management von außen übernommen wird, spricht man vom sogenannten Management-Buy-In (MBI). Diese Form der Unternehmensübernahme kommt vor allem im Rahmen einer Nachfolgeregelung zum Tragen, wenn sich kein Familienangehöriger findet und kein Mitarbeiter als Unternehmenrnachfolger den Betrieb übernehmen kann oder will. Es ist die typischste Form der Übergabe. Zu den Nachteilen zählen eine lange Einarbeitungszeit und ein erhöhter Aufwand bei der neuen Vernetzung zu Kunden und Partnern. Der Kaufpreis wird im Zusammenhang mit einer umfangreichen Unternehmensbewertung und –analyse gefunden, die Finanzierung oft schwieriger als beim MBO, aber dennoch ein Standardfall für Förderbanken. Außerdem ist die Suche und sorgfältige Auswahl eines kompetenten Nachfolgers, der zum Unternehmen passt und über genügend Eigenkapital verfügt, keine leichte Aufgabe.

Meistens findet dieses schwierige Unterfangen der Übernahme stufenweise statt, so dass der zukünftige Firmeninhaber am Anfang für ein, zwei Jahre in die Geschäftsleitung mit eingebunden wird und so einen Überblick und Wissen über den Betriebsalltag bekommt.

Fehlendes Potential früh erkennen

Denn einer der häufigsten Gründe des Scheiterns einer Übernahme ist bei potentiellen Käufern die fehlende Führungserfahrung und mangelnde Marktkenntnisse. Daher sollte man sich klar nach seiner persönlichen Eignung fragen. Also, “habe ich alle Qualitäten und Fähigkeiten, die für den Geschäftsführerposten notwendig sind? Kenne ich die Branche der zum Verkauf stehenden Unternehmen, inklusive Vertriebswege und Standortsituation?” Zudem sollte man sich seiner finanzielle Situation bewusst sein bzw. eine Idee davon haben, wie viel Kaufpreis man mit Hilfe von Banken und Co. nachhaltig refinanzieren kann.

Lassen Sie sich helfen

Als Nächstes geht es darum, das richtige Unternehmen für sich zu finden. Es macht dabei sehr viel Sinn, sich bei der Suche und vor allem bei den Anbahnungen sowie Verhandlungen von erfahrenen, externen Beratern betreuen zu lassen. Professionaliotät hilft Fehler zu vermeiden. Und meist kauft man nur einmal im Leben ein Unternehmen. Mit professioneller Betreuung wird die Gefahr kleiner, dass man essentielle Risiken übersieht und hat gleichzeitig die Chance, dass vier Augen eher etwaige brachliegende Potentiale eines Unternehmens entdecken. Aber schon in der Anbahnung kann man Zeit & Ressourcen sparen, wenn man nicht zu oft vergeblich zu Terminen fährt. Auch hier ist es wichtig, dass man sich vorher darüber klar wird, wie das “Traumunternehmen” aussieht und wie realistisch diese Vorstellung ist. Es bringt niemandem etwas, wenn man sich Unternehmen anschaut, von denen man weiß: Das passt nicht zu mir oder das kann ich mir nicht leisten. Ein Profi kann kann das leichter im Vorhinein abschätzen.

Falls einem die Suche gelungen ist und ein potentieller Unternehmensverkauf in Reichweite steht, ist der Käufer gut beraten, eine ausführliche Analyse sowie eine Bewertung der Firma vornehmen zu lassen. Dabei sollte jeder dringend auf einen Rechtsanwalt, Steuer- oder Unternehmensberater zurückgreifen, denn in der Begeisterung, möglichweise das richtige Unternehmen gefunden zu haben, lässt sich auch für einen Experten einiges leicht übersehen. Trotzdem können auch Sie selbst ein Gefühl beim Recherchieren und Beobachten erhalten, wenn Sie sich beispielsweise den Standort, die Reputation, die Kunden, Mitarbeiter, Firmenräume, Wettbewerber und vieles mehr des Unternehmens genau anschauen. Wenn Sie selbst es nicht können, schicken Sie einen Freund also potentiellen Kunden in das Unternehmen.

Gut geplant ist halb gewonnen

Im Anschluss an die positiv ausgefallene Prüfung des Unternehmens folgt der Businessplan, der die vergangenheit und momentane Situation aufschlüsselt und darauf aufbauend Ziele und Maßnahmen zu deren Erreichung festlegt. Unverzichtbarer Bestandteil ist der Liquiditätsplan, damit Sie nicht gleich in den ersten Monaten nach der Übernahme trotz hoher Rentabilität in eine Liquiditätskrise stolpern. Auch für Finanzierungen gibt es zahlreiche freiberufliche Experten, die die Finanzierungsstruktur mit öffentlichen Fördermitteln und die Präsentation bei den Banken mit vorbereiten. Nach unserer Erfahrung sollte man darauf nicht verzichten, denn der erste Eindruck (auch) bei einer Bank lässt sich nicht wiederholen.

Falls diese erarbeiteten Zukunftsvorstellungen und Strategien sowohl Verkäufer als auch Käufer gefallen, kann die Umsetzung der Unternehmensübergabe folgen. Die Realität sollte dann von Quartal zu Quartal am Businessplan abgeglichen werden. Je nach Lage ist es ratsam flexibel auf Veränderungen eingegangen werden. Doch wenn man gut und ordentlich plant, sollte dem erfolgreichen MBI eigentlich nichts mehr im Wege stehen.

Erbschaftssteuer – das Damoklesschwert für mittelständische Betriebe

„Für jedes Töpfchen gibt es ein Deckelchen“ heißt es in der Liebe und es stimmt größtenteils, wenn man sich in der Welt umschaut. Doch für Unternehmensnachfolgen scheint das Prinzip nicht zu gelten. Viele Faktoren führen zu einer Komplexität der Übergabe, die der private Geschäftsführer schon kaum mehr überblicken kann. Und in Zukunft wird es scheinbar nicht einfacher.

Vierzig Prozent der Unternehmer finden keinen Nachfolger, weil es immer größere Schwierigkeiten gibt, dass es zwischen dem alten und neuen Geschäftsführer passt. Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) enden vier von zehn Übergaben in der Erfolgslosigkeit. Genau aus diesem Grund warnt der DIHK-Chef Hans Heinrich Driftmann die Parteien der Opposition, im Falle dass sie an die Regierung kommen, davor die Reichensteuer zu erhöhen und die Unternehmensnachfolge damit weiter zu erschweren. „Die Diskussion um die Erbschaftsteuer sorgt für erhebliche Verunsicherung gerade im Mittelstand“, sagte Driftmann der Deutschen Presse-Agentur. „Sollte es zum Beispiel nach der Bundestagswahl zu Verschärfungen kommen, wären rund 18.000 Unternehmen mit bis zu 100.000 Arbeitsplätzen gefährdet – und das Jahr für Jahr.“ Die Erbschaftssteuer würde Opfer fordern, die Rot-Grün noch gar nicht absehen könne.

Der Report, den die DIHK vor nicht allzu langer Zeit publiziert hat, zeigt auch, dass 56 Prozent der Existenzgründer Probleme haben vor allem die Betriebsübernahme finanziell zu bewältigen. Weiterhin ist es kompliziert geworden, ein Unternehmen in jüngere Hände zu legen, da der Großteil der potentiellen Kandidaten nicht ausreichend qualifiziert ist und dies teilweise erst zu spät in den Übergabeverhandlungen bemerkt wird. Es ist ohne externe professionelle Betreuung leicht zu unterschätzen, welche Herausforderungen auf einen bei der Übergabe zukommen.

Es finden nicht die Richtigen zusammen

Nach den Beobachtungen der Industrie- und Handelskammern suchten 2011 rund 39 Prozent der Senior-Unternehmer ergebnislos einen passenden Nachfolger. 2008 handelte es sich um „nur“ 35 Prozent. Unter den potenziellen Existenzgründern findet inzwischen sogar jeder zweite kein passendes Unternehmen, dessen Junior er werden könnte – nach 32 Prozent vor vier Jahren.

Unternehmensnachfolger finden

Findet sich keine familieninterne Lösung, stellt sich für den Unternehmer zu einem bestimmten Zeitpunkt im Leben die Frage nach dem richtigen Nachfolger für sein Lebenswerk. Jedes Jahr steht, je nach Quelle, bei 50.000 bis 80.000 Unternehmen in Deutschland eine Nachfolgeregelung an (in Österreich bei geschätzten 5.000 bis 6.000 Betrieben).

Der Anteil der familieninternen Übergaben sinkt in den deutschsprachigen Ländern seit längerer Zeit kontinuierlich und auch der stetig steigende Anteil von Frauen als Unternehmensnachfolgerinnen kann diesen Trend nicht stoppen. Ursache ist, neben der demographischen Entwicklung, vor allem ein Wertewandel, sowohl bei Inhabern, als auch den Kindern. Denn die jüngeren Generationen sehen sich zunehmend weniger in der Pflicht, das unternehmerische Erbe der Eltern anzutreten. Und auch die Unternehmer selbst möchten ihren Kindern, anders als in vergangenen Generationen üblich, immer öfter die freie Wahl über ihre berufliche Zukunft überlassen. Und diese Wahl fällt leider zunehmend gegen das eigene Familienunternehmen aus.

Findet sich dann auch im eigenen Unternehmen kein leitender Angestellter, der, fachlich geeignet und finanziell genügend ausgestattet, die Betriebsnachfolge im Rahmen eines so genannten Management Buy-Out (MBO) antreten kann, muss der Inhaber beizeiten einen externen Unternehmensnachfolger finden.

Management Buy-in (MBI) als Herausforderung für den ausscheidenden Inhaber

Für viele Unternehmer ist der Verkauf ihres Betriebes an einen Weiterlesen

Ein steiniger Weg – die familieninterne Übernahme

In den Betrieb von Familienangehörigen einzusteigen, ist keine einfache Sache. Denn die Schützlinge vom Chef haben es meist doppelt schwer, wenn es darum geht sich in den Augen der Mitarbeiter zu beweisen. Daher ist ein guter Rat, dass man als Nachfolger zuerst seine Karriere in einer anderen Firma aufbauen soll.

Es gibt zweierlei Typen von Eltern. Die einen nehmen einen besonders hart ran, wenn man die Ausbildung bei ihnen macht, die anderen hingegen loben einen gehäuft und lassen die Erziehung schleifen. Franz Eugen zählt zum Schlag der alten Schule und wollte, dass sein Sohn eines Tages seinen Sanitärbetrieb in Berlin erfolgreich übernimmt. Doch bis dahin war es kein lockerer Spaziergang, weiß der Sohn Holger. Die Übernahme der Firma gestaltete sich schwieriger als gedacht. Denn um die Akzeptanz der Kollegen, die ihn teilweise schon als Kind kannten, musste lange gekämpft werden. Der Junior weiß:„Es ist kompliziert gegen das Vorurteil in den Köpfen der Mitarbeiter, dass der Sohn des Chefs automatisch Unternehmensnachfolger wird, anzukommen.“ Holger Eugen begriff schnell, dass er im heimatlichen Betrieb nicht die notwendige Ausbildung erhält, um sich den Respekt des Vaters und seiner Angestellten zu erarbeiten. Daher zog es ihn nach dem Abbruch der Ausbildung beim Papa in die Ferne, wo er sich ohne die Bemerkungen der Familie beweisen konnte.

Woanders Fehler machen dürfen

Dieses Verhalten befürwortet auch der Betriebswirtschaftler Prof. Stefan Prigge, der in Hamburg an der School of Business Administration lehrt, denn „der Sohn oder die Tochter wird innerhalb des Unternehmens zumeist mit Argusaugen beobachtet“ und das kann keiner Entwicklung gut tun. Er rät auch vor dem Einstieg in den elterlichen Betrieb in diversen Unternehmen seine Fehler zu machen.

Wenn diese Hürde genommen ist, müssen jedoch noch andere Weichen gestellt sein, damit die Unternehmensnachfolge ohne Komplikationen von statten gehen kann. Zum Beispiel sollte der Senior schon an eine ausfüllende Beschäftigung nach der Rente denken und damit ist kein kurzweiliges Hobby gemeint. Denn sonst passiert es gerne, dass der Senior nun ständig alles kommentiert – er nicht loslässt. Franz Eugen war sehr misstrauisch, was die Ausbildung des Sprösslings in der Ferne anging. Als der Junior durch die Impulse, die er in seiner Karriere bekommen hatte, nach der Übernahme Änderungen im väterlichen Betrieb vornahm, gab es Familienkrach. Auch die Mitarbeiter waren sich uneins, zu welchen ihrer Chefs sie nun halten sollen.

Zu tief drin

Um so ein Szenario zu vermeiden, empfehlen Experten die schrittweise Übergabe des Unternehmens. Das heißt der Junior sollte für einen gewissen Zeitraum schon vorher seinen eigenen Bereich zur Leitung bekommen. Dabei erstarkt das Selbstbewusstsein des Neulings und das Vertrauen der Eltern in das Kind kann langsam wachsen. Manchmal hilft aber auch die Betreuung von Außen durch einen Berater oder Anwalt, der auch die testamentarischen Dinge klären kann.

Bei den Eugens war es Mutter Barbara, die den Streit beilegte. Sie packte ihren Mann ein und unternahm eine drei monatige Weltreise. Als die beiden wieder zurückkehrten, sah der Vater, dass das Unternehmen immer noch lief und hatte erfahren, was man mit seiner Zeit außerhalb des Betriebes anfangen könnte.

Aus Fehlern lernen

Bei der eigenen Unternehmensübergabe will es fast keiner wie der Senior machen, beteuern viele Nachfolger. Doch viele Jahre später sind die guten Vorsätzen in Vergessenheit geraten.

Josef Siemes saß über mehrere Jahre beharrlich im Chefsessel seiner Drechslereiwerkstatt bevor er genug echtes Zutrauen fand, darüber zu sprechen, dass es Zeit wäre sein Unternehmen an die jüngste seiner Töchter zu übergeben. Diese arbeitete nach einer Tischlerlehre schon mehrere Jahre zuvor Tag ein, Tag aus in dem 15- Mann-Betrieb und kannte die Mitarbeiter und Kunden mittlerweile genauso gut, wenn nicht sogar besser als ihr Vater. Dann als Sonja Siemes endlich die Führung übernehmen dürfte, verstarb ihr mittlerweile 75-jähriger Vater an einem Schlaganfall. Eine geregelte Nachfolge war nicht mehr möglich. Sonja Siemes erinnerte sich als junges Mädchen noch gut daran, dass ihr Vater den Mecklenburger Betrieb in den 70igern für die ganze Familie aufbaute. Als er Mitte 50 war, betonte er immer wieder, dass er ihr bald die Firma vermache, um mit seiner Frau die Rentenjahre zu genießen. Doch je älter er wurde, desto weniger war ihm eine Übergaberegelung geheuer. Er klammerte sich zum Leidwesen von Frau und Tochter geradezu an den Betrieb und verunsicherte seine Tochter mit unproduktiver Kritik – manches Mal nur um zu beweisen, dass er noch gebraucht wird.

Sie will es besser machen

Sonja Siemes hat sich bei der Übernahme der Firma geschworen, dass sie ihrem Sohn Timm, der ebenfalls handwerklich sehr begabt ist, nicht solche Steine in den Weg legen wird.
Ebenfalls zog sie die Lehre aus ihrer eigenen Erfahrung, dass es gut ist, wenn ihr Sohn erst in einem anderen Betrieb mitarbeitet und dort Fehler machen kann, ohne dass die Mutter daneben steht und diese kommentiert. Wer sich schon mal in einer anderen Firma zu Recht findet und dort vielleicht auch Führungserfahrung sammeln kann, der kehrt ins Familienunternehmen mit einem gestärkten Selbstbewusstsein zurück.

Vereinbarungen treffen und sich daran halten

Es ist für beiderlei Parteien nicht einfach, sich dem Thema Unternehmensübergabe zu nähern. Der Junior möchte dem Elternteil nicht suggerieren, dass er oder sie nun an die Rente denken sollte und ist sich hin und wieder auch selbst nicht sicher, ob er schon bereit für den Chefposten ist. Und der Senior muss akzeptieren, dass sein Kind nun erwachsen geworden ist und er sein Lebenswerk loslassen muss. Es gehört eine Menge Mut und Vertrauen dazu, eine Unternehmensnachfolge sauber über die Bühne zu bringen – auch und vielleicht gerade in der Familie, wo man sich so nah steht. Sonja Siemes wünscht sich im Nachhinein, dass sie frühzeitig schriftlich einen Termin für die Verhandlungen der Firmenübergabe festgelegt hätten. Das wäre für ihren Vater und sie sicherlich eine Entlastung gewesen. „Vielleicht hätte man sich auch im Vorfeld Hilfe von außen holen müssen“, überlegt sie heute. Die Nachfolgerin des Familienbetriebes möchte jedenfalls, dass sich die Geschichte nicht wiederholt und redet jetzt in ihren Mittvierzigern schon offen über mögliche Risiken und Gefahren der Nachfolge mit ihrem Sohn. Der allerdings ist sich noch nicht einmal sicher, ob er das Unternehmen übernehmen will. Doch davon möchte die Mutter bislang nichts wissen und macht damit vielleicht schon ihren ersten eigenen Fehler, den der künftige Junior dann später keinesfalls wiederholen möchte.
Natürlich ist jede Unternehmensnachfolge ein neuer Fall und muss demensprechend anders behandelt werden. Zudem weiß jedes Kind, dass wenn jemand versucht alte Fehler zu vermeiden, er oft neue macht. Trotzdem hat es noch keinem geschadet aus fremden und eigenen Fehlern zu lernen.

Dass Blut dicker ist als Wasser und doch Unternehmensnachfolgen daran scheitern, dass die Kinder kein Interesse haben den elterlichen Betrieb zu übernehmen, hat auch erst kürzlich eine Studie aus Bayern herausgefunden.

 

Wo sind all die Nachfolger hin? Wo sind sie geblieben?

Gegen Ende jeden Jahres erscheint der DIHK Report zu Unternehmensnachfolgen. In 2012 werden die häufigsten Probleme für fehlende Nachfolgeregelungen genannt und ein erschreckendes Resümee gezogen.

Der DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2012 ist veröffentlicht und er zeigt, dass es in Deutschland zunehmend komplizierter wird, einen passenden Nachfolger zu finden. 40 Prozent aller Unternehmen haben sogar eklatante Schwierigkeiten bei der Suche.

Die Hindernisse liegen laut Studie vor allem im demographischen Wandel. Denn wer soll eine Firma übernehmen, wenn es nicht genügend qualifizierte Kandidaten dafür gibt? In den nächsten fünf Jahren sind es laut der DIHK 110.000 Unternehmen, die zur Übernahme frei verfügbar sind. Doch es fehlen jedes Jahr mehr potentielle Nachfolger. Nicht immer scheitert es an der Eignung oder am Unternehmercharakter, sondern 56 Prozent der Kaufinteressenten und Existenzgründer können die Betriebsübernahme aus finanzieller Sicht nicht vollbringen. Im Vergleich zu vorherigen Zeiten weisen die Interessenten nur selten genügend Eigenkapital aus. Auch Sicherheiten für die Bank sind nicht immer im ausreichenden Umfang vorhanden. Zudem hat sich die Vergabe von Bankkrediten laut DIHK in den vergangenen zwölf Monaten erschwert. Auf der anderen Seite ist es für Gründer leichter geworden, Bürgschaften zu bekommen oder ein Darlehen von dem Senior-Unternehmer, der seinen Nachfolger damit unterstützen will. Diese Verkäuferfinanzierung ist aus dem Mangel an finanziell potenten Käufern geboren. Falls das Verkäuferdarlehen wegfallen würde, kämen noch weniger erfolgreiche Unternehmensnachfolgen zustande und das wäre in keinerlei Interesse.

Erbschaftssteuer verbaut Zukunft

Die familiäre Unternehmensnachfolge wird zunehmend auch heikel, wenn die Befürchtung einer Erhöhung der Erbschaftssteuer wahr wird. Die Oppositionsparteien wollen das Betriebsvermögen im Falle einer Erbschaft nicht mehr wie jetzt ganz oder teilweise unberücksichtigt lassen. Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann gibt den Gesetzgebern weißt auf folgende Gefahren hin: „Sollte es zu Verschärfungen kommen, wären rund 18.000 Unternehmen mit bis zu 100.000 Arbeitsplätzen gefährdet – und das Jahr für Jahr“. Damit wären laut Einschätzung der Senior-Unternehmer und Existenzgründer etwa ein Viertel aller Unternehmensnachfolgen bedroht.

Auch die Ausnahmeregelung, dass ein Betrieb steuerfrei zu vererben ist, wenn bestimmte Richtlinien eingehalten werden, steht für Grüne und SPD zum Abschuss frei. Die Auflage, dass der Nachfolger die Firma sieben Jahre lang mit mindestens gleichbleibenden Löhnen weiter führen muss, ist dann eine Geschichte der Vergangenheit. Aber nicht nur die Politik ist ungehalten ob der momentanen Erbschaftssituation – auch die Juristen sind uneins darüber.

Wir haben nicht ewig Zeit

Die Industrie- und Handelskammern berichten davon, dass ein passender Nachfolger auch manches Mal nicht gefunden wird, weil das Thema zu ungemütlich ist um es in den goldenen Jahren eines Seniors anzugehen. Die Beobachtungen ergaben, dass die Hälfte aller älteren Unternehmer es leider zu spät schafft, sich um eine geregelte Unternehmensnachfolge zu kümmern. Denn im Ernstfall sind ein bis drei Jahre Übergabe zu viel Zeit. Auf der anderen Seite fordert ein Verkäufer hin und wieder auch einen völlig unrealistischen Verkaufspreis. Verständlich ist, dass man sein Lebenswerk nicht für ein paar Euro weggeben mag, doch marktferne Angebote fördern nicht gerade die Verkaufsschnelligkeit. Und selbst wenn die geschäftlichen Voraussetzungen gegeben sind, beklagen die Geschäftsführer zunehmend mehr, dass die potentiellen Nachfolger der Aufgabe nicht gewachsen seien und so kein Deal zustande kommen kann. „Bedenklich stimmt, dass dieser Anteil über die letzten vier Jahre stets gewachsen ist.”, wird im Report bemerkt.

Was solche Feststellungen über die Entwicklung in den nächsten Jahren aussagen, darüber kann nur spekuliert werden. Gut scheint die Prognose jedoch nicht anzumuten.

Get Adobe Flash player