Tag Archiv für Demografischer Wandel

Zwei Millionen Angestellte von Betriebsübergaben betroffen

In den Jahren 2014 bis 2018 stehen in Deutschland etwa 135.000 Betriebe zur Übergabe an einen Nachfolger bereit. Das sind 25.000 mehr als in den vergangenen 4 Jahren. Zu dieser Schätzung kommt das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn. Einen Engpass an Nachfolgern erwartet das Institut allerdings nicht.

Wie auch für den Zeitraum 2010 bis 2014 hat das IfM auch für die nächsten vier Jahre eine Schätzung veröffentlicht, bei wie vielen Familienbetrieben eine Übergabe anstehen wird. Die Zahl der Betriebe ist auf 135.000 gestiegen. Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als 3 Millionen Unternehmen. Ein besonderes Interesse gilt dabei unter anderem der Anzahl der Angestellten, die von der Gesamtheit der Betriebsübergaben berührt werden. Auf etwa 2 Millionen wird die Zahl der betroffenen Beschäftigten geschätzt. Das Problem der Nachfolgeregelung ist demnach volkswirtschaftlich höchst relevant. Weiterlesen

Steigendes Angebot, sinkende Nachfrage – ein großes Problem der Firmennachfolge

Ein kurzer Blick auf die demographische Entwicklung reicht, um das Problem zu erkennen: in Deutschland mangelt es an Jungunternehmern, die als potentielle Unternehmensnachfolger in Frage kommen. Dem gegenüber stehen immer mehr Seniorunternehmer, die ihr Lebenswerk in gute Hände geben möchten. Dieses Ungleichgewicht bringt zunehmend mittelständische Betriebe in Gefahr.

Die jüngsten Zahlen zum Generationswechsel in Unternehmen sind alarmierend. Dem DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2013 zufolge, gab es bereits im Jahr 2012 etwa genauso viele potentielle Nachfolger wie zu übergebende Unternehmen. Wie groß in solch einem Fall für die Chance ist, einen passenden Kandidaten für das eigene Unternehmen zu finden, kann man sich leicht ausmalen. 2010 lag das Verhältnis von Übernehmern zu Nachfolgebetrieben immerhin noch bei 1,6. Da die Altersgruppe derer, die jünger als 50 sind und sich selbständig machen, immer kleiner wird, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis mehr Unternehmen zum Verkauf stehen, als es Interessenten gibt. Weiterlesen

Ein wichtiger Blick in die Zukunft eines Unternehmens: Der Demografie-Rechner

Ein Fragebogen, den man online ausfüllen kann, soll den Betrieben eine Hilfe sein, um den demographischen Wandel einschätzen zu können. Gleichwohl werden im Anschluss an die Bestimmung Methoden und Handwerkzeug zur Verfügung gestellt, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Bald droht der besondere Einschnitt in die Altersstruktur. Bald ist nichts mehr so wie wir es gewohnt sind. Was sich wie eine neue Weltuntergangsstimmung im Sinne der Mayas anhört, ist lediglich die Prognose von Demographie-Wissenschaftlern. Denn zwischen 2017 und 2024 werden fast die Hälfte aller Arbeitnehmer im Alter zwischen 50 und 65 Jahren sein und damit nicht gerade als Berufsanfänger gelten. Das mögliche Problem, was am Horizont erscheint: Wie kann man die Produktivität der älteren arbeitenden Generation bis zum Erreichen der Rente stabilisieren? Um zu sehen, ob Ihr Unternehmen diesen zukünftigen Bedingungen gewachsen ist, stellt die Industrie- und Handelskammer der einzelnen Regionen ein Tool zur Verfügung, um sich einen Selbstcheck zu unterziehen.

Eine Analyse der Altersstruktur ist ein wichtiges Instrumentarium, um die derzeitige Personalstruktur darzustellen und auf dessen Grundlage eine Prognose für die Zukunft (bis zu 20 Jahre) zu erstellen. Die Fragen, wie alt ihre Mitarbeiter sind, wie viele Menschen sie jährlich anwerben müssen, um genug Ersatzkräfte zu haben, werden dazu beantworten sein müssen. Denn erst dann können Sie den Regional- und Branchenvergleich vornehmen und sehen, in welchem Feld sich ihr Unternehmen befindet.

Notfalls Taten folgen lassen

Je nach Ergebnis kann der Unternehmensinhaber sich dann zurücklehnen oder bei vorhandenem Demografie-Problem Maßnahmen einleiten. Das heißt bei Neueinstellungen gezielt darauf zu achten, dass jüngeres Personal den Anteil der erfahrenen Kollegen kompensiert bzw. gezielt die älteren Mitarbeiter schulen, sodass sie keinen Nachteil in Sachen neuen Techniken, etc. haben. Vorausschauendes Planen, um solche Demografie-Schwierigkeiten zu vermeiden, ist das A und O – vor allem dann wenn der Unternehmer selber ans Aufhören denkt. Ziel ist es die Firma jederzeit so zu führen, als würde man selbst mindestens noch 20 Jahre weiter an der Führung beteiligt sein. Denn ein Betrieb mit Demografie-Problem ist selten attraktiv für einen Käufer und auch die potentiellen Familienmitglieder, die die Unternehmensnachfolge antreten, sind von solch einer Ausgangssituation ebenfalls wenig begeistert.

Der Demografie-Rechner der IHK ist ein gemeinsames Projekt der IHKs aus Frankfurt am Main, Fulda, Offenbach, Hanau-Gelnhausen und Schlüchtern. Das Tool wurde von der WifOR GmbH, ein Zweig des Wirtschaftsforschungsinstitutes der Technischen Universität Darmstadt, entwickelt.

Wer selbst den Schnellcheck fürs eigene Unternehmen aus Darmstadt bzw. dem  Rhein-Main-Neckar- Raum machen möchte, der klickt ganz einfach hier: Demografierechner-Hessen

Unternehmensnachfolger finden

Findet sich keine familieninterne Lösung, stellt sich für den Unternehmer zu einem bestimmten Zeitpunkt im Leben die Frage nach dem richtigen Nachfolger für sein Lebenswerk. Jedes Jahr steht, je nach Quelle, bei 50.000 bis 80.000 Unternehmen in Deutschland eine Nachfolgeregelung an (in Österreich bei geschätzten 5.000 bis 6.000 Betrieben).

Der Anteil der familieninternen Übergaben sinkt in den deutschsprachigen Ländern seit längerer Zeit kontinuierlich und auch der stetig steigende Anteil von Frauen als Unternehmensnachfolgerinnen kann diesen Trend nicht stoppen. Ursache ist, neben der demographischen Entwicklung, vor allem ein Wertewandel, sowohl bei Inhabern, als auch den Kindern. Denn die jüngeren Generationen sehen sich zunehmend weniger in der Pflicht, das unternehmerische Erbe der Eltern anzutreten. Und auch die Unternehmer selbst möchten ihren Kindern, anders als in vergangenen Generationen üblich, immer öfter die freie Wahl über ihre berufliche Zukunft überlassen. Und diese Wahl fällt leider zunehmend gegen das eigene Familienunternehmen aus.

Findet sich dann auch im eigenen Unternehmen kein leitender Angestellter, der, fachlich geeignet und finanziell genügend ausgestattet, die Betriebsnachfolge im Rahmen eines so genannten Management Buy-Out (MBO) antreten kann, muss der Inhaber beizeiten einen externen Unternehmensnachfolger finden.

Management Buy-in (MBI) als Herausforderung für den ausscheidenden Inhaber

Für viele Unternehmer ist der Verkauf ihres Betriebes an einen Weiterlesen

Wo sind all die Nachfolger hin? Wo sind sie geblieben?

Gegen Ende jeden Jahres erscheint der DIHK Report zu Unternehmensnachfolgen. In 2012 werden die häufigsten Probleme für fehlende Nachfolgeregelungen genannt und ein erschreckendes Resümee gezogen.

Der DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2012 ist veröffentlicht und er zeigt, dass es in Deutschland zunehmend komplizierter wird, einen passenden Nachfolger zu finden. 40 Prozent aller Unternehmen haben sogar eklatante Schwierigkeiten bei der Suche.

Die Hindernisse liegen laut Studie vor allem im demographischen Wandel. Denn wer soll eine Firma übernehmen, wenn es nicht genügend qualifizierte Kandidaten dafür gibt? In den nächsten fünf Jahren sind es laut der DIHK 110.000 Unternehmen, die zur Übernahme frei verfügbar sind. Doch es fehlen jedes Jahr mehr potentielle Nachfolger. Nicht immer scheitert es an der Eignung oder am Unternehmercharakter, sondern 56 Prozent der Kaufinteressenten und Existenzgründer können die Betriebsübernahme aus finanzieller Sicht nicht vollbringen. Im Vergleich zu vorherigen Zeiten weisen die Interessenten nur selten genügend Eigenkapital aus. Auch Sicherheiten für die Bank sind nicht immer im ausreichenden Umfang vorhanden. Zudem hat sich die Vergabe von Bankkrediten laut DIHK in den vergangenen zwölf Monaten erschwert. Auf der anderen Seite ist es für Gründer leichter geworden, Bürgschaften zu bekommen oder ein Darlehen von dem Senior-Unternehmer, der seinen Nachfolger damit unterstützen will. Diese Verkäuferfinanzierung ist aus dem Mangel an finanziell potenten Käufern geboren. Falls das Verkäuferdarlehen wegfallen würde, kämen noch weniger erfolgreiche Unternehmensnachfolgen zustande und das wäre in keinerlei Interesse.

Erbschaftssteuer verbaut Zukunft

Die familiäre Unternehmensnachfolge wird zunehmend auch heikel, wenn die Befürchtung einer Erhöhung der Erbschaftssteuer wahr wird. Die Oppositionsparteien wollen das Betriebsvermögen im Falle einer Erbschaft nicht mehr wie jetzt ganz oder teilweise unberücksichtigt lassen. Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann gibt den Gesetzgebern weißt auf folgende Gefahren hin: „Sollte es zu Verschärfungen kommen, wären rund 18.000 Unternehmen mit bis zu 100.000 Arbeitsplätzen gefährdet – und das Jahr für Jahr“. Damit wären laut Einschätzung der Senior-Unternehmer und Existenzgründer etwa ein Viertel aller Unternehmensnachfolgen bedroht.

Auch die Ausnahmeregelung, dass ein Betrieb steuerfrei zu vererben ist, wenn bestimmte Richtlinien eingehalten werden, steht für Grüne und SPD zum Abschuss frei. Die Auflage, dass der Nachfolger die Firma sieben Jahre lang mit mindestens gleichbleibenden Löhnen weiter führen muss, ist dann eine Geschichte der Vergangenheit. Aber nicht nur die Politik ist ungehalten ob der momentanen Erbschaftssituation – auch die Juristen sind uneins darüber.

Wir haben nicht ewig Zeit

Die Industrie- und Handelskammern berichten davon, dass ein passender Nachfolger auch manches Mal nicht gefunden wird, weil das Thema zu ungemütlich ist um es in den goldenen Jahren eines Seniors anzugehen. Die Beobachtungen ergaben, dass die Hälfte aller älteren Unternehmer es leider zu spät schafft, sich um eine geregelte Unternehmensnachfolge zu kümmern. Denn im Ernstfall sind ein bis drei Jahre Übergabe zu viel Zeit. Auf der anderen Seite fordert ein Verkäufer hin und wieder auch einen völlig unrealistischen Verkaufspreis. Verständlich ist, dass man sein Lebenswerk nicht für ein paar Euro weggeben mag, doch marktferne Angebote fördern nicht gerade die Verkaufsschnelligkeit. Und selbst wenn die geschäftlichen Voraussetzungen gegeben sind, beklagen die Geschäftsführer zunehmend mehr, dass die potentiellen Nachfolger der Aufgabe nicht gewachsen seien und so kein Deal zustande kommen kann. „Bedenklich stimmt, dass dieser Anteil über die letzten vier Jahre stets gewachsen ist.“, wird im Report bemerkt.

Was solche Feststellungen über die Entwicklung in den nächsten Jahren aussagen, darüber kann nur spekuliert werden. Gut scheint die Prognose jedoch nicht anzumuten.

Loslassen können.

Deutsche Unternehmer vernachlässigen bzw. unterschätzen das Thema Nachfolge

Laut einer Umfrage der IHK Frankfurt vom März 2012 haben etwa 70% der befragten 4.000 mittelständigen Unternehmen in Hessen noch keine verbindliche Regelung für die Unternehmensnachfolge getroffen. Für diese Unternehmen besteht das Risiko, gänzlich vom Markt zu verschwinden, falls der Unternehmer von einem Tag auf den anderen ausfällt. Neben Einbußen finanzieller Art für den Unternehmer und seine Angehörigen bedeutet dies auch die Gefährdung von Arbeitsplätzen. Durch eine rechtzeitige Planung der Unternehmensnachfolge mit Hilfe von Experten, die auch erbrechtliche Regelungen umfassen muss, kann dies verhindert werden.  Spannend zu sehen ist, dass es keinen großen Unterschied zwischen den unter und über 50-Jährigen gibt, was die finale Nachfolgeregelung anbelangt. Die Gründe der Nichtbeschäftigung mit diesem Thema sind so zahlreich wie verständlich:

Unternehmen loslassen können

Es ist völlig nachvollziehbar, dass ein Unternehmer, der mit viel Mühe und eigenem Fleiß über Jahrzehnte seinen Betrieb aufgebaut hat, sich nicht so einfach aus dem aktiven Tagesgeschäft zurückziehen kann, um es einem Jüngerem zu überlassen. Doch die Nachfolge wird da am besten geregelt sein, wo im Zuge des Generationswechsels Zugeständnisse an den Nachfolger gemacht werden und akzeptiert wird, dass die Unternehmensführung neu gestaltet wird.

Klare Spielregeln helfen

Es ist beiden Parteien geholfen, wenn ein Leitfaden festgelegt wird, wie die Nachfolge Stück für Stück von statten geht. Man definiert dabei genaue Aufgaben und Verantwortungsbereiche mit eindeutigen Anforderungen und überträgt sich sukzessive dem Nachfolger im Rahmen einer vereinbarten Dauer.

Beteiligen Sie den Junior – entsprechend seiner übernommenen Tätigkeiten – an Erfolg und Verdienst. Dieser Anreiz steigert die Motivation und das unternehmerische Denken. Je selbständiger der Senior den Unternehmensnachfolger nach und nach einbezieht, je mehr Verantwortung er an ihn übertragen, desto leichter fällt ihm das Loslassen.

Weiterführende Tipps und Informationen zum Thema Nachfolgeplanung.

„Jüngere Menschen rennen schneller. Ältere Menschen kennen die Abkürzungen.“

Diesen treffenden Satz formulierte Ursula von der Leyen erst kürzlich. Das wissen vor allem die älteren Menschen selbst und sehnen sich als Ausweg vor der Langeweile im Ruhestand nach einer spannenden Alternative: der Existenzgründung im Alter.

Ein paar Fragen sollten jedoch im Vorfeld geklärt sein:

Was ist das Unternehmensziel?

Wer sich im Alter selbständig macht, um sich finanziell abzusichern, tut gut daran dies auch in seinem bisherigen Aufgabenfeld zu tun. Hier verfügt man über solides Wissen und Kontakte um sein Geschäft aufzubauen. Sich noch einmal in ein ganz neues Business mit einer völlig neuen geschäftsidee zu stürzen kann zwar sehr interessant sein, ist aber mit einem höheren Risiko verbunden. Diese Möglichkeit ist eigentlich nur denjenigen zu empfehlen, die nicht auf die Einnahmen aus der Existenzgründung angewiesen sind.

Geteiltes Leid ist doppelte Freude

Eine weitere Option ist es sich einen Partner fürs neue Geschäft anzulachen. Natürlich bietet es sich an auf jemanden der jüngeren Generation zu setzen. Man minimiert zum Beispiel das Risiko, dass beide Gründer gleichzeitig krankheitsbedingt, was im Alter nun mal einfach häufiger vorkommt, ausfallen. Zudem ergänzen sich zwei unterschiedliche Sichtweisen und die Erfahrung des einen ergänzt sich hervorragend mit der Neugier und höheren Anpassungsfähigkeit des anderen.

Sich selbst einschätzen

Wie man sich jetzt fühlt, so wird man sich wahrscheinlich nicht mehr in fünf Jahren fühlen. Das muss jedem noch so stolzen Menschen im Alter klar sein. Deshalb ist es besonders wichtig den eigenen körperlichen und mentalen Zustand einzuschätzen. Eine Existenzgründung kann eine nervenaufreibende Angelegenheit sein und dieser Belastung sollte man sich gewachsen fühlen.

Das Sparschwein schlachten

Ohne Eigenkapital ist die Existenzgründung im Ruhestand kompliziert. Gründungszuschüsse und andere Fördermittel von der Bundesagentur für Arbeit gibt es nicht mehr, da keine Zuständigkeit für Rentner besteht oder für Darlehen meist eine Altersgrenze von Anfang 60 existiert. Banken geben wenn überhaupt nur einen Kredit mit sehr kurzen Laufzeiten. Eine Option können sogenannte Mikrodarlehen oder das „StartGeld“ der staatlichen KfW-Bank sein.

An die Rente denken

Vor dem 65. Geburtstag darf ein zusätzliches regelmäßiges Einkommen von 400 Euro monatlich ohne Abzüge eingenommen werden. Wenn das monatliche Einkommen regelmäßig den zulässigen Hinzuverdienst überschreitet, wird die Rente um mindestens 1/3 gekürzt und als sogenannte Teilrente ausgezahlt. Wer also nur geringfügig mehr als 400 Euro verdient, kann unter dem Strich sogar weniger netto bekommen. Je höher der Hinzuverdienst, umso niedriger die Teilrente.

Über-65-Jährige dürften dagegen so viel verdienen, wie sie möchten. Wer sicher ist, von seiner Selbstständigkeit bald leben zu können, kann auch erst mal auf die Rente verzichten. Pro Monat, den man verzichtet, bekommt man ein halbes Prozent mehr Rente. Missglückt der Versuch der Selbstständigkeit jedoch und es türmen sich Schulden, kann ein Teil der Rente gepfändet werden. Nur ein Betrag von knapp 990 Euro für einen Alleinstehenden ist geschützt.

Wer sich im Alter noch einmal selbständig machen möchte sollte also das Für und Wider genau abwägen.

Lieber angestellt als angetreten

Familienunternehmen sterben aus, weil immer weniger Studenten die Nachfolge ihrer Eltern anstreben

Die Ergebnisse einer Studie des Center for Family Business der Universität St. Gallen (CFB-HSG), die in Kooperation mit der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young* durchgeführt wurde, sind alarmierend für die mittelständischen Unternehmen.

Es wurden mehr als 28.000 Studenten aus 26 Ländern befragt, deren Eltern ein Familienunternehmen führen. Nur vier Prozent der deutschen Studentenschaft kann sich vorstellt direkt nach dem Studium die Nachfolge anzutreten. Hingegen 74% wollen dies in keinem Fall.

Selbstfindung heißt Unabhängigkeit gegenüber der Eltern

Die Firma als Generationenprojekt zu sehen, ist längst nicht mehr up-to-date. Der Trend heißt Individualität. Anstelle im elterlichen Betrieb zu arbeiten oder ihn sogar zu übernehmen, strebt der Großteil der Unternehmerkinder (76%) nach einer Karriere als Angestellter. Obgleich mehr als die Hälfte aller deutschen Unternehmerkinder berufspraktische Erfahrungen und spezifische Fertigkeiten im Elternbetrieb gesammelt haben, nutzen sie lieber die beruflichen Alternativen im externen Umfeld, um sich unabhängig von der elterlichen Aufsicht auszuprobieren und sich ihrer Leistung bewusst zu werden.

Eltern können den richtigen Anstoß geben

Mit rationalen Argumenten allerdings haben es Eltern nicht leicht: Eine intensive Auseinandersetzung mit einer möglichen Unternehmensnachfolge finde unter deutschen Unternehmerkindern nur selten statt. Auf einer Skala von 0 („ich habe mich nie mit einer Nachfolge beschäftigt“) bis 7 („ich habe bereits die Unternehmensführung übernommen“) liegt Deutschland lediglich bei einem Wert von 0,96 (globaler Durchschnitt: 1,02).

Die jetzige Generation der Unternehmensführung kann lediglich die Idee wiederholt ins Gedächtnis der Kinder rufen, ein positives Rollenmodell von Unternehmertum vorleben und die positive Unterstützung im Falle einer familiären Unternehmensnachfolge signalisieren.

Die Dosis macht das Gift: Druck ist kontraproduktiv

Jedoch zu stark sollten Eltern ihre Kinder nicht zur Unternehmensnachfolge drängen. Vor allem sehr selbstbewusste und qualifizierte Kinder wollten sich zunächst frei vom elterlichen Umfeld beweisen, indem sie beispielsweise ein eigenes Unternehmen gründen. Eltern könnten zu einer solchen Selbstfindungsphase wichtigen Beistand leisten, indem sie bei der Ideenfindung helfen sowie Ressourcen wie Kontakte oder Tipps zur Unternehmensführung zur Verfügung stellen.

Das „Kind“ extern suchen

Natürlich gibt es auch passende Nachfolger außerhalb der eigenen Familie. Laut Studie des CFB-HSG seien langfristig erfolgreich aber vor allem diejenigen Unternehmen, in denen sich mehrere Generationen für die Entwicklung verantwortlich fühlen.

In jedem Fall beeinträchtigt eine ungeklärte Nachfolge die Leistungsfähigkeit von Unternehmen erheblich. Daher sollte insbesondere darauf geachtet werden zur rechten Zeit einen passenden Unternehmensnachfolger für das über Generationen aufgebaute Familienunternehmen zu finden. Wenn nicht innerhalb dann eben außerhalb der Familie.

*edit 18.09.2014: Der Link zu den Studien ist inzwischen leider nicht mehr verfügbar.