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Gelungene Unternehmensnachfolge: die Erfolgsstory einer Berliner Druckerei

Im Interview mit der Fredelia AG erzählt Ines Schöne welche Vorteile ein Unternehmenskauf gegenüber Neugründung hat, welche unpopulären Entscheidungen man als Unternehmerin manchmal treffen muss und warum Sie niemals auf die Unterstützung professioneller Berater verzichten würde.

Frau SchöneFoto_Schöne_klein, Sie haben im Angestelltenverhältnis erfolgreich Karriere gemacht und waren Vertriebsleiterin in verschiedenen Unternehmen. War für Sie trotzdem die ganze Zeit klar, dass Sie irgendwann ihre eigene Chefin sein möchten?

Ines Schöne: Eigentlich hat sich das so entwickelt. Alle Tätigkeiten die ich ausgeübt habe, waren dadurch geprägt, dass ich ziemlich selbständig arbeiten durfte und konnte. Was diesen Unternehmen auch zugute kam. Ich konnte dort alle meine Stärken mit einbringen. Als ich dann arbeitslos wurde aus der letzten Tätigkeit heraus, weil die Herren sich dort verkalkuliert hatten, war für mich total klar, dass jetzt nur noch eine Selbständigkeit geht. Weil ich auch immer sehr engagiert gearbeitet habe und das wollte ich nicht mehr für andere Leute tun. Also wenn ich schon viel Verantwortung übernehme, dann wollte ich sie jetzt auch allein tragen.

Also Sie sind in die Selbständigkeit gegangen, weil Sie gekündigt wurden. Ansonsten wären Sie dort geblieben?

Ines Schöne: Eigentlich war meine Tätigkeit nicht viel anders als hier: Kunden bedienen, Kunden betreuen, in meinem Gewerbe. Das war mein Leben, ich hätte dort alt werden können. Insofern war der Schock umso größer. Und wenn der Schock so groß ist, dann ist er offensichtlich auch heilsam und dann sagt man sich: Das was Du da gemacht hast, das kannst Du dann auch allein machen!

Also sich einen anderen Job im Angestelltenverhältnis suchen, kam für Sie nicht in Frage.

Ines Schöne: Nein, das wäre nach dieser Erfahrung nicht mehr in Frage gekommen.

Würden Sie sich als typische Unternehmerin bezeichnen?

Ines Schöne: Ich habe zu Hause ein Buch stehen mit dem Titel “Komm wir unternehmen was”. Und ich glaube, dass Unternehmer wirklich diejenigen sind, die etwas tun. Die wirklich was bewegen und bewegen wollen. Und das allerdings wollte ich schon in meinen abhängigen Tätigkeiten immer tun. Deshalb denke ich, dass ich eigentlich eine Unternehmerin bin, ja.

War es klar, dass es eine Druckerei werden soll?

Ines Schöne: Kann ich so nicht bestätigen. Erstens ist man so ein bisschen zwiegespalten. Wenn man so lange im grafischen Gewerbe ist, dann kennt man natürlich auch die Tücken dieses Gewerbes und weiß, dass es ein extrem gefährliches ist. Insofern, als es hart umkämpft ist. Die elektronischen Medien, wird ja immer wieder behauptet, werden die Bücher und Zeitschriften ablösen. Diesen Trend kann ich so jetzt noch nicht bestätigen. Das was wir hören ist, dass bei hochauflagigen Zeitschriften und Zeitungen die Auflagen rückgängig sind.

Man hat zumindest ein bisschen das Gefühl, Print ist am Aussterben.

Ines Schöne: Ja, aber dieses Gefühl wird einem stückweit ausgeredet, wenn ich sehe, was wir für interessante Sachen drucken und aus welchen Ecken diese Sachen kommen. Weiterlesen

Übernahme statt Neugründung

Wer sich mit dem Gedanken der Selbständigkeit trägt, sollte lieber ein bestehendes Unternehmen kaufen, anstatt ganz von vorn zu beginnen. Diesen Tipp erhielt man gleich mehrfach  beim Expertinnengespräch  in der Gründerinnenzentrale Berlin zum Aktionstag „Unternehmensnachfolge durch Frauen“ am vergangenen Donnerstag. Dabei ist es gerade für Frauen nicht immer leicht, andere davon zu überzeugen, dass sie die richtige Nachfolgerin sind.

Am 13. Juni 2013 rief die bundesweite Gründerinnenagentur (bga) zum Nationalen Aktionstag „Unternehmensnachfolge durch Frauen“ auf.  Im gesamten Bundesgebiet fanden Veranstaltungen statt, auf denen sich interessierte Frauen über den Kauf eines Unternehmens informieren konnten. Unternehmerinnen, die ihr Geschäft übergeben möchten oder bereits eine erfolgreiche Übernahme hinter sich haben, teilten ihre Erfahrungen mit und gaben Tipps, worauf man achten sollte, wenn man eine Firma kauft oder verkauft. Ziel des Aktionstages, der bereits zum fünften Mal stattfand, ist es, die vielen hochqualifizierten Frauen, die es Deutschland gibt, zu ermutigen ihre eigene Chefin zu werden.

Auch in der Berliner Gründerinnenzentrale wurde zu diesem Thema diskutiert. Die Bilanz der Hauptstadt sieht in puncto Unternehmensübernahme besser aus als anderswo, sagt Jana Pintz von der IHK Berlin. Dennoch haben auch in der Metropole viele Unternehmen Probleme, die geeignete Nachfolgerin bzw. Nachfolger zu finden. Vor allem Frauen sind stark unterrepräsentiert bei der Übernahme bestehender Betriebe. So wie überall, wenn es um Führungspositionen geht. Selbst wenn sie sich für den Weg in die Selbständigkeit entscheiden, denken Frauen selten darüber nach, einen Betrieb zu übernehmen. Nicht einmal dann, wenn dieser im Familienbesitz ist. Frau Dr. Andrea Schirmacher von der Gründerinnenzentrale berichtet von einer jungen Frau, die sich zum Thema Existenzgründung beraten ließ – ein Kindercafé war die Idee. An die Übernahme der väterlichen Tütenfabrik hat sie im Traum nicht gedacht. Und der Vater auch nicht.

Frauen wird zu wenig zugetraut

Entscheidet man sich als Frau jedoch dafür, ein Unternehmen zu kaufen – womöglich eine Firma mit langer Tradition, mehreren Mitarbeitern, in einer „frauenuntypischen“ Branche – kann es selten sofort los gehen. Die Inhaberin einer Druckerei, die vor einigen Jahren genau diesen Entschluss gefasst hat, erinnert sich, dass viele Firmenbesitzer nicht an sie verkaufen wollten. Man hat es ihr als Frau einfach nicht zugetraut. Weiterlesen

Ein expemplarisches MBO in der Verlagsbranche

Kaufen statt Gründen: Der Umbruch in der Medienlandschaft eröffnet neue Karrierechancen für unternehmerische Führungskräfte.

Die aktuelle Lage der Zeitschriftenverlage sieht derzeit alles andere als rosig aus. Die Financial Times Deutschland, die Frankfurter Rundschau und das Unternehmermagazin Impulse sind leider schon im Aus oder standen kurz davor. Und das wäre nur eine Auswahl von Beispielen des Blättersterbens aus der letzten Zeit. Einige konnten niemals die Einnahmen erzielen, die zur Sicherung des Qualitätsniveaus nötig waren, andere konnten nicht Schritt mit der Wandel der Zeit halten.

Häufig ist es derart, dass größere Verlagskonzerne einfach nicht mehr in der Lage sind, Nischenpublikationen wirtschaftlich zu führen und müssen sie deswegen aufgeben. Obwohl unter anderen Voraussetzungen das Produkt durchaus überlebensfähig wäre. In diesen Fällen sollten Sie sich Fragen stellen, wenn Sie in der Verlagsbranche tätig sind: Glauben Sie an Ihre Arbeit? Glauben Sie an Ihr Magazin und wollen sie nicht, dass dieses auch ausstirbt? – Dann übernehmen Sie es doch einfach! Denn Unternehmensnachfolgen sind eine clevere Alternative zur klassischen Existenzgründung.

Insbesondere leitende Angestellte scheuen eine Existenzgründung aus dem Nichts heraus, da sie es gewohnt sind, strukturierte Positionen auszufüllen. Doch falls nicht ein philanthropischer Erbe aus Liebhaber-Gründen einspringt, werden weitere qualitativ hochwertige Zeitschriften ohne zwingende Notwendigkeit ihre Publikation einstellen müssen.

Notwendige Voraussetzungen Weiterlesen

Successor: Die erste Messe für Unternehmer, die Nachfolger suchen

Der Mangel an geglückten Unternehmensnachfolgen verdeutlicht die Notwendigkeit, die dazu geführt hat, die erste Messe für Unternehmensnachfolgen in Deutschland einzuführen. Der Leitsatz der „Successor“ ist der des deutschen Philosophen Nikolaus von Kues „Eines ist so wichtig wie’s andere: rechtzeitig zufassen und rechtzeitig loslassen können.“

In vielen Zeitungen werden fast wöchentlich Erfahrungen geschildert, wie Unternehmensnachfolgen funktioniert haben bzw. funktionieren können. Doch stets ist ein Satz bei, der verdeutlicht, dass dieser positive Fall einer von wenigen Ausnahmen ist. Und die Auswirkungen fehlerhafter Übergaben sind fatal für die deutsche Wirtschaft sowie den Mittelstand überhaupt: Denn eine Schließung von gesunden Unternehmen ist unvermeidlich, wenn kein geeigneter Nachfolger gefunden wird. Manche schätzen die Situation sogar derart falsch ein, sodass die Suche gar nicht erst stattfinden kann. Laut einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn werden pro Jahr gar nicht so wenige mit einer plötzlichen Unternehmensnachfolge konfrontiert. Denn zehn Prozent der Inhaber werden vom Tod überrascht und vier Prozent erkranken irreversibel. Weiterlesen

Tipps und Tricks für ein erfolgreiches Management-Buy-in

Wer lange plant, der wird auch glücklich.

Schaut man sich innerhalb der mittelständischen und größeren Betriebe um, wird der aufmerksame Beobachter feststellen, dass es bei Übergaben bzw. Verkaufsprozessen mehrere Arten der Nachfolgeregelung gibt. Die drei bekanntesten Vorgehensweisen sind das MBO, das MBI und die familiäre Unternehmensnachfolge. Die beliebtesten Formen sind die familiäre Nachfolge oder das MBO.

Das Management-Buy-Out (MBO) ist die Form der Unternehmensübernahme von innen. Das heißt, das Management, welches vorher in einem Angestelltenverhältnis funktioniert erwirbt das Unternehmen und übernimmt die Belegschaft und arbeitet von nun an als Geschäftsführung. Ein MBO stellt oft die beste Variante für das Unternehmen dar. Denn der ehemalige Firmeninhaber kennt seinen Nachfolger schon und weiß, ob er der zukünftigen Herausforderung gewachsen ist. Ebenso ist der Nachfolger schon mit dem Unternehmen, den Mitarbeitern und dem Arbeitsalltag vertraut und startet in seiner neuen Rolle mit vergleichsweise wenigen Unsicherheiten.

Die gängigste Variante

Wenn ein Unternehmen durch einen Menschen oder ein ganzes Management von außen übernommen wird, spricht man vom sogenannten Management-Buy-In (MBI). Diese Form der Unternehmensübernahme kommt vor allem im Rahmen einer Nachfolgeregelung zum Tragen, wenn sich kein Familienangehöriger findet und kein Mitarbeiter als Unternehmenrnachfolger den Betrieb übernehmen kann oder will. Es ist die typischste Form der Übergabe. Zu den Nachteilen zählen eine lange Einarbeitungszeit und ein erhöhter Aufwand bei der neuen Vernetzung zu Kunden und Partnern. Der Kaufpreis wird im Zusammenhang mit einer umfangreichen Unternehmensbewertung und –analyse gefunden, die Finanzierung oft schwieriger als beim MBO, aber dennoch ein Standardfall für Förderbanken. Außerdem ist die Suche und sorgfältige Auswahl eines kompetenten Nachfolgers, der zum Unternehmen passt und über genügend Eigenkapital verfügt, keine leichte Aufgabe.

Meistens findet dieses schwierige Unterfangen der Übernahme stufenweise statt, so dass der zukünftige Firmeninhaber am Anfang für ein, zwei Jahre in die Geschäftsleitung mit eingebunden wird und so einen Überblick und Wissen über den Betriebsalltag bekommt.

Fehlendes Potential früh erkennen

Denn einer der häufigsten Gründe des Scheiterns einer Übernahme ist bei potentiellen Käufern die fehlende Führungserfahrung und mangelnde Marktkenntnisse. Daher sollte man sich klar nach seiner persönlichen Eignung fragen. Also, “habe ich alle Qualitäten und Fähigkeiten, die für den Geschäftsführerposten notwendig sind? Kenne ich die Branche der zum Verkauf stehenden Unternehmen, inklusive Vertriebswege und Standortsituation?” Zudem sollte man sich seiner finanzielle Situation bewusst sein bzw. eine Idee davon haben, wie viel Kaufpreis man mit Hilfe von Banken und Co. nachhaltig refinanzieren kann.

Lassen Sie sich helfen

Als Nächstes geht es darum, das richtige Unternehmen für sich zu finden. Es macht dabei sehr viel Sinn, sich bei der Suche und vor allem bei den Anbahnungen sowie Verhandlungen von erfahrenen, externen Beratern betreuen zu lassen. Professionaliotät hilft Fehler zu vermeiden. Und meist kauft man nur einmal im Leben ein Unternehmen. Mit professioneller Betreuung wird die Gefahr kleiner, dass man essentielle Risiken übersieht und hat gleichzeitig die Chance, dass vier Augen eher etwaige brachliegende Potentiale eines Unternehmens entdecken. Aber schon in der Anbahnung kann man Zeit & Ressourcen sparen, wenn man nicht zu oft vergeblich zu Terminen fährt. Auch hier ist es wichtig, dass man sich vorher darüber klar wird, wie das “Traumunternehmen” aussieht und wie realistisch diese Vorstellung ist. Es bringt niemandem etwas, wenn man sich Unternehmen anschaut, von denen man weiß: Das passt nicht zu mir oder das kann ich mir nicht leisten. Ein Profi kann kann das leichter im Vorhinein abschätzen.

Falls einem die Suche gelungen ist und ein potentieller Unternehmensverkauf in Reichweite steht, ist der Käufer gut beraten, eine ausführliche Analyse sowie eine Bewertung der Firma vornehmen zu lassen. Dabei sollte jeder dringend auf einen Rechtsanwalt, Steuer- oder Unternehmensberater zurückgreifen, denn in der Begeisterung, möglichweise das richtige Unternehmen gefunden zu haben, lässt sich auch für einen Experten einiges leicht übersehen. Trotzdem können auch Sie selbst ein Gefühl beim Recherchieren und Beobachten erhalten, wenn Sie sich beispielsweise den Standort, die Reputation, die Kunden, Mitarbeiter, Firmenräume, Wettbewerber und vieles mehr des Unternehmens genau anschauen. Wenn Sie selbst es nicht können, schicken Sie einen Freund also potentiellen Kunden in das Unternehmen.

Gut geplant ist halb gewonnen

Im Anschluss an die positiv ausgefallene Prüfung des Unternehmens folgt der Businessplan, der die vergangenheit und momentane Situation aufschlüsselt und darauf aufbauend Ziele und Maßnahmen zu deren Erreichung festlegt. Unverzichtbarer Bestandteil ist der Liquiditätsplan, damit Sie nicht gleich in den ersten Monaten nach der Übernahme trotz hoher Rentabilität in eine Liquiditätskrise stolpern. Auch für Finanzierungen gibt es zahlreiche freiberufliche Experten, die die Finanzierungsstruktur mit öffentlichen Fördermitteln und die Präsentation bei den Banken mit vorbereiten. Nach unserer Erfahrung sollte man darauf nicht verzichten, denn der erste Eindruck (auch) bei einer Bank lässt sich nicht wiederholen.

Falls diese erarbeiteten Zukunftsvorstellungen und Strategien sowohl Verkäufer als auch Käufer gefallen, kann die Umsetzung der Unternehmensübergabe folgen. Die Realität sollte dann von Quartal zu Quartal am Businessplan abgeglichen werden. Je nach Lage ist es ratsam flexibel auf Veränderungen eingegangen werden. Doch wenn man gut und ordentlich plant, sollte dem erfolgreichen MBI eigentlich nichts mehr im Wege stehen.

Erbschaftssteuer – das Damoklesschwert für mittelständische Betriebe

„Für jedes Töpfchen gibt es ein Deckelchen“ heißt es in der Liebe und es stimmt größtenteils, wenn man sich in der Welt umschaut. Doch für Unternehmensnachfolgen scheint das Prinzip nicht zu gelten. Viele Faktoren führen zu einer Komplexität der Übergabe, die der private Geschäftsführer schon kaum mehr überblicken kann. Und in Zukunft wird es scheinbar nicht einfacher.

Vierzig Prozent der Unternehmer finden keinen Nachfolger, weil es immer größere Schwierigkeiten gibt, dass es zwischen dem alten und neuen Geschäftsführer passt. Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) enden vier von zehn Übergaben in der Erfolgslosigkeit. Genau aus diesem Grund warnt der DIHK-Chef Hans Heinrich Driftmann die Parteien der Opposition, im Falle dass sie an die Regierung kommen, davor die Reichensteuer zu erhöhen und die Unternehmensnachfolge damit weiter zu erschweren. „Die Diskussion um die Erbschaftsteuer sorgt für erhebliche Verunsicherung gerade im Mittelstand“, sagte Driftmann der Deutschen Presse-Agentur. „Sollte es zum Beispiel nach der Bundestagswahl zu Verschärfungen kommen, wären rund 18.000 Unternehmen mit bis zu 100.000 Arbeitsplätzen gefährdet – und das Jahr für Jahr.“ Die Erbschaftssteuer würde Opfer fordern, die Rot-Grün noch gar nicht absehen könne.

Der Report, den die DIHK vor nicht allzu langer Zeit publiziert hat, zeigt auch, dass 56 Prozent der Existenzgründer Probleme haben vor allem die Betriebsübernahme finanziell zu bewältigen. Weiterhin ist es kompliziert geworden, ein Unternehmen in jüngere Hände zu legen, da der Großteil der potentiellen Kandidaten nicht ausreichend qualifiziert ist und dies teilweise erst zu spät in den Übergabeverhandlungen bemerkt wird. Es ist ohne externe professionelle Betreuung leicht zu unterschätzen, welche Herausforderungen auf einen bei der Übergabe zukommen.

Es finden nicht die Richtigen zusammen

Nach den Beobachtungen der Industrie- und Handelskammern suchten 2011 rund 39 Prozent der Senior-Unternehmer ergebnislos einen passenden Nachfolger. 2008 handelte es sich um „nur“ 35 Prozent. Unter den potenziellen Existenzgründern findet inzwischen sogar jeder zweite kein passendes Unternehmen, dessen Junior er werden könnte – nach 32 Prozent vor vier Jahren.

Wo sind all die Nachfolger hin? Wo sind sie geblieben?

Gegen Ende jeden Jahres erscheint der DIHK Report zu Unternehmensnachfolgen. In 2012 werden die häufigsten Probleme für fehlende Nachfolgeregelungen genannt und ein erschreckendes Resümee gezogen.

Der DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2012 ist veröffentlicht und er zeigt, dass es in Deutschland zunehmend komplizierter wird, einen passenden Nachfolger zu finden. 40 Prozent aller Unternehmen haben sogar eklatante Schwierigkeiten bei der Suche.

Die Hindernisse liegen laut Studie vor allem im demographischen Wandel. Denn wer soll eine Firma übernehmen, wenn es nicht genügend qualifizierte Kandidaten dafür gibt? In den nächsten fünf Jahren sind es laut der DIHK 110.000 Unternehmen, die zur Übernahme frei verfügbar sind. Doch es fehlen jedes Jahr mehr potentielle Nachfolger. Nicht immer scheitert es an der Eignung oder am Unternehmercharakter, sondern 56 Prozent der Kaufinteressenten und Existenzgründer können die Betriebsübernahme aus finanzieller Sicht nicht vollbringen. Im Vergleich zu vorherigen Zeiten weisen die Interessenten nur selten genügend Eigenkapital aus. Auch Sicherheiten für die Bank sind nicht immer im ausreichenden Umfang vorhanden. Zudem hat sich die Vergabe von Bankkrediten laut DIHK in den vergangenen zwölf Monaten erschwert. Auf der anderen Seite ist es für Gründer leichter geworden, Bürgschaften zu bekommen oder ein Darlehen von dem Senior-Unternehmer, der seinen Nachfolger damit unterstützen will. Diese Verkäuferfinanzierung ist aus dem Mangel an finanziell potenten Käufern geboren. Falls das Verkäuferdarlehen wegfallen würde, kämen noch weniger erfolgreiche Unternehmensnachfolgen zustande und das wäre in keinerlei Interesse.

Erbschaftssteuer verbaut Zukunft

Die familiäre Unternehmensnachfolge wird zunehmend auch heikel, wenn die Befürchtung einer Erhöhung der Erbschaftssteuer wahr wird. Die Oppositionsparteien wollen das Betriebsvermögen im Falle einer Erbschaft nicht mehr wie jetzt ganz oder teilweise unberücksichtigt lassen. Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann gibt den Gesetzgebern weißt auf folgende Gefahren hin: „Sollte es zu Verschärfungen kommen, wären rund 18.000 Unternehmen mit bis zu 100.000 Arbeitsplätzen gefährdet – und das Jahr für Jahr“. Damit wären laut Einschätzung der Senior-Unternehmer und Existenzgründer etwa ein Viertel aller Unternehmensnachfolgen bedroht.

Auch die Ausnahmeregelung, dass ein Betrieb steuerfrei zu vererben ist, wenn bestimmte Richtlinien eingehalten werden, steht für Grüne und SPD zum Abschuss frei. Die Auflage, dass der Nachfolger die Firma sieben Jahre lang mit mindestens gleichbleibenden Löhnen weiter führen muss, ist dann eine Geschichte der Vergangenheit. Aber nicht nur die Politik ist ungehalten ob der momentanen Erbschaftssituation – auch die Juristen sind uneins darüber.

Wir haben nicht ewig Zeit

Die Industrie- und Handelskammern berichten davon, dass ein passender Nachfolger auch manches Mal nicht gefunden wird, weil das Thema zu ungemütlich ist um es in den goldenen Jahren eines Seniors anzugehen. Die Beobachtungen ergaben, dass die Hälfte aller älteren Unternehmer es leider zu spät schafft, sich um eine geregelte Unternehmensnachfolge zu kümmern. Denn im Ernstfall sind ein bis drei Jahre Übergabe zu viel Zeit. Auf der anderen Seite fordert ein Verkäufer hin und wieder auch einen völlig unrealistischen Verkaufspreis. Verständlich ist, dass man sein Lebenswerk nicht für ein paar Euro weggeben mag, doch marktferne Angebote fördern nicht gerade die Verkaufsschnelligkeit. Und selbst wenn die geschäftlichen Voraussetzungen gegeben sind, beklagen die Geschäftsführer zunehmend mehr, dass die potentiellen Nachfolger der Aufgabe nicht gewachsen seien und so kein Deal zustande kommen kann. „Bedenklich stimmt, dass dieser Anteil über die letzten vier Jahre stets gewachsen ist.”, wird im Report bemerkt.

Was solche Feststellungen über die Entwicklung in den nächsten Jahren aussagen, darüber kann nur spekuliert werden. Gut scheint die Prognose jedoch nicht anzumuten.

Mut und Kreativität zahlt sich aus

Zur Förderung von Existenzgründung hat der Arbeitskreis „ExistenzGründerPartner Oderland“ seit neun Jahren eine Wettbewerb ins Leben gerufen, der die beste Idee und Umsetzung mit 2012 Euro und einem Werbefilm für das Unternehmen prämiert. Lesen Sie, was ein Preisträger alles mitbringen muss.

In Frankfurt wurde letzte Woche schon zum neunten Mal der Existenzgründerpreis verliehen. Er ist mit 2012 Euro Preisgeld dotiert und einen Imagefilm über den Gewinner  sowie fürs Wirtschaftsleben wichtige Kontaktegibt es obendrein. Die Bewerbung um den Existenzgründerpreis ermögliche den Unternehmern auch immer, ihr Netzwerk zu erweitern. Der diesjährige Sieger war „Einfach Fair Catering GmbH“.

Insgesamt seien 17 Bewerbungen mit Existenzgründerideen beim Arbeitskreis „ExistenzGründerPartner Oderland“  eingegangen. Es ist ein gutes Zeichen für die wirtschaftlich eher schlecht gestellte Region, dass es so viele Menschen gibt, die mutig und kreativ einen Einfall zur Existenzgründung umsetzen. Das Essentielle für den Gewinn eines solchen Wettbewerbs und den im echten Leben ist eine tragfähige Idee und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Der Schritt in die Selbstständigkeit ist kein einfacher und jeder braucht dafür eine gehörige Portion Mut und Beharrlichkeit diesen teils steinigen Weg zu gehen, beobachtet Uwe Hoppe, Sprecher des Arbeitskreises.

Groß denken

Der Preisträger ist ein gutes Beispiel dafür. Jörg Holsteint verwirklichte vor etwa drei Jahren seinen Traum. 15 Jahre Berufserfahrung als leitender Angestellter in der Gastronomie gingen seinem Wunsch voraus. 1981 begann er als junger Mann eine Lehre zum Koch in Eisenhüttenstadt, wo er Stück für Stück das Kochhandwerk lernte, um bald darauf eine Stelle als Abteilungskoch zu erhalten. Grillbar- und Küchenleiter –  erklomm er die Sprossen der Karriereleiter weiter. Bevor Jörg Holstein beschloss 2009 sein eigenes Catering-Unternehmen zu gründen, bekleidete er den stellvertretenden Posten des Geschäftsführers einer Berliner Cateringfirma. Mittlerweile ist die „Einfach Fair Catering GmbH“ fest in der Brandenburger Cateringszene etabliert und 50 Mitarbeiter arbeiten kräftig am weiteren Ausbau mit. Drei Bestandteile sind momentan fest im Alltag des Unternehmens verankert: Betriebscatering, Eventcatering sowie Schul- und Kitaversorgung.

Betrieb mit Hund sucht (neuen) Inhaber mit Herz

Firmeninhaber suchen Nachfolger per TV-Casting im Öffentlich-Rechtlichen

Fleischer Johannes Hierling leitet eine Metzgerei mit mehreren Filialen und insgesamt 18 Angestellten. Es läuft gut. Doch der 55-Jährige weiß, dass auch er seinen Betrieb nicht ewig weiter führen kann. Seine Kinder haben kein Interesse an der Unternehmensnachfolge, daher muss sich der Metzger nun anderweitig nach einem geeigneten Kandidaten umschauen.

In einer ähnlichen Situation ist Walter Hellstern. Auch der 60-jährige Hotelier plant für den Ruhestand und muss außerhalb der Familie nach jemandem suchen, der sein Traditionsunternehmen mit Energie und Engagement weiterführt.

Lange hielten bisher unter anderem diese zwei Inhaber erfolglos Ausschau nach einem Ideal-Nacholger. Die neue Sendung im SWR „Wer kann Chef?“ soll genau solchen Firmeninhabern dabei helfen, einen geeigneten Nachfolger zu finden. „Marktcheck“-Moderatorin Hendrike Brenningkmeyer präsentiert ambitionierte Kandidaten und lässt sie auf Herz und Nieren prüfen. Ob die gestellten Aufgaben praxisrelevant sind und ausschlaggebend für die ideale Unternehmensnachfolge, sei dahingestellt. Denn die Zukunft des Unternehmens hängt eher unwahrscheinlich von der Fähigkeit des Chefs die Kasse zu machen ab. Doch selbst wenn alle Fernsehspiele bestanden wurden und sogar Persönlichkeit und Motivation passen, können der Kaufpreis, die Übernahmeregelung oder Ablöseprozesse doch unüberbrückbare Hürden darstellen.

Ebenso blendet die Sendung aus, dass es bei einem geplanten Inhaberwechsel unvorteilhaft sein kann, das Übergabevorhaben bereits im Vorfeld in der breiten Öffentlichkeit zu kommunizieren. Geschäftspartner könnten abspringen, Mitarbeiter verunsichert werden und Konkurrenten könnten den Übergang zu ihrem Vorteil nutzen.

Löblich ist, dass die Castingshow die Wichtigkeit der fehlenden Nachfolgelösungen aufzeigt. Denn laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wurden allein im Jahr 2010 rund 1800 Firmen geschlossen, weil der Unternehmer keinen Nachfolger fand. Mehr als 23.000 Arbeitsplätze sind dadurch verlorengegangen.

Doch auch das Fernsehen kann nur bedingt unter die unter die Arme greifen.

Weibliches Potential nicht verschenken

Familienunternehmen werden zu 80 Prozent* innerhalb der Familie weitergeben. Mittlerweile sind ein Viertel* dieser familieninternen Unternehmensnachfolger auch Frauen. Jedoch eine externe Unternehmensnachfolge im Rahmen eines Management Buy-Ins (MBI) an Frauen bleibt nach wie vor noch eine Ausnahme. Die Generation der konservativen Patriarchen, unsere Väter, lässt sich Zeit fürs Umdenken. Vielleicht zu viel Zeit? Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie und Handelskammer hat jedes dritte Familienunternehmen schon jetzt Schwierigkeiten überhaupt jemanden für die Nachfolge zu finden.

Eine Studie des IfM an der Universität Mannheim ergab: Unternehmer bevorzugen nicht nur ihre Söhne, falls sie einen haben, sie bleiben oftmals sogar so lange selbst am Ruder, bis sie auch einen haben. Die Studie zeigt: Die Senior-Generation hat deutlich öfter nur Söhne als nur Töchter. „Viele Unternehmer scheinen sich einen Sohn als Nachfolger zu wünschen“, sagt Jan-Philipp Ahrens, einer der Autoren. „Dieser Wunsch scheint sogar erkennbar Einfluss auf die Familienplanung zu haben.“

Man müsste meinen, dass der Wandel schneller einsetzt und Unternehmerinnen in den Fokus des Interesses rücken und Unternehmensnachfolger nicht zwingend Söhne sein werden.

Führungsqualität statt Spezialwissen fördern

In Erfurt hat man die Dringlichkeit erfasst und einen nationalen Aktionstag zur Unternehmensnachfolge organisiert. Es trafen sich am 14. Juni 2012 interessierte Frauen, zukünftige Unternehmensnachfolgerinnen, Förderer und Berater, sowie Geschäftsinhaber, die ihre Unternehmensnachfolge planen. Die Bundesweite Gründerinnenagentur (bga) und das Beratungsnetzwerk „Gründen und Wachsen in Thüringen“ boten Expertenvorträge, eine Podiumsdiskussion und persönliche Erfahrungsgespräche zum Firmenkauf an.

Die Sorge der Betroffenen um die Zukunft ist groß. Allein in Thüringen gilt für etwa 10.000 Handwerksbetrieben mit über 50.000 Beschäftigten in den kommenden Jahren, sofern die Nachfolge nicht geklärt ist, Unternehmensnachfolger zu finden, die die Betriebe fortführen und damit die Arbeits- und Ausbildungsplätze erhalten.

Da bleibt es nur zu hoffen, dass Frauen künfitg verstärkt ihre Potenziale in der Wirtschaft und am Markt mobilisieren und die Chancen nutzen, die der demographische Wandel ihnen bietet.

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