Tag Archiv für Unternehmensfinanzierung

Mit einer Verkäuferfinanzierung zur erfolgreichen Übernahme

Viele Angestellte, die schon einige Hürden auf der Karriereleiter genommen haben, denken irgendwann über eine Selbständigkeit nach. Seine eigene Firma zu haben, bedeutet viel Verantwortung und viel Arbeit, aber auch mehr Freiheit und ein überdurchschnittliches Einkommen.

Nachfolgelösungen scheitern nicht selten am Kaufpreis - ein Käuferdarlehen kann in diesem Fall helfen (Bild: flickr/pfala)

Nachfolgelösungen scheitern nicht selten am Kaufpreis – ein Käuferdarlehen kann in diesem Fall helfen (Bild: flickr/pfala)

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Unternehmensübergabe: Der Sprung ins kalte Wasser

Ein Unternehmen aufzubauen und erfolgreich zu führen ist für viele ein Lebenswerk. Die Übergabe an einen Nachfolger steht in der Regel ganz am Ende dieses Werkes und ist der einzige Bereich im eigenen Geschäft, auf dem man bisher keine Erfahrungen sammeln konnte. Für den Nachfolger ist es ähnlich. Die Entscheidung zur Selbständigkeit und speziell zur Übernahme eines bestehenden Unternehmens trifft man nicht so häufig – und möglicherweise bestimmt dieser Schritt das gesamte weitere Leben. Für beide Seiten ist es also oft ein Sprung ins kalte Wasser.

Um dieses Ereignis erfolgreich zu meistern, muss sich der Übergeber im Vorfeld einige Fragen beantworten. Warum möchte ich das Unternehmen abgeben? Wie soll der Übergabeprozess gestaltet sein? Wie soll mein Nachfolger sein? Denn auch die emotionalen Aspekte der Übergabe sollten nicht unterschätzt werden und egal ob der Nachfolger aus der Familie kommt oder fremd ist: man wird in jedem Fall einige Zeit zusammenarbeiten müssen. Weiterlesen

Ein expemplarisches MBO in der Verlagsbranche

Kaufen statt Gründen: Der Umbruch in der Medienlandschaft eröffnet neue Karrierechancen für unternehmerische Führungskräfte.

Die aktuelle Lage der Zeitschriftenverlage sieht derzeit alles andere als rosig aus. Die Financial Times Deutschland, die Frankfurter Rundschau und das Unternehmermagazin Impulse sind leider schon im Aus oder standen kurz davor. Und das wäre nur eine Auswahl von Beispielen des Blättersterbens aus der letzten Zeit. Einige konnten niemals die Einnahmen erzielen, die zur Sicherung des Qualitätsniveaus nötig waren, andere konnten nicht Schritt mit der Wandel der Zeit halten.

Häufig ist es derart, dass größere Verlagskonzerne einfach nicht mehr in der Lage sind, Nischenpublikationen wirtschaftlich zu führen und müssen sie deswegen aufgeben. Obwohl unter anderen Voraussetzungen das Produkt durchaus überlebensfähig wäre. In diesen Fällen sollten Sie sich Fragen stellen, wenn Sie in der Verlagsbranche tätig sind: Glauben Sie an Ihre Arbeit? Glauben Sie an Ihr Magazin und wollen sie nicht, dass dieses auch ausstirbt? – Dann übernehmen Sie es doch einfach! Denn Unternehmensnachfolgen sind eine clevere Alternative zur klassischen Existenzgründung.

Insbesondere leitende Angestellte scheuen eine Existenzgründung aus dem Nichts heraus, da sie es gewohnt sind, strukturierte Positionen auszufüllen. Doch falls nicht ein philanthropischer Erbe aus Liebhaber-Gründen einspringt, werden weitere qualitativ hochwertige Zeitschriften ohne zwingende Notwendigkeit ihre Publikation einstellen müssen.

Notwendige Voraussetzungen Weiterlesen

Successor: Die erste Messe für Unternehmer, die Nachfolger suchen

Der Mangel an geglückten Unternehmensnachfolgen verdeutlicht die Notwendigkeit, die dazu geführt hat, die erste Messe für Unternehmensnachfolgen in Deutschland einzuführen. Der Leitsatz der „Successor“ ist der des deutschen Philosophen Nikolaus von Kues „Eines ist so wichtig wie’s andere: rechtzeitig zufassen und rechtzeitig loslassen können.“

In vielen Zeitungen werden fast wöchentlich Erfahrungen geschildert, wie Unternehmensnachfolgen funktioniert haben bzw. funktionieren können. Doch stets ist ein Satz bei, der verdeutlicht, dass dieser positive Fall einer von wenigen Ausnahmen ist. Und die Auswirkungen fehlerhafter Übergaben sind fatal für die deutsche Wirtschaft sowie den Mittelstand überhaupt: Denn eine Schließung von gesunden Unternehmen ist unvermeidlich, wenn kein geeigneter Nachfolger gefunden wird. Manche schätzen die Situation sogar derart falsch ein, sodass die Suche gar nicht erst stattfinden kann. Laut einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn werden pro Jahr gar nicht so wenige mit einer plötzlichen Unternehmensnachfolge konfrontiert. Denn zehn Prozent der Inhaber werden vom Tod überrascht und vier Prozent erkranken irreversibel. Weiterlesen

Tipps und Tricks für ein erfolgreiches Management-Buy-in

Wer lange plant, der wird auch glücklich.

Schaut man sich innerhalb der mittelständischen und größeren Betriebe um, wird der aufmerksame Beobachter feststellen, dass es bei Übergaben bzw. Verkaufsprozessen mehrere Arten der Nachfolgeregelung gibt. Die drei bekanntesten Vorgehensweisen sind das MBO, das MBI und die familiäre Unternehmensnachfolge. Die beliebtesten Formen sind die familiäre Nachfolge oder das MBO.

Das Management-Buy-Out (MBO) ist die Form der Unternehmensübernahme von innen. Das heißt, das Management, welches vorher in einem Angestelltenverhältnis funktioniert erwirbt das Unternehmen und übernimmt die Belegschaft und arbeitet von nun an als Geschäftsführung. Ein MBO stellt oft die beste Variante für das Unternehmen dar. Denn der ehemalige Firmeninhaber kennt seinen Nachfolger schon und weiß, ob er der zukünftigen Herausforderung gewachsen ist. Ebenso ist der Nachfolger schon mit dem Unternehmen, den Mitarbeitern und dem Arbeitsalltag vertraut und startet in seiner neuen Rolle mit vergleichsweise wenigen Unsicherheiten.

Die gängigste Variante

Wenn ein Unternehmen durch einen Menschen oder ein ganzes Management von außen übernommen wird, spricht man vom sogenannten Management-Buy-In (MBI). Diese Form der Unternehmensübernahme kommt vor allem im Rahmen einer Nachfolgeregelung zum Tragen, wenn sich kein Familienangehöriger findet und kein Mitarbeiter als Unternehmenrnachfolger den Betrieb übernehmen kann oder will. Es ist die typischste Form der Übergabe. Zu den Nachteilen zählen eine lange Einarbeitungszeit und ein erhöhter Aufwand bei der neuen Vernetzung zu Kunden und Partnern. Der Kaufpreis wird im Zusammenhang mit einer umfangreichen Unternehmensbewertung und –analyse gefunden, die Finanzierung oft schwieriger als beim MBO, aber dennoch ein Standardfall für Förderbanken. Außerdem ist die Suche und sorgfältige Auswahl eines kompetenten Nachfolgers, der zum Unternehmen passt und über genügend Eigenkapital verfügt, keine leichte Aufgabe.

Meistens findet dieses schwierige Unterfangen der Übernahme stufenweise statt, so dass der zukünftige Firmeninhaber am Anfang für ein, zwei Jahre in die Geschäftsleitung mit eingebunden wird und so einen Überblick und Wissen über den Betriebsalltag bekommt.

Fehlendes Potential früh erkennen

Denn einer der häufigsten Gründe des Scheiterns einer Übernahme ist bei potentiellen Käufern die fehlende Führungserfahrung und mangelnde Marktkenntnisse. Daher sollte man sich klar nach seiner persönlichen Eignung fragen. Also, “habe ich alle Qualitäten und Fähigkeiten, die für den Geschäftsführerposten notwendig sind? Kenne ich die Branche der zum Verkauf stehenden Unternehmen, inklusive Vertriebswege und Standortsituation?” Zudem sollte man sich seiner finanzielle Situation bewusst sein bzw. eine Idee davon haben, wie viel Kaufpreis man mit Hilfe von Banken und Co. nachhaltig refinanzieren kann.

Lassen Sie sich helfen

Als Nächstes geht es darum, das richtige Unternehmen für sich zu finden. Es macht dabei sehr viel Sinn, sich bei der Suche und vor allem bei den Anbahnungen sowie Verhandlungen von erfahrenen, externen Beratern betreuen zu lassen. Professionaliotät hilft Fehler zu vermeiden. Und meist kauft man nur einmal im Leben ein Unternehmen. Mit professioneller Betreuung wird die Gefahr kleiner, dass man essentielle Risiken übersieht und hat gleichzeitig die Chance, dass vier Augen eher etwaige brachliegende Potentiale eines Unternehmens entdecken. Aber schon in der Anbahnung kann man Zeit & Ressourcen sparen, wenn man nicht zu oft vergeblich zu Terminen fährt. Auch hier ist es wichtig, dass man sich vorher darüber klar wird, wie das “Traumunternehmen” aussieht und wie realistisch diese Vorstellung ist. Es bringt niemandem etwas, wenn man sich Unternehmen anschaut, von denen man weiß: Das passt nicht zu mir oder das kann ich mir nicht leisten. Ein Profi kann kann das leichter im Vorhinein abschätzen.

Falls einem die Suche gelungen ist und ein potentieller Unternehmensverkauf in Reichweite steht, ist der Käufer gut beraten, eine ausführliche Analyse sowie eine Bewertung der Firma vornehmen zu lassen. Dabei sollte jeder dringend auf einen Rechtsanwalt, Steuer- oder Unternehmensberater zurückgreifen, denn in der Begeisterung, möglichweise das richtige Unternehmen gefunden zu haben, lässt sich auch für einen Experten einiges leicht übersehen. Trotzdem können auch Sie selbst ein Gefühl beim Recherchieren und Beobachten erhalten, wenn Sie sich beispielsweise den Standort, die Reputation, die Kunden, Mitarbeiter, Firmenräume, Wettbewerber und vieles mehr des Unternehmens genau anschauen. Wenn Sie selbst es nicht können, schicken Sie einen Freund also potentiellen Kunden in das Unternehmen.

Gut geplant ist halb gewonnen

Im Anschluss an die positiv ausgefallene Prüfung des Unternehmens folgt der Businessplan, der die vergangenheit und momentane Situation aufschlüsselt und darauf aufbauend Ziele und Maßnahmen zu deren Erreichung festlegt. Unverzichtbarer Bestandteil ist der Liquiditätsplan, damit Sie nicht gleich in den ersten Monaten nach der Übernahme trotz hoher Rentabilität in eine Liquiditätskrise stolpern. Auch für Finanzierungen gibt es zahlreiche freiberufliche Experten, die die Finanzierungsstruktur mit öffentlichen Fördermitteln und die Präsentation bei den Banken mit vorbereiten. Nach unserer Erfahrung sollte man darauf nicht verzichten, denn der erste Eindruck (auch) bei einer Bank lässt sich nicht wiederholen.

Falls diese erarbeiteten Zukunftsvorstellungen und Strategien sowohl Verkäufer als auch Käufer gefallen, kann die Umsetzung der Unternehmensübergabe folgen. Die Realität sollte dann von Quartal zu Quartal am Businessplan abgeglichen werden. Je nach Lage ist es ratsam flexibel auf Veränderungen eingegangen werden. Doch wenn man gut und ordentlich plant, sollte dem erfolgreichen MBI eigentlich nichts mehr im Wege stehen.

Erbschaftssteuer – das Damoklesschwert für mittelständische Betriebe

„Für jedes Töpfchen gibt es ein Deckelchen“ heißt es in der Liebe und es stimmt größtenteils, wenn man sich in der Welt umschaut. Doch für Unternehmensnachfolgen scheint das Prinzip nicht zu gelten. Viele Faktoren führen zu einer Komplexität der Übergabe, die der private Geschäftsführer schon kaum mehr überblicken kann. Und in Zukunft wird es scheinbar nicht einfacher.

Vierzig Prozent der Unternehmer finden keinen Nachfolger, weil es immer größere Schwierigkeiten gibt, dass es zwischen dem alten und neuen Geschäftsführer passt. Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) enden vier von zehn Übergaben in der Erfolgslosigkeit. Genau aus diesem Grund warnt der DIHK-Chef Hans Heinrich Driftmann die Parteien der Opposition, im Falle dass sie an die Regierung kommen, davor die Reichensteuer zu erhöhen und die Unternehmensnachfolge damit weiter zu erschweren. „Die Diskussion um die Erbschaftsteuer sorgt für erhebliche Verunsicherung gerade im Mittelstand“, sagte Driftmann der Deutschen Presse-Agentur. „Sollte es zum Beispiel nach der Bundestagswahl zu Verschärfungen kommen, wären rund 18.000 Unternehmen mit bis zu 100.000 Arbeitsplätzen gefährdet – und das Jahr für Jahr.“ Die Erbschaftssteuer würde Opfer fordern, die Rot-Grün noch gar nicht absehen könne.

Der Report, den die DIHK vor nicht allzu langer Zeit publiziert hat, zeigt auch, dass 56 Prozent der Existenzgründer Probleme haben vor allem die Betriebsübernahme finanziell zu bewältigen. Weiterhin ist es kompliziert geworden, ein Unternehmen in jüngere Hände zu legen, da der Großteil der potentiellen Kandidaten nicht ausreichend qualifiziert ist und dies teilweise erst zu spät in den Übergabeverhandlungen bemerkt wird. Es ist ohne externe professionelle Betreuung leicht zu unterschätzen, welche Herausforderungen auf einen bei der Übergabe zukommen.

Es finden nicht die Richtigen zusammen

Nach den Beobachtungen der Industrie- und Handelskammern suchten 2011 rund 39 Prozent der Senior-Unternehmer ergebnislos einen passenden Nachfolger. 2008 handelte es sich um „nur“ 35 Prozent. Unter den potenziellen Existenzgründern findet inzwischen sogar jeder zweite kein passendes Unternehmen, dessen Junior er werden könnte – nach 32 Prozent vor vier Jahren.

Finanzielle Starthilfe dank Zuversicht in ein Unternehmen

Ich glaube an das innovative Unternehmen, also gebe ich Startkapital dazu – so oder so ähnlich lauten sicherlich die Gedanken, bevor ein Investor bereit ist, Geld für ein Startup zu stellen. Jedoch viele Gründer lassen potentielle Investoren ihre Euphorie spüren, sodass das Geschäft mit Crowdinvestment mittlerweile boomt.

Jede Kleinigkeit der Firmenidee ist bis ins Detail durchdacht, erste Theorien in die Praxis umgesetzt – nur beim Rechnen merken die Unternehmensbetreiber: Es fehlt an Geld. Die Lösung Scheint ganz simple. Unternehmensgründer stellen ihre Geschäftsidee im Netz vor und sammeln so interessierte Unterstützer für das Projekt. Der einzelne Geldbetrag muss dabei nicht mal eine riesige Summe sein, wenn sich viele für den Unternehmensstart einsetzen. Crowdinvestment verändert die Einführung von Produkten und Startups und ermöglicht, dass es künftig auf kreative Einfälle viel mehr ankommen könnte als auf eine Finanzierungsgrundlage. Das heißt, wer andere von seinem Vorhaben überzeugen kann, der braucht sich über eine Finanzierung weniger Sorgen zu machen.

Im letzten Jahr sind wiederholt Rekordzeiten aufgestellt worden, in dem eine Unternehmensidee vollständig ihre Finanzierungsbasis fand. Zum Beispiel wurde das Startup „easyCard“ in weniger als 90 Minuten mit 100.000€ unterstützt worden. Hilfreich war dazu sich bei Seedmatch, nur eine von vielen Plattformen, attraktiv darzustellen. Seit das Prinzip des Crowdinvestments nicht mehr neu ist, gibt es einen regelrechten Hype der Unternehmen, das beste Startup zu finanzieren.

Im Jahr 2011 wurden den sechs Spitzenreiter der Startups, die über solche Plattformen Investoren fanden, mit über einer Million Euro geholfen. In der ersten Jahreshälfte 2012 trieb man rund 1,4 Millionen Euro auf.

Nichts ist umsonst

Die Investoren der Startups werden in Form einer stillen Teilhabe integriert. Falls ein Unternehmen durch die Decke geht, werden die Unterstützer an der Gewinnausschüttung beteiligt. Für die Investoren ist wichtig zu wissen, dass sie sich nicht auf eine Gewinnbeteiligung in den ersten Jahren einlassen sollten, denn laut Expertenaussagen schreibt ein Jungunternehmen in der Regel erst nach vier Jahren bemerkenswert schwarze Zahlen.

Damit wird die Differenz zum Crowdfunding deutlich, bei dem die finanziellen Helfer für den geleisteten Beitrag einen Gegenwert, in Form von limitierten Waren oder in ideeller Form wie eine Gastrolle im Film oder einer Führung im Atelier, erhalten.

Eine Plattform wie Seedmatch erhält vom jeweiligen Startup ein Erfolgshonorar in Höhe von 5 bis 10 Prozent des gesuchten Kapitals. Die Mindestsumme liegt übrigens bei 50.000 Euro.

Plattformen sind auch Startups

Die Idee der sogenannten Schwarmfinanzierung ist keine neue Erfindung des digitalen Zeitalters. Denn in Bereichen wie Musik, Filmemachen und der Schriftstellerei liehen sich die Künstler schon früher Geld von anderen Menschen, die an deren Projekte glaubten und beteiligten die Investoren im Erfolgsfall. Das Crowdinvesting für Startups übers Internet ist hingegen noch nicht lange auf dem Markt. Seiten wie Kickstarter, Gründer+, Innovestment, Mashup Finance sowie Founding crowd schießen jeden Monat wie Pilze aus dem Boden. Jedoch stellen manche von ihnen die Suche nach finanzieller Hilfe für andere schnell wieder ein, weil sie ihr Startkapital aufgebraucht haben.

Wo sind all die Nachfolger hin? Wo sind sie geblieben?

Gegen Ende jeden Jahres erscheint der DIHK Report zu Unternehmensnachfolgen. In 2012 werden die häufigsten Probleme für fehlende Nachfolgeregelungen genannt und ein erschreckendes Resümee gezogen.

Der DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2012 ist veröffentlicht und er zeigt, dass es in Deutschland zunehmend komplizierter wird, einen passenden Nachfolger zu finden. 40 Prozent aller Unternehmen haben sogar eklatante Schwierigkeiten bei der Suche.

Die Hindernisse liegen laut Studie vor allem im demographischen Wandel. Denn wer soll eine Firma übernehmen, wenn es nicht genügend qualifizierte Kandidaten dafür gibt? In den nächsten fünf Jahren sind es laut der DIHK 110.000 Unternehmen, die zur Übernahme frei verfügbar sind. Doch es fehlen jedes Jahr mehr potentielle Nachfolger. Nicht immer scheitert es an der Eignung oder am Unternehmercharakter, sondern 56 Prozent der Kaufinteressenten und Existenzgründer können die Betriebsübernahme aus finanzieller Sicht nicht vollbringen. Im Vergleich zu vorherigen Zeiten weisen die Interessenten nur selten genügend Eigenkapital aus. Auch Sicherheiten für die Bank sind nicht immer im ausreichenden Umfang vorhanden. Zudem hat sich die Vergabe von Bankkrediten laut DIHK in den vergangenen zwölf Monaten erschwert. Auf der anderen Seite ist es für Gründer leichter geworden, Bürgschaften zu bekommen oder ein Darlehen von dem Senior-Unternehmer, der seinen Nachfolger damit unterstützen will. Diese Verkäuferfinanzierung ist aus dem Mangel an finanziell potenten Käufern geboren. Falls das Verkäuferdarlehen wegfallen würde, kämen noch weniger erfolgreiche Unternehmensnachfolgen zustande und das wäre in keinerlei Interesse.

Erbschaftssteuer verbaut Zukunft

Die familiäre Unternehmensnachfolge wird zunehmend auch heikel, wenn die Befürchtung einer Erhöhung der Erbschaftssteuer wahr wird. Die Oppositionsparteien wollen das Betriebsvermögen im Falle einer Erbschaft nicht mehr wie jetzt ganz oder teilweise unberücksichtigt lassen. Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann gibt den Gesetzgebern weißt auf folgende Gefahren hin: „Sollte es zu Verschärfungen kommen, wären rund 18.000 Unternehmen mit bis zu 100.000 Arbeitsplätzen gefährdet – und das Jahr für Jahr“. Damit wären laut Einschätzung der Senior-Unternehmer und Existenzgründer etwa ein Viertel aller Unternehmensnachfolgen bedroht.

Auch die Ausnahmeregelung, dass ein Betrieb steuerfrei zu vererben ist, wenn bestimmte Richtlinien eingehalten werden, steht für Grüne und SPD zum Abschuss frei. Die Auflage, dass der Nachfolger die Firma sieben Jahre lang mit mindestens gleichbleibenden Löhnen weiter führen muss, ist dann eine Geschichte der Vergangenheit. Aber nicht nur die Politik ist ungehalten ob der momentanen Erbschaftssituation – auch die Juristen sind uneins darüber.

Wir haben nicht ewig Zeit

Die Industrie- und Handelskammern berichten davon, dass ein passender Nachfolger auch manches Mal nicht gefunden wird, weil das Thema zu ungemütlich ist um es in den goldenen Jahren eines Seniors anzugehen. Die Beobachtungen ergaben, dass die Hälfte aller älteren Unternehmer es leider zu spät schafft, sich um eine geregelte Unternehmensnachfolge zu kümmern. Denn im Ernstfall sind ein bis drei Jahre Übergabe zu viel Zeit. Auf der anderen Seite fordert ein Verkäufer hin und wieder auch einen völlig unrealistischen Verkaufspreis. Verständlich ist, dass man sein Lebenswerk nicht für ein paar Euro weggeben mag, doch marktferne Angebote fördern nicht gerade die Verkaufsschnelligkeit. Und selbst wenn die geschäftlichen Voraussetzungen gegeben sind, beklagen die Geschäftsführer zunehmend mehr, dass die potentiellen Nachfolger der Aufgabe nicht gewachsen seien und so kein Deal zustande kommen kann. „Bedenklich stimmt, dass dieser Anteil über die letzten vier Jahre stets gewachsen ist.”, wird im Report bemerkt.

Was solche Feststellungen über die Entwicklung in den nächsten Jahren aussagen, darüber kann nur spekuliert werden. Gut scheint die Prognose jedoch nicht anzumuten.

Unternehmen trauen sich nicht

Die Risikoscheu der Unternehmer und der Banken bei der Kreditvergabe verhindern das Ansteigen des M&A Index in Deutschland. Was wird passieren müssen, damit unsere Firmen sich dem in den USA vorgelebten Mut anschließen und wieder in Fusionen und Übernahmen investieren?

Bei Fusionen und Übernahmen (M&A) surft Deutschland weiterhin nicht auf der Welle des Erfolges. Obgleich Deutschlands Wirtschaft bisher nicht stark von der Krise beeinträchtigt wurde, gibt es laut Berechnungen des Zentrums der Europäischen Wirtschaftsforschung (ZEW) keinen Aufschwung, was den M&A-Bereich angeht. Noch zur Jahrtausendwende war der Ausgangswert des ZEW-Zephyr M&A Index bei 100 Punkten, Anfang 2011 bewegt er sich nur noch bei 60.

Und so schnell soll sich das auch nicht ändern, meinen die Experten und prognostizieren bis 2013 keine Anstieg des Index. Trotz einiger funktionierender Deals, die in den ersten sechs Monaten von 2012 abgeschlossen wurden, konnte der M&A-Markt keinen merklichen Aufwind bekommen. Zum Beispiel blieb der Index völlig unbeindruckt vom Verkauf des Immobiliengeschäfts der Deutschen Kreditbank an die TAG Immobilien, obwohl 160 Millionen Euro den Eigentümer wechselten.

Nur der Mut fehlt

Der gut stehende Dax begünstigt vermehrt Börsengänge, wie in jüngster Vergangenheit von Telefonica oder Talanx gezeigt. Doch für eine Übernahme und Fusion spielen zusätzliche Faktoren eine bedeutende Rolle. „Die konjunkturelle Entwicklung und Erwartung ist entscheidend. Die Unsicherheit schreckt Investoren ab“, sagt Vigen Nikogosian, Projektleiter beim ZEW. Der eingeschränkte Wille von Banken Kredite zu vergeben, ist sicherlich auch eine Variable um die fehlenden Übernahmen und Fusionen zu erklären. Denn damit wird trotz günstiger Zinssätze verhindert, dass flüssiges Kapital zum Erwerb von Firmen vorhanden ist.

Das Land des wiedergefundenen Vertrauens

Ganz im Gegensatz zu unserem Land ist die USA klar auf dem Vormarsch, was Fusionen und Übernahmen angeht: „Die Investoren haben dort wieder Vertrauen gewonnen. Allerdings haben sich zuvor die Transaktionen zwischen 2006 und 2009 auch halbiert“, sagt Nikogosian.

Immerhin gebe es einen Hoffnungsschimmer. Nicht zuletzt muss durch einen Wandel in der Bankenbranche Bewegung in den M&A-Markt kommen. „Wir warten eigentlich auf eine M&A-Welle. Die könnte durch externe Schocks hervorgerufen werden“, sagt Nikogosian. Dazu könnte die Forderung führen, die Banken organisatorisch in Kreditbanken und Investmentbanken zu trennen. Die Unternehmen müssten dann den bürokratischen Aufwand dazu gebrauchen, Geschäftszweige abzustoßen, die in näherer Zukunft unprofitabel erscheinen, schätzt der Experte.

Das könnte dann auch im gesamten Euro-Raum eine gewisse Genesung der M&A-Tätigkeit hervorrufen. Denn von wenigen Ausnahmen abgesehen steht Deutschland mit den geringen Übernahmeaktivitäten nicht alleine da. Einzig die Marktbereinigung in der spanischen Bauindustrie führt dort gerade zu einem hohen Anstieg bei Fusionen und Übernahmen.

IT-Startup-Unternehmer: die jungen Wilden von Nebenan – weit gefehlt

Der IT-Branchenverband Bitkom gab eine Studie in Auftrag, wonach ermitteln werden sollte, wie alt der typische Gründer eines IT-Startups ist und wo er herkommt. Die Ergebnisse sind überraschend.

Neue Ideen, Innovationen, kreativ knisterndes Klima, an Waghalsigkeit grenzender Mut – all das müsste man meinen, findet sich vor allem unter dem studentischen Volk oder frisch Gebackenen Absolventen wieder. Doch diese Vorstellung hat nichts mit der Realität zu tun, zeigt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Diese forschte im Auftrag des IT-Branchenverbandes Bitkom genauer über die Altersstrukturen von deutschen IT-Startup-Gründern. Das ZEW fand heraus, dass der ein Gründer durchschnittlich 38 Jahre alt ist und darunter werden wenige Studenten im 30. Semester vermutet. Gründungsbeispiele wie die von Mark Zuckerberg kommen in Deutschland nur selten vor. Denn mit 17 Jahren Berufserfahrung, davon elf Jahre in der IT-Branche gesammelt, nehmen die meisten Startup-Gründer ein eigenes Unternehmen in Anspruch. Erfahrung ist laut Studie genauso wichtig wie eine hochqualifizierte Bildung, denn nur knapp mehr als die Hälfte aller Gründer haben je eine Universität besucht. Die Mitarbeiter in solchen Firmen haben auch nur zu 36% studiert und zur Hälfe eine abgeschlossene Berufsausbildung. Der Großteil von Startup-Unternehmen sind Neugründungen aus bereits existierenden Firmen. Schließlich entscheiden sich Menschen lieber aus einem sicheren Arbeitsverhältnis heraus, in dem ein finanzieller Puffer für die Selbstständigkeit erwirtschaftet werden konnte, als sich am Anfang ihrer Karriere in Schulden zu stürzen.

In München, Berlin und Hamburg wird fleißig gegründet

Die deutschen Zentren von kreativen IT-lern liegen laut Studie in München und Berlin, da hier die meisten Startups aus dem Boden schießen. Die ostdeutschen Bundesländer bilden das Schlusslicht im Bezug auf IT-Gründungen. Insgesamt wurden 2011 mehr als 8000 Firmen deutschlandweit in diesem Wirtschaftszweig gegründet. Damit stieg die Zahl der Gründungen um ein Viertel im Vergleich zu den Vorjahren seit 1995.

Alles aus eigener Kraft

„In Summe braucht ein Gründer circa 700.000 Euro über einen Zeitraum von vier Jahren, wobei das Gründungsjahr selbst mit 70.000 Euro eher bescheidener ausfällt”, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf.

Beim Blick in andere Branchen ist das ein gängiger finanzieller Rahmen für den Anfang. Im Gegensatz zu anderen Fachbereichen jedoch können sich IT-ler nicht auf öffentliche Zuschüsse freuen. Die Neugründungen müssen sich schnell auf dem Markt beweisen, da sie lediglich aus selbst erwirtschafteten Einnahmen und dem Gründereigenkapital schöpfen. So ist es auch wenig verwunderlich, dass nur zirka 60 Prozent aller IT-Startups ihr fünfjähriges Bestehen feiern.