Tag Archiv für Unternehmensfinanzierung

Unternehmen trauen sich nicht

Die Risikoscheu der Unternehmer und der Banken bei der Kreditvergabe verhindern das Ansteigen des M&A Index in Deutschland. Was wird passieren müssen, damit unsere Firmen sich dem in den USA vorgelebten Mut anschließen und wieder in Fusionen und Übernahmen investieren?

Bei Fusionen und Übernahmen (M&A) surft Deutschland weiterhin nicht auf der Welle des Erfolges. Obgleich Deutschlands Wirtschaft bisher nicht stark von der Krise beeinträchtigt wurde, gibt es laut Berechnungen des Zentrums der Europäischen Wirtschaftsforschung (ZEW) keinen Aufschwung, was den M&A-Bereich angeht. Noch zur Jahrtausendwende war der Ausgangswert des ZEW-Zephyr M&A Index bei 100 Punkten, Anfang 2011 bewegt er sich nur noch bei 60.

Und so schnell soll sich das auch nicht ändern, meinen die Experten und prognostizieren bis 2013 keine Anstieg des Index. Trotz einiger funktionierender Deals, die in den ersten sechs Monaten von 2012 abgeschlossen wurden, konnte der M&A-Markt keinen merklichen Aufwind bekommen. Zum Beispiel blieb der Index völlig unbeindruckt vom Verkauf des Immobiliengeschäfts der Deutschen Kreditbank an die TAG Immobilien, obwohl 160 Millionen Euro den Eigentümer wechselten.

Nur der Mut fehlt

Der gut stehende Dax begünstigt vermehrt Börsengänge, wie in jüngster Vergangenheit von Telefonica oder Talanx gezeigt. Doch für eine Übernahme und Fusion spielen zusätzliche Faktoren eine bedeutende Rolle. „Die konjunkturelle Entwicklung und Erwartung ist entscheidend. Die Unsicherheit schreckt Investoren ab“, sagt Vigen Nikogosian, Projektleiter beim ZEW. Der eingeschränkte Wille von Banken Kredite zu vergeben, ist sicherlich auch eine Variable um die fehlenden Übernahmen und Fusionen zu erklären. Denn damit wird trotz günstiger Zinssätze verhindert, dass flüssiges Kapital zum Erwerb von Firmen vorhanden ist.

Das Land des wiedergefundenen Vertrauens

Ganz im Gegensatz zu unserem Land ist die USA klar auf dem Vormarsch, was Fusionen und Übernahmen angeht: „Die Investoren haben dort wieder Vertrauen gewonnen. Allerdings haben sich zuvor die Transaktionen zwischen 2006 und 2009 auch halbiert“, sagt Nikogosian.

Immerhin gebe es einen Hoffnungsschimmer. Nicht zuletzt muss durch einen Wandel in der Bankenbranche Bewegung in den M&A-Markt kommen. „Wir warten eigentlich auf eine M&A-Welle. Die könnte durch externe Schocks hervorgerufen werden“, sagt Nikogosian. Dazu könnte die Forderung führen, die Banken organisatorisch in Kreditbanken und Investmentbanken zu trennen. Die Unternehmen müssten dann den bürokratischen Aufwand dazu gebrauchen, Geschäftszweige abzustoßen, die in näherer Zukunft unprofitabel erscheinen, schätzt der Experte.

Das könnte dann auch im gesamten Euro-Raum eine gewisse Genesung der M&A-Tätigkeit hervorrufen. Denn von wenigen Ausnahmen abgesehen steht Deutschland mit den geringen Übernahmeaktivitäten nicht alleine da. Einzig die Marktbereinigung in der spanischen Bauindustrie führt dort gerade zu einem hohen Anstieg bei Fusionen und Übernahmen.

IT-Startup-Unternehmer: die jungen Wilden von Nebenan – weit gefehlt

Der IT-Branchenverband Bitkom gab eine Studie in Auftrag, wonach ermitteln werden sollte, wie alt der typische Gründer eines IT-Startups ist und wo er herkommt. Die Ergebnisse sind überraschend.

Neue Ideen, Innovationen, kreativ knisterndes Klima, an Waghalsigkeit grenzender Mut – all das müsste man meinen, findet sich vor allem unter dem studentischen Volk oder frisch Gebackenen Absolventen wieder. Doch diese Vorstellung hat nichts mit der Realität zu tun, zeigt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Diese forschte im Auftrag des IT-Branchenverbandes Bitkom genauer über die Altersstrukturen von deutschen IT-Startup-Gründern. Das ZEW fand heraus, dass der ein Gründer durchschnittlich 38 Jahre alt ist und darunter werden wenige Studenten im 30. Semester vermutet. Gründungsbeispiele wie die von Mark Zuckerberg kommen in Deutschland nur selten vor. Denn mit 17 Jahren Berufserfahrung, davon elf Jahre in der IT-Branche gesammelt, nehmen die meisten Startup-Gründer ein eigenes Unternehmen in Anspruch. Erfahrung ist laut Studie genauso wichtig wie eine hochqualifizierte Bildung, denn nur knapp mehr als die Hälfte aller Gründer haben je eine Universität besucht. Die Mitarbeiter in solchen Firmen haben auch nur zu 36% studiert und zur Hälfe eine abgeschlossene Berufsausbildung. Der Großteil von Startup-Unternehmen sind Neugründungen aus bereits existierenden Firmen. Schließlich entscheiden sich Menschen lieber aus einem sicheren Arbeitsverhältnis heraus, in dem ein finanzieller Puffer für die Selbstständigkeit erwirtschaftet werden konnte, als sich am Anfang ihrer Karriere in Schulden zu stürzen.

In München, Berlin und Hamburg wird fleißig gegründet

Die deutschen Zentren von kreativen IT-lern liegen laut Studie in München und Berlin, da hier die meisten Startups aus dem Boden schießen. Die ostdeutschen Bundesländer bilden das Schlusslicht im Bezug auf IT-Gründungen. Insgesamt wurden 2011 mehr als 8000 Firmen deutschlandweit in diesem Wirtschaftszweig gegründet. Damit stieg die Zahl der Gründungen um ein Viertel im Vergleich zu den Vorjahren seit 1995.

Alles aus eigener Kraft

„In Summe braucht ein Gründer circa 700.000 Euro über einen Zeitraum von vier Jahren, wobei das Gründungsjahr selbst mit 70.000 Euro eher bescheidener ausfällt“, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf.

Beim Blick in andere Branchen ist das ein gängiger finanzieller Rahmen für den Anfang. Im Gegensatz zu anderen Fachbereichen jedoch können sich IT-ler nicht auf öffentliche Zuschüsse freuen. Die Neugründungen müssen sich schnell auf dem Markt beweisen, da sie lediglich aus selbst erwirtschafteten Einnahmen und dem Gründereigenkapital schöpfen. So ist es auch wenig verwunderlich, dass nur zirka 60 Prozent aller IT-Startups ihr fünfjähriges Bestehen feiern.

Mut und Kreativität zahlt sich aus

Zur Förderung von Existenzgründung hat der Arbeitskreis „ExistenzGründerPartner Oderland“ seit neun Jahren eine Wettbewerb ins Leben gerufen, der die beste Idee und Umsetzung mit 2012 Euro und einem Werbefilm für das Unternehmen prämiert. Lesen Sie, was ein Preisträger alles mitbringen muss.

In Frankfurt wurde letzte Woche schon zum neunten Mal der Existenzgründerpreis verliehen. Er ist mit 2012 Euro Preisgeld dotiert und einen Imagefilm über den Gewinner  sowie fürs Wirtschaftsleben wichtige Kontaktegibt es obendrein. Die Bewerbung um den Existenzgründerpreis ermögliche den Unternehmern auch immer, ihr Netzwerk zu erweitern. Der diesjährige Sieger war „Einfach Fair Catering GmbH“.

Insgesamt seien 17 Bewerbungen mit Existenzgründerideen beim Arbeitskreis „ExistenzGründerPartner Oderland“  eingegangen. Es ist ein gutes Zeichen für die wirtschaftlich eher schlecht gestellte Region, dass es so viele Menschen gibt, die mutig und kreativ einen Einfall zur Existenzgründung umsetzen. Das Essentielle für den Gewinn eines solchen Wettbewerbs und den im echten Leben ist eine tragfähige Idee und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Der Schritt in die Selbstständigkeit ist kein einfacher und jeder braucht dafür eine gehörige Portion Mut und Beharrlichkeit diesen teils steinigen Weg zu gehen, beobachtet Uwe Hoppe, Sprecher des Arbeitskreises.

Groß denken

Der Preisträger ist ein gutes Beispiel dafür. Jörg Holsteint verwirklichte vor etwa drei Jahren seinen Traum. 15 Jahre Berufserfahrung als leitender Angestellter in der Gastronomie gingen seinem Wunsch voraus. 1981 begann er als junger Mann eine Lehre zum Koch in Eisenhüttenstadt, wo er Stück für Stück das Kochhandwerk lernte, um bald darauf eine Stelle als Abteilungskoch zu erhalten. Grillbar- und Küchenleiter –  erklomm er die Sprossen der Karriereleiter weiter. Bevor Jörg Holstein beschloss 2009 sein eigenes Catering-Unternehmen zu gründen, bekleidete er den stellvertretenden Posten des Geschäftsführers einer Berliner Cateringfirma. Mittlerweile ist die „Einfach Fair Catering GmbH“ fest in der Brandenburger Cateringszene etabliert und 50 Mitarbeiter arbeiten kräftig am weiteren Ausbau mit. Drei Bestandteile sind momentan fest im Alltag des Unternehmens verankert: Betriebscatering, Eventcatering sowie Schul- und Kitaversorgung.

Wenn nicht jetzt? Wann dann?

Förderdarlehen sind auf selten niedrigem Zinsniveau.

Ein Unternehmen ist jeden Tag aufs Neue auf den Prüfstand gestellt und muss sich darum kümmern wettbewerbsfähig zu bleiben, weitere Marktanteile zu gewinnen und neue Investitionen zu tätigen. Doch wie finanziert man das am besten alles? Hilfreich hierfür sind die momentan günstigen Zinssätze für Unternehmerkredite und Förderdarlehen. Ein beispielhaftes Programm der KfW-Banken (KfW -Kreditanstalt für Wiederaufbau: Förderbank der deutschen Wirtschaft und Entwicklungsbank für die Transformations- und Entwicklungsländer) ist das „Unternehmerkredit–Fremdkapital“ mit 1% effektivem Zins pro Jahr in der günstigsten Preisklasse, bei einer Auszahlung von 100% des Kreditbetrags. Die Zinsbindung ist von zwei bis zwanzig Jahren wählbar.

Finanziert werden vor allem Investitionen in Gebäude; Grundstücke oder Baumaßnahmen, Betriebs- und Geschäftsausstattung, Übernahmen, Maschinen, Anlagen oder Einrichtungsgegenstände, Firmenfahrzeuge.

Wer also über einen Firmenkauf oder eine Unternehmensnachfolge nachdenkt, der sollte dies am besten in naher Zukunft anpacken. Bis zu vier bzw. zehn Millionen Euro pro Geschäftsvorhaben können Unternehmer von der KfW in Form eines Förderdarlehens erhalten. Diese Angebote gelten übrigens ebenso für Investitionen im Ausland.

Wer völlig unbekannte Märkte erschließen will oder erstmalig als Unternehmensnachfolger fungiert und dafür Förderdarlehen beantragt oder neue Produktionsmethoden einführt, greift zu diesem Zweck meist ein- oder mehrmalig für eine bestimmte Dauer auf einen externen Berater zurück. Die gute Nachricht ist, dass auch diese Dienstleistungen über den Unternehmerkredit abgedeckt werden können.

Konkurrenzkampf um Übernahmeobjekte erwartet

Der weltweite Anstieg der M&A Aktivitäten nimmt weiter zu. Auch im ersten Quartal 2011 sind neue Höchststände zu verzeichnen, wobei der Anstieg der Transaktionsvolumina mit deutscher Beteiligung im ersten Quartal maßgeblich durch den T-Mobile (USA)-Deal beeinflusst wurde (39 Mrd USD).

Die Käufer sind zwar wählerischer als noch vor ein paar Jahren, was sicher auch den verschärften Auflagen der finanzierenden Banken zu verdanken ist, aber dennoch: die Nachfrage nach Unternehmen übersteigt das Angebot.

Nach Einschätzung der Studie „Finance M&A Panel“ haben insbesondere die deutschen Unternehmen derzeit gut gefüllte „Kriegskassen“ und befinden sich in Wartestellung für passende Objekte zur Übernahme.

Das dürfte mittelfristig für steigende Preise sorgen, was sich erfahrungsgemäß abgeschwächt auch auf die Bewertungen von nachfolgesuchenden KMU durchschlagen wird.

Banken vorsichtiger

Der Beteiligungsmarkt in Deutschland hat sich im Zuge der Finanzkrise sichtbar verändert, wie die KfW Bankengruppe und der KfW-Stiftungslehrstuhl  für Entrepreneurial Finance an der Technischen Universität München nachweisen:  in den Jahren 2007 bis 2009 ist eine zunehmende Professionalisierung und Verlagerung des Finanzierungsschwerpunktes auf die so genannte Spätphase zu konstatieren. Diesem Trend stehen zunehmende Angebotslücken beim Beteiligungskapital in der frühen Wachstumsphase gegenüber. Gleichzeitig sanken auch die Renditeerwartungen der Kapitalgeber.

Unzureichende Finanzierung als Stolperstein

Eine Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung   identifiziert eine unzureichende Startfinanzierung, unerwartete Marktveränderungen und strategische Fehlentscheidungen als wesentliche Gründe für das Scheitern junger Unternehmen. Das ZEW hat unter anderem 3.000 Unternehmen analysiert, die zwischen 2006 und 2009 geschlossen wurden. Kämpfen Sie deshalb in den Verhandlungen mit Kapitalgebern um jeden Euro.

Finanzierungsturbo: Bürgschaftsbanken geben mehr Zusagen

Fehlende Sicherheiten sind ein häufiger Knackpunkt bei der Finanzierung von Unternehmensnachfolgen. Die Bürgschaftsbanken in Deutschland haben in den ersten zehn Monaten des Jahres 6.600 Unternehmen mit Bürgschaftszusagen unter die Arme gegriffen (davon 2.500 Existenzgründungen), erfreuliche +14% gegenüber dem Vorjahr.