Aus Fehlern lernen

Bei der eigenen Unternehmensübergabe will es fast keiner wie der Senior machen, beteuern viele Nachfolger. Doch viele Jahre später sind die guten Vorsätzen in Vergessenheit geraten.

Josef Siemes saß über mehrere Jahre beharrlich im Chefsessel seiner Drechslereiwerkstatt bevor er genug echtes Zutrauen fand, darüber zu sprechen, dass es Zeit wäre sein Unternehmen an die jüngste seiner Töchter zu übergeben. Diese arbeitete nach einer Tischlerlehre schon mehrere Jahre zuvor Tag ein, Tag aus in dem 15- Mann-Betrieb und kannte die Mitarbeiter und Kunden mittlerweile genauso gut, wenn nicht sogar besser als ihr Vater. Dann als Sonja Siemes endlich die Führung übernehmen dürfte, verstarb ihr mittlerweile 75-jähriger Vater an einem Schlaganfall. Eine geregelte Nachfolge war nicht mehr möglich. Sonja Siemes erinnerte sich als junges Mädchen noch gut daran, dass ihr Vater den Mecklenburger Betrieb in den 70igern für die ganze Familie aufbaute. Als er Mitte 50 war, betonte er immer wieder, dass er ihr bald die Firma vermache, um mit seiner Frau die Rentenjahre zu genießen. Doch je älter er wurde, desto weniger war ihm eine Übergaberegelung geheuer. Er klammerte sich zum Leidwesen von Frau und Tochter geradezu an den Betrieb und verunsicherte seine Tochter mit unproduktiver Kritik – manches Mal nur um zu beweisen, dass er noch gebraucht wird.

Sie will es besser machen

Sonja Siemes hat sich bei der Übernahme der Firma geschworen, dass sie ihrem Sohn Timm, der ebenfalls handwerklich sehr begabt ist, nicht solche Steine in den Weg legen wird.
Ebenfalls zog sie die Lehre aus ihrer eigenen Erfahrung, dass es gut ist, wenn ihr Sohn erst in einem anderen Betrieb mitarbeitet und dort Fehler machen kann, ohne dass die Mutter daneben steht und diese kommentiert. Wer sich schon mal in einer anderen Firma zu Recht findet und dort vielleicht auch Führungserfahrung sammeln kann, der kehrt ins Familienunternehmen mit einem gestärkten Selbstbewusstsein zurück.

Vereinbarungen treffen und sich daran halten

Es ist für beiderlei Parteien nicht einfach, sich dem Thema Unternehmensübergabe zu nähern. Der Junior möchte dem Elternteil nicht suggerieren, dass er oder sie nun an die Rente denken sollte und ist sich hin und wieder auch selbst nicht sicher, ob er schon bereit für den Chefposten ist. Und der Senior muss akzeptieren, dass sein Kind nun erwachsen geworden ist und er sein Lebenswerk loslassen muss. Es gehört eine Menge Mut und Vertrauen dazu, eine Unternehmensnachfolge sauber über die Bühne zu bringen – auch und vielleicht gerade in der Familie, wo man sich so nah steht. Sonja Siemes wünscht sich im Nachhinein, dass sie frühzeitig schriftlich einen Termin für die Verhandlungen der Firmenübergabe festgelegt hätten. Das wäre für ihren Vater und sie sicherlich eine Entlastung gewesen. „Vielleicht hätte man sich auch im Vorfeld Hilfe von außen holen müssen“, überlegt sie heute. Die Nachfolgerin des Familienbetriebes möchte jedenfalls, dass sich die Geschichte nicht wiederholt und redet jetzt in ihren Mittvierzigern schon offen über mögliche Risiken und Gefahren der Nachfolge mit ihrem Sohn. Der allerdings ist sich noch nicht einmal sicher, ob er das Unternehmen übernehmen will. Doch davon möchte die Mutter bislang nichts wissen und macht damit vielleicht schon ihren ersten eigenen Fehler, den der künftige Junior dann später keinesfalls wiederholen möchte.
Natürlich ist jede Unternehmensnachfolge ein neuer Fall und muss demensprechend anders behandelt werden. Zudem weiß jedes Kind, dass wenn jemand versucht alte Fehler zu vermeiden, er oft neue macht. Trotzdem hat es noch keinem geschadet aus fremden und eigenen Fehlern zu lernen.

Dass Blut dicker ist als Wasser und doch Unternehmensnachfolgen daran scheitern, dass die Kinder kein Interesse haben den elterlichen Betrieb zu übernehmen, hat auch erst kürzlich eine Studie aus Bayern herausgefunden.

 

Wo sind all die Nachfolger hin? Wo sind sie geblieben?

Gegen Ende jeden Jahres erscheint der DIHK Report zu Unternehmensnachfolgen. In 2012 werden die häufigsten Probleme für fehlende Nachfolgeregelungen genannt und ein erschreckendes Resümee gezogen.

Der DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2012 ist veröffentlicht und er zeigt, dass es in Deutschland zunehmend komplizierter wird, einen passenden Nachfolger zu finden. 40 Prozent aller Unternehmen haben sogar eklatante Schwierigkeiten bei der Suche.

Die Hindernisse liegen laut Studie vor allem im demographischen Wandel. Denn wer soll eine Firma übernehmen, wenn es nicht genügend qualifizierte Kandidaten dafür gibt? In den nächsten fünf Jahren sind es laut der DIHK 110.000 Unternehmen, die zur Übernahme frei verfügbar sind. Doch es fehlen jedes Jahr mehr potentielle Nachfolger. Nicht immer scheitert es an der Eignung oder am Unternehmercharakter, sondern 56 Prozent der Kaufinteressenten und Existenzgründer können die Betriebsübernahme aus finanzieller Sicht nicht vollbringen. Im Vergleich zu vorherigen Zeiten weisen die Interessenten nur selten genügend Eigenkapital aus. Auch Sicherheiten für die Bank sind nicht immer im ausreichenden Umfang vorhanden. Zudem hat sich die Vergabe von Bankkrediten laut DIHK in den vergangenen zwölf Monaten erschwert. Auf der anderen Seite ist es für Gründer leichter geworden, Bürgschaften zu bekommen oder ein Darlehen von dem Senior-Unternehmer, der seinen Nachfolger damit unterstützen will. Diese Verkäuferfinanzierung ist aus dem Mangel an finanziell potenten Käufern geboren. Falls das Verkäuferdarlehen wegfallen würde, kämen noch weniger erfolgreiche Unternehmensnachfolgen zustande und das wäre in keinerlei Interesse.

Erbschaftssteuer verbaut Zukunft

Die familiäre Unternehmensnachfolge wird zunehmend auch heikel, wenn die Befürchtung einer Erhöhung der Erbschaftssteuer wahr wird. Die Oppositionsparteien wollen das Betriebsvermögen im Falle einer Erbschaft nicht mehr wie jetzt ganz oder teilweise unberücksichtigt lassen. Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann gibt den Gesetzgebern weißt auf folgende Gefahren hin: „Sollte es zu Verschärfungen kommen, wären rund 18.000 Unternehmen mit bis zu 100.000 Arbeitsplätzen gefährdet – und das Jahr für Jahr“. Damit wären laut Einschätzung der Senior-Unternehmer und Existenzgründer etwa ein Viertel aller Unternehmensnachfolgen bedroht.

Auch die Ausnahmeregelung, dass ein Betrieb steuerfrei zu vererben ist, wenn bestimmte Richtlinien eingehalten werden, steht für Grüne und SPD zum Abschuss frei. Die Auflage, dass der Nachfolger die Firma sieben Jahre lang mit mindestens gleichbleibenden Löhnen weiter führen muss, ist dann eine Geschichte der Vergangenheit. Aber nicht nur die Politik ist ungehalten ob der momentanen Erbschaftssituation – auch die Juristen sind uneins darüber.

Wir haben nicht ewig Zeit

Die Industrie- und Handelskammern berichten davon, dass ein passender Nachfolger auch manches Mal nicht gefunden wird, weil das Thema zu ungemütlich ist um es in den goldenen Jahren eines Seniors anzugehen. Die Beobachtungen ergaben, dass die Hälfte aller älteren Unternehmer es leider zu spät schafft, sich um eine geregelte Unternehmensnachfolge zu kümmern. Denn im Ernstfall sind ein bis drei Jahre Übergabe zu viel Zeit. Auf der anderen Seite fordert ein Verkäufer hin und wieder auch einen völlig unrealistischen Verkaufspreis. Verständlich ist, dass man sein Lebenswerk nicht für ein paar Euro weggeben mag, doch marktferne Angebote fördern nicht gerade die Verkaufsschnelligkeit. Und selbst wenn die geschäftlichen Voraussetzungen gegeben sind, beklagen die Geschäftsführer zunehmend mehr, dass die potentiellen Nachfolger der Aufgabe nicht gewachsen seien und so kein Deal zustande kommen kann. „Bedenklich stimmt, dass dieser Anteil über die letzten vier Jahre stets gewachsen ist.”, wird im Report bemerkt.

Was solche Feststellungen über die Entwicklung in den nächsten Jahren aussagen, darüber kann nur spekuliert werden. Gut scheint die Prognose jedoch nicht anzumuten.

M&A Integration: How to Do It

Danny A. Davis ist langjähriger M&A-Berater aus England. In seinem aktuell veröffentlichten Buch widmet er sich der M&A Integration. Als Gastautor im Fredelia-Blog beschreibt er ein typisches Praxisbeispiel aus seiner Erfahrung.

Planning and Delivering for Business Success

The common issues with M&A integration are that people do not start planning early enough and do not have the knowledge, experience or checklist and templates to enable good planning. These are the two big ones. When you don’t have a plan, you don’t know what your doing or when to do it. This leads into the concept of not knowing what, where, when and how to communicate to all stakeholders and thus the issue that people see and speak about, poor communication and lack of cultural understanding. The planning also enables us to move everything faster, thus delivering our synergies, profit and move ourselves through to the new company, entity or strategy as rapidly as possible. Our aim is to deliver value.

A software company delivered four different packages to its customers, it bought another software company with an overlap on two product, then aim being to close down those two products and thus halve the cost. Also having a large customer base would enable them to win more work elsewhere. A good strategy and good deal. However they then did nothing. They had not planned the detail and didn’t put anyone in charge of moving this delivery all forward. The completion went to all the customers and said “your software will be turned off, come to us”. New sales went to zero, new service contracts went to zero and our company was in trouble. We went in three months post deal to sort out the mess, the only solution was to state to all customers, all software will remain in place for the next three years and be supported for as long as you want it to be. Sales instantly went up to pre-deal levels, as did service contracts. All was good again. Except that the deal had not made the additional profit needed. The entire management team was removed by their PE owners over the following six months.

My advice is to plan fully, plan early “plan, plan, plan”. You should use internal people who understand the business and will be left with any issues afterwards, supplement this with people who know what they are talking about interims, consultants, advisors, etc. Be ready well in advance of the deal taking place. Then ramp up resource to deliver through your new strategy, changes and profit improvement programmes – both revenue increase and cost cutting. Plan in detail all your activities and actions from the finance function though IT and into all the people aspects. Then create the communication plans to go along side that. Then look through the division and business lens in the same manner. Check the plans all link together well across all areas and that there are no items that seem strange once we have completed it. Have this all completed pre-deal, so you are ready for Day one communications, management changes and for integration to be mobilise and delivery to start. Then you will need to ramp up project and resource and deliver through all the changes that lead to improved profit or value creation activities.

Sie errreichen Danny A. Davis unter: www.ddavisconsulting.com

Unternehmen trauen sich nicht

Die Risikoscheu der Unternehmer und der Banken bei der Kreditvergabe verhindern das Ansteigen des M&A Index in Deutschland. Was wird passieren müssen, damit unsere Firmen sich dem in den USA vorgelebten Mut anschließen und wieder in Fusionen und Übernahmen investieren?

Bei Fusionen und Übernahmen (M&A) surft Deutschland weiterhin nicht auf der Welle des Erfolges. Obgleich Deutschlands Wirtschaft bisher nicht stark von der Krise beeinträchtigt wurde, gibt es laut Berechnungen des Zentrums der Europäischen Wirtschaftsforschung (ZEW) keinen Aufschwung, was den M&A-Bereich angeht. Noch zur Jahrtausendwende war der Ausgangswert des ZEW-Zephyr M&A Index bei 100 Punkten, Anfang 2011 bewegt er sich nur noch bei 60.

Und so schnell soll sich das auch nicht ändern, meinen die Experten und prognostizieren bis 2013 keine Anstieg des Index. Trotz einiger funktionierender Deals, die in den ersten sechs Monaten von 2012 abgeschlossen wurden, konnte der M&A-Markt keinen merklichen Aufwind bekommen. Zum Beispiel blieb der Index völlig unbeindruckt vom Verkauf des Immobiliengeschäfts der Deutschen Kreditbank an die TAG Immobilien, obwohl 160 Millionen Euro den Eigentümer wechselten.

Nur der Mut fehlt

Der gut stehende Dax begünstigt vermehrt Börsengänge, wie in jüngster Vergangenheit von Telefonica oder Talanx gezeigt. Doch für eine Übernahme und Fusion spielen zusätzliche Faktoren eine bedeutende Rolle. „Die konjunkturelle Entwicklung und Erwartung ist entscheidend. Die Unsicherheit schreckt Investoren ab“, sagt Vigen Nikogosian, Projektleiter beim ZEW. Der eingeschränkte Wille von Banken Kredite zu vergeben, ist sicherlich auch eine Variable um die fehlenden Übernahmen und Fusionen zu erklären. Denn damit wird trotz günstiger Zinssätze verhindert, dass flüssiges Kapital zum Erwerb von Firmen vorhanden ist.

Das Land des wiedergefundenen Vertrauens

Ganz im Gegensatz zu unserem Land ist die USA klar auf dem Vormarsch, was Fusionen und Übernahmen angeht: „Die Investoren haben dort wieder Vertrauen gewonnen. Allerdings haben sich zuvor die Transaktionen zwischen 2006 und 2009 auch halbiert“, sagt Nikogosian.

Immerhin gebe es einen Hoffnungsschimmer. Nicht zuletzt muss durch einen Wandel in der Bankenbranche Bewegung in den M&A-Markt kommen. „Wir warten eigentlich auf eine M&A-Welle. Die könnte durch externe Schocks hervorgerufen werden“, sagt Nikogosian. Dazu könnte die Forderung führen, die Banken organisatorisch in Kreditbanken und Investmentbanken zu trennen. Die Unternehmen müssten dann den bürokratischen Aufwand dazu gebrauchen, Geschäftszweige abzustoßen, die in näherer Zukunft unprofitabel erscheinen, schätzt der Experte.

Das könnte dann auch im gesamten Euro-Raum eine gewisse Genesung der M&A-Tätigkeit hervorrufen. Denn von wenigen Ausnahmen abgesehen steht Deutschland mit den geringen Übernahmeaktivitäten nicht alleine da. Einzig die Marktbereinigung in der spanischen Bauindustrie führt dort gerade zu einem hohen Anstieg bei Fusionen und Übernahmen.

Die Gründung – aber der Gründer

Von 12. bis zum 18. November tagt in Deutschland zum fünften Mal die Gründermesse. Eine Vielzahl von Workshops und Wettbewerben sollen Anreize für noch Unentschlossene bieten und die Gründungskultur weiter anregen. Wie sehr die Ermutigung vor allem noch bei Frauen benötigt wird, zeigen zwei Daten-Auswertungen ganz unterschiedlich.

Männer gründen, Frauen unterstützen bestenfalls dabei – so lautet schon lange nicht mehr die gängige Philosophie in ganz Deutschland. Im Großen und Ganzen scheint es jedoch immer noch nicht üblich, dass Frauen genauso oft wie Männer gründen. Der häufigste Grund: Sie sind oft zu selbstkritisch mit sich und ihrer Arbeit.

Der aktuelle KfW-Gründungsmonitor wertete das Jahr 2011 aus. Das überraschende Ergebnis: Mit 42,5 Prozent konnten die Frauen aus den neuen Bundesländern nicht nur den höchsten Anteil an Gründungen im Osten Deutschlands seit der Jahrtausendwende verzeichnen, sondern übertrafen ihre Mitstreiterinnen aus dem Westen sogar um 1,2 Prozent. Zur Jahrtausendwende wurden nur 30% Prozent aller Neugründungen von Frauen aus dem Osten auf die Beine gestellt.

Andere Daten – andere Sicht

Zu einer anderen Beurteilung kommt man beim Blick auf die Daten des Mannheimer Unternehmerpanels vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Hier wurde fürs Jahr 2011 eine weniger positive Bilanz für die Frauen gezogen, da von den etwa 203.000 neuen Unternehmen nur 22 Prozent alleinig von Frauen gegründet wurden. Wenn man die gemischten Gründerteams auch dazurechnet, kommt man am Ende trotzdem nur auf 26 Prozent. Also maximal ein Viertel aller bundesweiten Neugründungen werden von Frauen in Angriff genommen. „Der typische Gründer ist männlich, etwa 39 Jahre alt, hat mehrere Jahre Berufserfahrung und ist Akademiker”, sagt ZEW-Expertin Gottschalk. “Frauen gründen häufig alleine, sie gründen kleiner und haben weniger Beschäftigte als Männer.”

Helfende Eigenschaften

Jedoch außerhalb dieser Eckdaten gebe es den Archetypus eines Gründers nicht. Er/Sie muss keinen bestimmten Charakter haben oder in seinem Lebenslauf gewisse Merkmale aufweisen. Jedoch Eigenschaften wie Durchhaltevermögen und kontinuierliche Eigenmotivation sind essentiell. Zu Tausend Prozent sollte ein Gründer am besten von seiner Geschäftsidee überzeugt sein, denn so kann er auch andere davon begeistern bzw. überzeugen. Nichts ist schlimmer als sich und seinen Plan ständig zu hinterfragen. Dieses Verhalten blockiert erfolgreiches Handeln. Es ist wie in der Liebe, wenn alle Fehler des Partners am Anfang gleich gesehen werden und man sich immer wieder fragt, ob es jetzt das Richtige ist, wagt man den Schritt in die vielleicht glücklichste Beziehung seines Lebens nie. Fehler machen gehört zur Unternehmensgründung einfach dazu, doch die kritische Haltung, die Frauen gegenüber sich selbst an den Tag legen, wirkt kontraproduktiv und sie gründen leider eher nicht.

IT-Startup-Unternehmer: die jungen Wilden von Nebenan – weit gefehlt

Der IT-Branchenverband Bitkom gab eine Studie in Auftrag, wonach ermitteln werden sollte, wie alt der typische Gründer eines IT-Startups ist und wo er herkommt. Die Ergebnisse sind überraschend.

Neue Ideen, Innovationen, kreativ knisterndes Klima, an Waghalsigkeit grenzender Mut – all das müsste man meinen, findet sich vor allem unter dem studentischen Volk oder frisch Gebackenen Absolventen wieder. Doch diese Vorstellung hat nichts mit der Realität zu tun, zeigt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Diese forschte im Auftrag des IT-Branchenverbandes Bitkom genauer über die Altersstrukturen von deutschen IT-Startup-Gründern. Das ZEW fand heraus, dass der ein Gründer durchschnittlich 38 Jahre alt ist und darunter werden wenige Studenten im 30. Semester vermutet. Gründungsbeispiele wie die von Mark Zuckerberg kommen in Deutschland nur selten vor. Denn mit 17 Jahren Berufserfahrung, davon elf Jahre in der IT-Branche gesammelt, nehmen die meisten Startup-Gründer ein eigenes Unternehmen in Anspruch. Erfahrung ist laut Studie genauso wichtig wie eine hochqualifizierte Bildung, denn nur knapp mehr als die Hälfte aller Gründer haben je eine Universität besucht. Die Mitarbeiter in solchen Firmen haben auch nur zu 36% studiert und zur Hälfe eine abgeschlossene Berufsausbildung. Der Großteil von Startup-Unternehmen sind Neugründungen aus bereits existierenden Firmen. Schließlich entscheiden sich Menschen lieber aus einem sicheren Arbeitsverhältnis heraus, in dem ein finanzieller Puffer für die Selbstständigkeit erwirtschaftet werden konnte, als sich am Anfang ihrer Karriere in Schulden zu stürzen.

In München, Berlin und Hamburg wird fleißig gegründet

Die deutschen Zentren von kreativen IT-lern liegen laut Studie in München und Berlin, da hier die meisten Startups aus dem Boden schießen. Die ostdeutschen Bundesländer bilden das Schlusslicht im Bezug auf IT-Gründungen. Insgesamt wurden 2011 mehr als 8000 Firmen deutschlandweit in diesem Wirtschaftszweig gegründet. Damit stieg die Zahl der Gründungen um ein Viertel im Vergleich zu den Vorjahren seit 1995.

Alles aus eigener Kraft

„In Summe braucht ein Gründer circa 700.000 Euro über einen Zeitraum von vier Jahren, wobei das Gründungsjahr selbst mit 70.000 Euro eher bescheidener ausfällt”, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf.

Beim Blick in andere Branchen ist das ein gängiger finanzieller Rahmen für den Anfang. Im Gegensatz zu anderen Fachbereichen jedoch können sich IT-ler nicht auf öffentliche Zuschüsse freuen. Die Neugründungen müssen sich schnell auf dem Markt beweisen, da sie lediglich aus selbst erwirtschafteten Einnahmen und dem Gründereigenkapital schöpfen. So ist es auch wenig verwunderlich, dass nur zirka 60 Prozent aller IT-Startups ihr fünfjähriges Bestehen feiern.

Mut und Kreativität zahlt sich aus

Zur Förderung von Existenzgründung hat der Arbeitskreis „ExistenzGründerPartner Oderland“ seit neun Jahren eine Wettbewerb ins Leben gerufen, der die beste Idee und Umsetzung mit 2012 Euro und einem Werbefilm für das Unternehmen prämiert. Lesen Sie, was ein Preisträger alles mitbringen muss.

In Frankfurt wurde letzte Woche schon zum neunten Mal der Existenzgründerpreis verliehen. Er ist mit 2012 Euro Preisgeld dotiert und einen Imagefilm über den Gewinner  sowie fürs Wirtschaftsleben wichtige Kontaktegibt es obendrein. Die Bewerbung um den Existenzgründerpreis ermögliche den Unternehmern auch immer, ihr Netzwerk zu erweitern. Der diesjährige Sieger war „Einfach Fair Catering GmbH“.

Insgesamt seien 17 Bewerbungen mit Existenzgründerideen beim Arbeitskreis „ExistenzGründerPartner Oderland“  eingegangen. Es ist ein gutes Zeichen für die wirtschaftlich eher schlecht gestellte Region, dass es so viele Menschen gibt, die mutig und kreativ einen Einfall zur Existenzgründung umsetzen. Das Essentielle für den Gewinn eines solchen Wettbewerbs und den im echten Leben ist eine tragfähige Idee und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Der Schritt in die Selbstständigkeit ist kein einfacher und jeder braucht dafür eine gehörige Portion Mut und Beharrlichkeit diesen teils steinigen Weg zu gehen, beobachtet Uwe Hoppe, Sprecher des Arbeitskreises.

Groß denken

Der Preisträger ist ein gutes Beispiel dafür. Jörg Holsteint verwirklichte vor etwa drei Jahren seinen Traum. 15 Jahre Berufserfahrung als leitender Angestellter in der Gastronomie gingen seinem Wunsch voraus. 1981 begann er als junger Mann eine Lehre zum Koch in Eisenhüttenstadt, wo er Stück für Stück das Kochhandwerk lernte, um bald darauf eine Stelle als Abteilungskoch zu erhalten. Grillbar- und Küchenleiter –  erklomm er die Sprossen der Karriereleiter weiter. Bevor Jörg Holstein beschloss 2009 sein eigenes Catering-Unternehmen zu gründen, bekleidete er den stellvertretenden Posten des Geschäftsführers einer Berliner Cateringfirma. Mittlerweile ist die „Einfach Fair Catering GmbH“ fest in der Brandenburger Cateringszene etabliert und 50 Mitarbeiter arbeiten kräftig am weiteren Ausbau mit. Drei Bestandteile sind momentan fest im Alltag des Unternehmens verankert: Betriebscatering, Eventcatering sowie Schul- und Kitaversorgung.

Unternehmensnachfolgen im exemplarischen Bayern

Die Auswertung einer einjährigen Studie zeigt, dass immer mehr Beratungshilfe bei der Unternehmensnachfolge in Anspruch genommen wird. Ebenfalls ist eine familiäre Unternehmensübergabe immer noch der beliebteste Weg.

Das Bayrische Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr, Infrastruktur und Technologie vergab vor gut einem Jahr den Auftrag für eine Studie zum Thema Unternehmensnachfolge in Bayern an die Fachholschule der Wirtschaft Paderborn/Bielefeld (FHDW). Diese nahm sich dem Forschungsauftrag in Zusammenarbeit mit dem Betriebswirtschaftlichen Forschungszentrum für Fragen der mittelständischen Wirtschaft e.V. von der Universität Bayreuth an.
Im Fokus der Kurzstudie stand zum einen die Zählung der für die Jahre 2011 bis 2015 zur Nachfolge anstehenden Unternehmen in Bayern sowie in den einzelnen Regierungsbezirken. Zum anderen wurde eine Expertenbefragung von Beratern öffentlicher Institutionen und privater Einrichtungen, die auf Unternehmensnachfolgen spezialisiert sind, durchgeführt.

Klare Prognose

In Oberfranken werden in den zukünftigen fünf Jahren zirka 1.500 Unternehmen an einen Nachfolger übergeben. Nach Schätzungen der FHDW stehen rund 20.200 Firmen mit etwa 304.000 Arbeitsplätzen zu einer Übernahme an. Auf das Jahr runtergebrochen heißt das, dass 4.000 Unternehmen mit 61.000 Mitarbeitern übergeben werden wollen. Im größten Regierungsbezirk Oberbayern werden mit rund 40% der 20.200 Unternehmensnachfolgen am häufigsten in den nächsten fünf Jahren Firmen übergeben.

Den Bedarf erkennen, sich helfen zu lassen

Auch kleine Unternehmen lassen sich durch Beratungsfirmen bei der Übernahme helfen. Das Ergebnis aus einer Befragung der Nachfolgeberater ergab, dass bei frühzeitigem Aufsuchen einer Beratung, das heißt etwa zehn Jahre vor Renteneintrittsalter, der Erfolg dieser sehr zufriedenstellend ist. Auch bei Unternehmen, die weniger als eine Million Euro im Jahr erwirtschaften, kommt der Service gut an. Momentan wird der Großteil aller Unternehmer noch von ihrem Bankberater auf die mögliche Beratung aufmerksam gemacht, jedoch knapp die Hälfte entscheidet sich aus eigener Motivation dazu. Vorausschauend planen mittlerweile viele, trotzdem gibt es noch 15%, die viel zu spät, also schon in der Übergabephase den Besuch einer Beratung ansteuern.

Blut ist dicker als Wasser

Trotz des diversen Nachfolgeangebots, wird immer noch die Nachfolgeregelung in der Familie favorisiert, die auch in fast der Hälfte aller Fälle stattfindet. Im Vergleich zu früher bemerken Berater jedoch nachlassendes Interesse der Kinder an einer Nachfolge, was dazu führt, dass durchschnittlich mehr fremde Personen einen Betrieb übernehmen. Das größte Hindernis beim Verkauf einer Firma stellt laut Umfrage die Einigung auf den Kaufpreis dar, denn drei Viertel aller Eigentümer schätzen den Wert ihres Unternehmens zu hoch ein.
In der wissenschaftlichen Auswertung beider Institute ist ein positives Fazit gezogen worden. Jedoch der Weg zu einer zeitlich passenden und zielgenauen Beratung, die jeder in Anspruch nehmen sollte, ist noch ein steiniger.

Die gesamte Studie finden Sie unter www.bfm-bayreuth.de oder unter: http://www.unternehmensnachfolge-in-bayern.de/metamenue/publikationen.html

Betrieb mit Hund sucht (neuen) Inhaber mit Herz

Firmeninhaber suchen Nachfolger per TV-Casting im Öffentlich-Rechtlichen

Fleischer Johannes Hierling leitet eine Metzgerei mit mehreren Filialen und insgesamt 18 Angestellten. Es läuft gut. Doch der 55-Jährige weiß, dass auch er seinen Betrieb nicht ewig weiter führen kann. Seine Kinder haben kein Interesse an der Unternehmensnachfolge, daher muss sich der Metzger nun anderweitig nach einem geeigneten Kandidaten umschauen.

In einer ähnlichen Situation ist Walter Hellstern. Auch der 60-jährige Hotelier plant für den Ruhestand und muss außerhalb der Familie nach jemandem suchen, der sein Traditionsunternehmen mit Energie und Engagement weiterführt.

Lange hielten bisher unter anderem diese zwei Inhaber erfolglos Ausschau nach einem Ideal-Nacholger. Die neue Sendung im SWR „Wer kann Chef?“ soll genau solchen Firmeninhabern dabei helfen, einen geeigneten Nachfolger zu finden. „Marktcheck“-Moderatorin Hendrike Brenningkmeyer präsentiert ambitionierte Kandidaten und lässt sie auf Herz und Nieren prüfen. Ob die gestellten Aufgaben praxisrelevant sind und ausschlaggebend für die ideale Unternehmensnachfolge, sei dahingestellt. Denn die Zukunft des Unternehmens hängt eher unwahrscheinlich von der Fähigkeit des Chefs die Kasse zu machen ab. Doch selbst wenn alle Fernsehspiele bestanden wurden und sogar Persönlichkeit und Motivation passen, können der Kaufpreis, die Übernahmeregelung oder Ablöseprozesse doch unüberbrückbare Hürden darstellen.

Ebenso blendet die Sendung aus, dass es bei einem geplanten Inhaberwechsel unvorteilhaft sein kann, das Übergabevorhaben bereits im Vorfeld in der breiten Öffentlichkeit zu kommunizieren. Geschäftspartner könnten abspringen, Mitarbeiter verunsichert werden und Konkurrenten könnten den Übergang zu ihrem Vorteil nutzen.

Löblich ist, dass die Castingshow die Wichtigkeit der fehlenden Nachfolgelösungen aufzeigt. Denn laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wurden allein im Jahr 2010 rund 1800 Firmen geschlossen, weil der Unternehmer keinen Nachfolger fand. Mehr als 23.000 Arbeitsplätze sind dadurch verlorengegangen.

Doch auch das Fernsehen kann nur bedingt unter die unter die Arme greifen.

Wenn Nachfolgepläne scheitern

Innerhalb von zwei Wochen sind mir drei Unternehmer vorgestellt worden, deren Betriebe in Ermangelung eines passenden Unternehmensnachfolgers, bzw. Unternehmenskäufers liquidiert wurden, bzw. bei denen eine Liquidation geplant ist:

Gesundes Metallbauunternehmen: Liquidation mangels Nachfolger

Fall 1: Ein Metallbaubetrieb im Berliner Umland, mit glänzender Vergangenheit und branchenbekanntem Namen. Die Umsätze lagen noch vor sieben Jahren deutlich jenseits der Millionen-Euro-Marke, bei satten Erträgen. Ein Berater versuchte über drei Jahre erfolglos einen Nachfolger zu finden. Der Inhaber stimmte schließlich in Eigenregie der Übernahme durch einen Wettbewerber zu und verlegte den Firmensitz schon einmal in dessen Nähe. Der Deal platzte und der Unternehmer hat aufgegeben, die Versuche haben ihn über die Jahre zu viel Kraft und Nerven gekostet. Als inzwischen nur noch 1-Mann-Betrieb erwirtschaftet er stabile 150.000-180.000 EUR Umsatz im Jahr und wird trotzdem zum Jahresende 2012 liquidieren, die Betriebsausstattung soll an einen Industrieverwerter verkauft werden. Weiterlesen