Tag Archiv für Firmenverkauf

Wenn Nachfolgepläne scheitern

Innerhalb von zwei Wochen sind mir drei Unternehmer vorgestellt worden, deren Betriebe in Ermangelung eines passenden Unternehmensnachfolgers, bzw. Unternehmenskäufers liquidiert wurden, bzw. bei denen eine Liquidation geplant ist:

Gesundes Metallbauunternehmen: Liquidation mangels Nachfolger

Fall 1: Ein Metallbaubetrieb im Berliner Umland, mit glänzender Vergangenheit und branchenbekanntem Namen. Die Umsätze lagen noch vor sieben Jahren deutlich jenseits der Millionen-Euro-Marke, bei satten Erträgen. Ein Berater versuchte über drei Jahre erfolglos einen Nachfolger zu finden. Der Inhaber stimmte schließlich in Eigenregie der Übernahme durch einen Wettbewerber zu und verlegte den Firmensitz schon einmal in dessen Nähe. Der Deal platzte und der Unternehmer hat aufgegeben, die Versuche haben ihn über die Jahre zu viel Kraft und Nerven gekostet. Als inzwischen nur noch 1-Mann-Betrieb erwirtschaftet er stabile 150.000-180.000 EUR Umsatz im Jahr und wird trotzdem zum Jahresende 2012 liquidieren, die Betriebsausstattung soll an einen Industrieverwerter verkauft werden. Weiterlesen

Lieber angestellt als angetreten

Familienunternehmen sterben aus, weil immer weniger Studenten die Nachfolge ihrer Eltern anstreben

Die Ergebnisse einer Studie des Center for Family Business der Universität St. Gallen (CFB-HSG), die in Kooperation mit der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young* durchgeführt wurde, sind alarmierend für die mittelständischen Unternehmen.

Es wurden mehr als 28.000 Studenten aus 26 Ländern befragt, deren Eltern ein Familienunternehmen führen. Nur vier Prozent der deutschen Studentenschaft kann sich vorstellt direkt nach dem Studium die Nachfolge anzutreten. Hingegen 74% wollen dies in keinem Fall.

Selbstfindung heißt Unabhängigkeit gegenüber der Eltern

Die Firma als Generationenprojekt zu sehen, ist längst nicht mehr up-to-date. Der Trend heißt Individualität. Anstelle im elterlichen Betrieb zu arbeiten oder ihn sogar zu übernehmen, strebt der Großteil der Unternehmerkinder (76%) nach einer Karriere als Angestellter. Obgleich mehr als die Hälfte aller deutschen Unternehmerkinder berufspraktische Erfahrungen und spezifische Fertigkeiten im Elternbetrieb gesammelt haben, nutzen sie lieber die beruflichen Alternativen im externen Umfeld, um sich unabhängig von der elterlichen Aufsicht auszuprobieren und sich ihrer Leistung bewusst zu werden.

Eltern können den richtigen Anstoß geben

Mit rationalen Argumenten allerdings haben es Eltern nicht leicht: Eine intensive Auseinandersetzung mit einer möglichen Unternehmensnachfolge finde unter deutschen Unternehmerkindern nur selten statt. Auf einer Skala von 0 („ich habe mich nie mit einer Nachfolge beschäftigt“) bis 7 („ich habe bereits die Unternehmensführung übernommen“) liegt Deutschland lediglich bei einem Wert von 0,96 (globaler Durchschnitt: 1,02).

Die jetzige Generation der Unternehmensführung kann lediglich die Idee wiederholt ins Gedächtnis der Kinder rufen, ein positives Rollenmodell von Unternehmertum vorleben und die positive Unterstützung im Falle einer familiären Unternehmensnachfolge signalisieren.

Die Dosis macht das Gift: Druck ist kontraproduktiv

Jedoch zu stark sollten Eltern ihre Kinder nicht zur Unternehmensnachfolge drängen. Vor allem sehr selbstbewusste und qualifizierte Kinder wollten sich zunächst frei vom elterlichen Umfeld beweisen, indem sie beispielsweise ein eigenes Unternehmen gründen. Eltern könnten zu einer solchen Selbstfindungsphase wichtigen Beistand leisten, indem sie bei der Ideenfindung helfen sowie Ressourcen wie Kontakte oder Tipps zur Unternehmensführung zur Verfügung stellen.

Das „Kind“ extern suchen

Natürlich gibt es auch passende Nachfolger außerhalb der eigenen Familie. Laut Studie des CFB-HSG seien langfristig erfolgreich aber vor allem diejenigen Unternehmen, in denen sich mehrere Generationen für die Entwicklung verantwortlich fühlen.

In jedem Fall beeinträchtigt eine ungeklärte Nachfolge die Leistungsfähigkeit von Unternehmen erheblich. Daher sollte insbesondere darauf geachtet werden zur rechten Zeit einen passenden Unternehmensnachfolger für das über Generationen aufgebaute Familienunternehmen zu finden. Wenn nicht innerhalb dann eben außerhalb der Familie.

*edit 18.09.2014: Der Link zu den Studien ist inzwischen leider nicht mehr verfügbar.

Kostenlose Juristische Beratung

Im Rahmen einer Kooperation bietet die IHK Rhein-Neckar zusammen mit den lokalen Anwaltsvereinen in Mannheim, Heidelberg und Mosbach eine kostenlose Beratung zu rechtlichen Aspekten rund um Unternehmensnachfolgen an. Die einstündigen Einzelberatungen (!) mit örtlichen Rechtsanwälten können von potentiellen Unternehmensnachfolgern, als auch Firmeninhabern in Anspruch genommen werden. Das Angebot wird derzeit pro Standort rund sechsmal im Jahr offeriert, um Anmeldung wird gebeten. Weitere Informationen und Termine im IHK-pdf.

Kaufpreisfindung dem Profi überlassen

Ein Unternehmer hat in der Regel langjährige Erfahrungswerte mit der Preisfindung seiner Produkte. Wenn er z.B. bereits unzählige Male sein Hauptprodukt für 100 EUR verkauft hat, wird er das Angebot eines Neukunden, der 70 EUR dafür bietet, lächelnd abweisen, da genügend Alternativen für 100 EUR zur Verfügung stehen. Beim Verkauf seines eigenen Unternehmens fehlen dem Inhaber im Allgemeinen diese Erfahrungswerte. Die Vorstellungen über die Höhe des Unternehmenswertes basieren oft auf idealisierten Erwartungen bezüglich nicht genau spezifizierter Wachstumschancen, die nur aufgrund des eigenen Alters nicht mehr angegangen wurden, der persönlichen Lebensplanung, oder auf Hörensagen von anderen Transaktionen. Passende Käufer werden durch einen überhöhten Wunschverkaufspreis oft abgeschreckt und der Unternehmensverkauf verzögert sich unnötig, manchmal über Jahre.

Investmentbanker und M&A-Berater dagegen können aufgrund ihrer Branchenexpertise sehr genau einschätzen, welcher Unternehmenswert aufgrund von Fundamentalkennziffern, vergleichbaren Industrietransaktionen in der Vergangenheit (Multiples), sowie der strategischen Ausrichtung potentieller Käufer (Akquisitionskriterien) derzeit ansetzbar ist.

Ein guter M&A-Consultant hat Erfahrung im Umgang mit divergierenden Preisvorstellungen und anderen unterschiedlichen Erwartungen beider Seiten, die sich als deal breaker entpuppen können.

Neben den notwendigen Optimierungen innerhalb des Betriebes empfiehlt sich daher für einen erfolgreichen Firmenverkauf

  • ein fundierter Businessplan mit realistischen Annahmen und mindestens zwei Szenarien
  • ein belastbares Wertgutachten, basierend auf einer hochwertigen Verkäufer-Due-Diligence
  • ein umfassendes Verkaufsprospekt, das in Umfang und Qualität dem Wert des Betriebes angemessen ist
  • ein M&A-Berater oder ein anderer erfahrener Mediator, der die Preisverhandlungen führt.

Ein M&A-Berater als Vermittler trägt auch dazu bei, dass das persönliche Verhältnis zwischen Käufer und Verkäufer nicht unnötig durch harte Verhandlungstaktiken belastet wird, so dass eine vertrauensvolle Einarbeitungs- bzw. Übergabezeit möglich ist.

Konkurrenzkampf um Übernahmeobjekte erwartet

Der weltweite Anstieg der M&A Aktivitäten nimmt weiter zu. Auch im ersten Quartal 2011 sind neue Höchststände zu verzeichnen, wobei der Anstieg der Transaktionsvolumina mit deutscher Beteiligung im ersten Quartal maßgeblich durch den T-Mobile (USA)-Deal beeinflusst wurde (39 Mrd USD).

Die Käufer sind zwar wählerischer als noch vor ein paar Jahren, was sicher auch den verschärften Auflagen der finanzierenden Banken zu verdanken ist, aber dennoch: die Nachfrage nach Unternehmen übersteigt das Angebot.

Nach Einschätzung der Studie „Finance M&A Panel“ haben insbesondere die deutschen Unternehmen derzeit gut gefüllte „Kriegskassen“ und befinden sich in Wartestellung für passende Objekte zur Übernahme.

Das dürfte mittelfristig für steigende Preise sorgen, was sich erfahrungsgemäß abgeschwächt auch auf die Bewertungen von nachfolgesuchenden KMU durchschlagen wird.

Preise steigen

Wie das Magazin impulse berichtet, werden die bei M&A zu erzielenden Preise in 2011 spürbar steigen. Die auf Unternehmensbewertung spezialisierte Beratungsgesellschaft Klein & Coll sieht die Gründe dafür in den sich allmählich wieder verbessernden Kreditbedingungen für Übernahmen und der wieder erstarkten Kauflust vieler Investoren. Der Faktor, um den der Kaufpreis auf den Jahresumsatz abhebt, erhöht sich je nach Branche unterschiedlich stark, am meisten in Hightech- und Automobilbranche – Ein weiterer Indikator für die siebte M&A-Welle (wir berichteten am 08. Oktober).