Mut und Kreativität zahlt sich aus

Zur Förderung von Existenzgründung hat der Arbeitskreis „ExistenzGründerPartner Oderland“ seit neun Jahren eine Wettbewerb ins Leben gerufen, der die beste Idee und Umsetzung mit 2012 Euro und einem Werbefilm für das Unternehmen prämiert. Lesen Sie, was ein Preisträger alles mitbringen muss.

In Frankfurt wurde letzte Woche schon zum neunten Mal der Existenzgründerpreis verliehen. Er ist mit 2012 Euro Preisgeld dotiert und einen Imagefilm über den Gewinner  sowie fürs Wirtschaftsleben wichtige Kontaktegibt es obendrein. Die Bewerbung um den Existenzgründerpreis ermögliche den Unternehmern auch immer, ihr Netzwerk zu erweitern. Der diesjährige Sieger war „Einfach Fair Catering GmbH“.

Insgesamt seien 17 Bewerbungen mit Existenzgründerideen beim Arbeitskreis „ExistenzGründerPartner Oderland“  eingegangen. Es ist ein gutes Zeichen für die wirtschaftlich eher schlecht gestellte Region, dass es so viele Menschen gibt, die mutig und kreativ einen Einfall zur Existenzgründung umsetzen. Das Essentielle für den Gewinn eines solchen Wettbewerbs und den im echten Leben ist eine tragfähige Idee und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Der Schritt in die Selbstständigkeit ist kein einfacher und jeder braucht dafür eine gehörige Portion Mut und Beharrlichkeit diesen teils steinigen Weg zu gehen, beobachtet Uwe Hoppe, Sprecher des Arbeitskreises.

Groß denken

Der Preisträger ist ein gutes Beispiel dafür. Jörg Holsteint verwirklichte vor etwa drei Jahren seinen Traum. 15 Jahre Berufserfahrung als leitender Angestellter in der Gastronomie gingen seinem Wunsch voraus. 1981 begann er als junger Mann eine Lehre zum Koch in Eisenhüttenstadt, wo er Stück für Stück das Kochhandwerk lernte, um bald darauf eine Stelle als Abteilungskoch zu erhalten. Grillbar- und Küchenleiter –  erklomm er die Sprossen der Karriereleiter weiter. Bevor Jörg Holstein beschloss 2009 sein eigenes Catering-Unternehmen zu gründen, bekleidete er den stellvertretenden Posten des Geschäftsführers einer Berliner Cateringfirma. Mittlerweile ist die „Einfach Fair Catering GmbH“ fest in der Brandenburger Cateringszene etabliert und 50 Mitarbeiter arbeiten kräftig am weiteren Ausbau mit. Drei Bestandteile sind momentan fest im Alltag des Unternehmens verankert: Betriebscatering, Eventcatering sowie Schul- und Kitaversorgung.

Unternehmensnachfolgen im exemplarischen Bayern

Die Auswertung einer einjährigen Studie zeigt, dass immer mehr Beratungshilfe bei der Unternehmensnachfolge in Anspruch genommen wird. Ebenfalls ist eine familiäre Unternehmensübergabe immer noch der beliebteste Weg.

Das Bayrische Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr, Infrastruktur und Technologie vergab vor gut einem Jahr den Auftrag für eine Studie zum Thema Unternehmensnachfolge in Bayern an die Fachholschule der Wirtschaft Paderborn/Bielefeld (FHDW). Diese nahm sich dem Forschungsauftrag in Zusammenarbeit mit dem Betriebswirtschaftlichen Forschungszentrum für Fragen der mittelständischen Wirtschaft e.V. von der Universität Bayreuth an.
Im Fokus der Kurzstudie stand zum einen die Zählung der für die Jahre 2011 bis 2015 zur Nachfolge anstehenden Unternehmen in Bayern sowie in den einzelnen Regierungsbezirken. Zum anderen wurde eine Expertenbefragung von Beratern öffentlicher Institutionen und privater Einrichtungen, die auf Unternehmensnachfolgen spezialisiert sind, durchgeführt.

Klare Prognose

In Oberfranken werden in den zukünftigen fünf Jahren zirka 1.500 Unternehmen an einen Nachfolger übergeben. Nach Schätzungen der FHDW stehen rund 20.200 Firmen mit etwa 304.000 Arbeitsplätzen zu einer Übernahme an. Auf das Jahr runtergebrochen heißt das, dass 4.000 Unternehmen mit 61.000 Mitarbeitern übergeben werden wollen. Im größten Regierungsbezirk Oberbayern werden mit rund 40% der 20.200 Unternehmensnachfolgen am häufigsten in den nächsten fünf Jahren Firmen übergeben.

Den Bedarf erkennen, sich helfen zu lassen

Auch kleine Unternehmen lassen sich durch Beratungsfirmen bei der Übernahme helfen. Das Ergebnis aus einer Befragung der Nachfolgeberater ergab, dass bei frühzeitigem Aufsuchen einer Beratung, das heißt etwa zehn Jahre vor Renteneintrittsalter, der Erfolg dieser sehr zufriedenstellend ist. Auch bei Unternehmen, die weniger als eine Million Euro im Jahr erwirtschaften, kommt der Service gut an. Momentan wird der Großteil aller Unternehmer noch von ihrem Bankberater auf die mögliche Beratung aufmerksam gemacht, jedoch knapp die Hälfte entscheidet sich aus eigener Motivation dazu. Vorausschauend planen mittlerweile viele, trotzdem gibt es noch 15%, die viel zu spät, also schon in der Übergabephase den Besuch einer Beratung ansteuern.

Blut ist dicker als Wasser

Trotz des diversen Nachfolgeangebots, wird immer noch die Nachfolgeregelung in der Familie favorisiert, die auch in fast der Hälfte aller Fälle stattfindet. Im Vergleich zu früher bemerken Berater jedoch nachlassendes Interesse der Kinder an einer Nachfolge, was dazu führt, dass durchschnittlich mehr fremde Personen einen Betrieb übernehmen. Das größte Hindernis beim Verkauf einer Firma stellt laut Umfrage die Einigung auf den Kaufpreis dar, denn drei Viertel aller Eigentümer schätzen den Wert ihres Unternehmens zu hoch ein.
In der wissenschaftlichen Auswertung beider Institute ist ein positives Fazit gezogen worden. Jedoch der Weg zu einer zeitlich passenden und zielgenauen Beratung, die jeder in Anspruch nehmen sollte, ist noch ein steiniger.

Die gesamte Studie finden Sie unter www.bfm-bayreuth.de oder unter: http://www.unternehmensnachfolge-in-bayern.de/metamenue/publikationen.html

Betrieb mit Hund sucht (neuen) Inhaber mit Herz

Firmeninhaber suchen Nachfolger per TV-Casting im Öffentlich-Rechtlichen

Fleischer Johannes Hierling leitet eine Metzgerei mit mehreren Filialen und insgesamt 18 Angestellten. Es läuft gut. Doch der 55-Jährige weiß, dass auch er seinen Betrieb nicht ewig weiter führen kann. Seine Kinder haben kein Interesse an der Unternehmensnachfolge, daher muss sich der Metzger nun anderweitig nach einem geeigneten Kandidaten umschauen.

In einer ähnlichen Situation ist Walter Hellstern. Auch der 60-jährige Hotelier plant für den Ruhestand und muss außerhalb der Familie nach jemandem suchen, der sein Traditionsunternehmen mit Energie und Engagement weiterführt.

Lange hielten bisher unter anderem diese zwei Inhaber erfolglos Ausschau nach einem Ideal-Nacholger. Die neue Sendung im SWR „Wer kann Chef?“ soll genau solchen Firmeninhabern dabei helfen, einen geeigneten Nachfolger zu finden. „Marktcheck“-Moderatorin Hendrike Brenningkmeyer präsentiert ambitionierte Kandidaten und lässt sie auf Herz und Nieren prüfen. Ob die gestellten Aufgaben praxisrelevant sind und ausschlaggebend für die ideale Unternehmensnachfolge, sei dahingestellt. Denn die Zukunft des Unternehmens hängt eher unwahrscheinlich von der Fähigkeit des Chefs die Kasse zu machen ab. Doch selbst wenn alle Fernsehspiele bestanden wurden und sogar Persönlichkeit und Motivation passen, können der Kaufpreis, die Übernahmeregelung oder Ablöseprozesse doch unüberbrückbare Hürden darstellen.

Ebenso blendet die Sendung aus, dass es bei einem geplanten Inhaberwechsel unvorteilhaft sein kann, das Übergabevorhaben bereits im Vorfeld in der breiten Öffentlichkeit zu kommunizieren. Geschäftspartner könnten abspringen, Mitarbeiter verunsichert werden und Konkurrenten könnten den Übergang zu ihrem Vorteil nutzen.

Löblich ist, dass die Castingshow die Wichtigkeit der fehlenden Nachfolgelösungen aufzeigt. Denn laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wurden allein im Jahr 2010 rund 1800 Firmen geschlossen, weil der Unternehmer keinen Nachfolger fand. Mehr als 23.000 Arbeitsplätze sind dadurch verlorengegangen.

Doch auch das Fernsehen kann nur bedingt unter die unter die Arme greifen.

Wenn Nachfolgepläne scheitern

Innerhalb von zwei Wochen sind mir drei Unternehmer vorgestellt worden, deren Betriebe in Ermangelung eines passenden Unternehmensnachfolgers, bzw. Unternehmenskäufers liquidiert wurden, bzw. bei denen eine Liquidation geplant ist:

Gesundes Metallbauunternehmen: Liquidation mangels Nachfolger

Fall 1: Ein Metallbaubetrieb im Berliner Umland, mit glänzender Vergangenheit und branchenbekanntem Namen. Die Umsätze lagen noch vor sieben Jahren deutlich jenseits der Millionen-Euro-Marke, bei satten Erträgen. Ein Berater versuchte über drei Jahre erfolglos einen Nachfolger zu finden. Der Inhaber stimmte schließlich in Eigenregie der Übernahme durch einen Wettbewerber zu und verlegte den Firmensitz schon einmal in dessen Nähe. Der Deal platzte und der Unternehmer hat aufgegeben, die Versuche haben ihn über die Jahre zu viel Kraft und Nerven gekostet. Als inzwischen nur noch 1-Mann-Betrieb erwirtschaftet er stabile 150.000-180.000 EUR Umsatz im Jahr und wird trotzdem zum Jahresende 2012 liquidieren, die Betriebsausstattung soll an einen Industrieverwerter verkauft werden. Weiterlesen

Loslassen können.

Deutsche Unternehmer vernachlässigen bzw. unterschätzen das Thema Nachfolge

Laut einer Umfrage der IHK Frankfurt vom März 2012 haben etwa 70% der befragten 4.000 mittelständigen Unternehmen in Hessen noch keine verbindliche Regelung für die Unternehmensnachfolge getroffen. Für diese Unternehmen besteht das Risiko, gänzlich vom Markt zu verschwinden, falls der Unternehmer von einem Tag auf den anderen ausfällt. Neben Einbußen finanzieller Art für den Unternehmer und seine Angehörigen bedeutet dies auch die Gefährdung von Arbeitsplätzen. Durch eine rechtzeitige Planung der Unternehmensnachfolge mit Hilfe von Experten, die auch erbrechtliche Regelungen umfassen muss, kann dies verhindert werden.  Spannend zu sehen ist, dass es keinen großen Unterschied zwischen den unter und über 50-Jährigen gibt, was die finale Nachfolgeregelung anbelangt. Die Gründe der Nichtbeschäftigung mit diesem Thema sind so zahlreich wie verständlich:

Unternehmen loslassen können

Es ist völlig nachvollziehbar, dass ein Unternehmer, der mit viel Mühe und eigenem Fleiß über Jahrzehnte seinen Betrieb aufgebaut hat, sich nicht so einfach aus dem aktiven Tagesgeschäft zurückziehen kann, um es einem Jüngerem zu überlassen. Doch die Nachfolge wird da am besten geregelt sein, wo im Zuge des Generationswechsels Zugeständnisse an den Nachfolger gemacht werden und akzeptiert wird, dass die Unternehmensführung neu gestaltet wird.

Klare Spielregeln helfen

Es ist beiden Parteien geholfen, wenn ein Leitfaden festgelegt wird, wie die Nachfolge Stück für Stück von statten geht. Man definiert dabei genaue Aufgaben und Verantwortungsbereiche mit eindeutigen Anforderungen und überträgt sich sukzessive dem Nachfolger im Rahmen einer vereinbarten Dauer.

Beteiligen Sie den Junior – entsprechend seiner übernommenen Tätigkeiten – an Erfolg und Verdienst. Dieser Anreiz steigert die Motivation und das unternehmerische Denken. Je selbständiger der Senior den Unternehmensnachfolger nach und nach einbezieht, je mehr Verantwortung er an ihn übertragen, desto leichter fällt ihm das Loslassen.

Weiterführende Tipps und Informationen zum Thema Nachfolgeplanung.

„Jüngere Menschen rennen schneller. Ältere Menschen kennen die Abkürzungen.“

Diesen treffenden Satz formulierte Ursula von der Leyen erst kürzlich. Das wissen vor allem die älteren Menschen selbst und sehnen sich als Ausweg vor der Langeweile im Ruhestand nach einer spannenden Alternative: der Existenzgründung im Alter.

Ein paar Fragen sollten jedoch im Vorfeld geklärt sein:

Was ist das Unternehmensziel?

Wer sich im Alter selbständig macht, um sich finanziell abzusichern, tut gut daran dies auch in seinem bisherigen Aufgabenfeld zu tun. Hier verfügt man über solides Wissen und Kontakte um sein Geschäft aufzubauen. Sich noch einmal in ein ganz neues Business mit einer völlig neuen geschäftsidee zu stürzen kann zwar sehr interessant sein, ist aber mit einem höheren Risiko verbunden. Diese Möglichkeit ist eigentlich nur denjenigen zu empfehlen, die nicht auf die Einnahmen aus der Existenzgründung angewiesen sind.

Geteiltes Leid ist doppelte Freude

Eine weitere Option ist es sich einen Partner fürs neue Geschäft anzulachen. Natürlich bietet es sich an auf jemanden der jüngeren Generation zu setzen. Man minimiert zum Beispiel das Risiko, dass beide Gründer gleichzeitig krankheitsbedingt, was im Alter nun mal einfach häufiger vorkommt, ausfallen. Zudem ergänzen sich zwei unterschiedliche Sichtweisen und die Erfahrung des einen ergänzt sich hervorragend mit der Neugier und höheren Anpassungsfähigkeit des anderen.

Sich selbst einschätzen

Wie man sich jetzt fühlt, so wird man sich wahrscheinlich nicht mehr in fünf Jahren fühlen. Das muss jedem noch so stolzen Menschen im Alter klar sein. Deshalb ist es besonders wichtig den eigenen körperlichen und mentalen Zustand einzuschätzen. Eine Existenzgründung kann eine nervenaufreibende Angelegenheit sein und dieser Belastung sollte man sich gewachsen fühlen.

Das Sparschwein schlachten

Ohne Eigenkapital ist die Existenzgründung im Ruhestand kompliziert. Gründungszuschüsse und andere Fördermittel von der Bundesagentur für Arbeit gibt es nicht mehr, da keine Zuständigkeit für Rentner besteht oder für Darlehen meist eine Altersgrenze von Anfang 60 existiert. Banken geben wenn überhaupt nur einen Kredit mit sehr kurzen Laufzeiten. Eine Option können sogenannte Mikrodarlehen oder das “StartGeld” der staatlichen KfW-Bank sein.

An die Rente denken

Vor dem 65. Geburtstag darf ein zusätzliches regelmäßiges Einkommen von 400 Euro monatlich ohne Abzüge eingenommen werden. Wenn das monatliche Einkommen regelmäßig den zulässigen Hinzuverdienst überschreitet, wird die Rente um mindestens 1/3 gekürzt und als sogenannte Teilrente ausgezahlt. Wer also nur geringfügig mehr als 400 Euro verdient, kann unter dem Strich sogar weniger netto bekommen. Je höher der Hinzuverdienst, umso niedriger die Teilrente.

Über-65-Jährige dürften dagegen so viel verdienen, wie sie möchten. Wer sicher ist, von seiner Selbstständigkeit bald leben zu können, kann auch erst mal auf die Rente verzichten. Pro Monat, den man verzichtet, bekommt man ein halbes Prozent mehr Rente. Missglückt der Versuch der Selbstständigkeit jedoch und es türmen sich Schulden, kann ein Teil der Rente gepfändet werden. Nur ein Betrag von knapp 990 Euro für einen Alleinstehenden ist geschützt.

Wer sich im Alter noch einmal selbständig machen möchte sollte also das Für und Wider genau abwägen.

Lieber angestellt als angetreten

Familienunternehmen sterben aus, weil immer weniger Studenten die Nachfolge ihrer Eltern anstreben

Die Ergebnisse einer Studie des Center for Family Business der Universität St. Gallen (CFB-HSG), die in Kooperation mit der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young durchgeführt wurde, sind alarmierend für die mittelständischen Unternehmen.

Es wurden mehr als 28.000 Studenten aus 26 Ländern befragt, deren Eltern ein Familienunternehmen führen. Nur vier Prozent der deutschen Studentenschaft kann sich vorstellt direkt nach dem Studium die Nachfolge anzutreten. Hingegen 74% wollen dies in keinem Fall.

Selbstfindung heißt Unabhängigkeit gegenüber der Eltern

Die Firma als Generationenprojekt zu sehen, ist längst nicht mehr up-to-date. Der Trend heißt Individualität. Anstelle im elterlichen Betrieb zu arbeiten oder ihn sogar zu übernehmen, strebt der Großteil der Unternehmerkinder (76%) nach einer Karriere als Angestellter. Obgleich mehr als die Hälfte aller deutschen Unternehmerkinder berufspraktische Erfahrungen und spezifische Fertigkeiten im Elternbetrieb gesammelt haben, nutzen sie lieber die beruflichen Alternativen im externen Umfeld, um sich unabhängig von der elterlichen Aufsicht auszuprobieren und sich ihrer Leistung bewusst zu werden.

Eltern können den richtigen Anstoß geben

Mit rationalen Argumenten allerdings haben es Eltern nicht leicht: Eine intensive Auseinandersetzung mit einer möglichen Unternehmensnachfolge finde unter deutschen Unternehmerkindern nur selten statt. Auf einer Skala von 0 („ich habe mich nie mit einer Nachfolge beschäftigt“) bis 7 („ich habe bereits die Unternehmensführung übernommen“) liegt Deutschland lediglich bei einem Wert von 0,96 (globaler Durchschnitt: 1,02).

Die jetzige Generation der Unternehmensführung kann lediglich die Idee wiederholt ins Gedächtnis der Kinder rufen, ein positives Rollenmodell von Unternehmertum vorleben und die positive Unterstützung im Falle einer familiären Unternehmensnachfolge signalisieren.

Die Dosis macht das Gift: Druck ist kontraproduktiv

Jedoch zu stark sollten Eltern ihre Kinder nicht zur Unternehmensnachfolge drängen. Vor allem sehr selbstbewusste und qualifizierte Kinder wollten sich zunächst frei vom elterlichen Umfeld beweisen, indem sie beispielsweise ein eigenes Unternehmen gründen. Eltern könnten zu einer solchen Selbstfindungsphase wichtigen Beistand leisten, indem sie bei der Ideenfindung helfen sowie Ressourcen wie Kontakte oder Tipps zur Unternehmensführung zur Verfügung stellen.

Das „Kind“ extern suchen

Natürlich gibt es auch passende Nachfolger außerhalb der eigenen Familie. Laut Studie des CFB-HSG seien langfristig erfolgreich aber vor allem diejenigen Unternehmen, in denen sich mehrere Generationen für die Entwicklung verantwortlich fühlen.

In jedem Fall beeinträchtigt eine ungeklärte Nachfolge die Leistungsfähigkeit von Unternehmen erheblich. Daher sollte insbesondere darauf geachtet werden zur rechten Zeit einen passenden Unternehmensnachfolger für das über Generationen aufgebaute Familienunternehmen zu finden. Wenn nicht innerhalb dann eben außerhalb der Familie.

Wenn nicht jetzt? Wann dann?

Förderdarlehen sind auf selten niedrigem Zinsniveau.

Ein Unternehmen ist jeden Tag aufs Neue auf den Prüfstand gestellt und muss sich darum kümmern wettbewerbsfähig zu bleiben, weitere Marktanteile zu gewinnen und neue Investitionen zu tätigen. Doch wie finanziert man das am besten alles? Hilfreich hierfür sind die momentan günstigen Zinssätze für Unternehmerkredite und Förderdarlehen. Ein beispielhaftes Programm der KfW-Banken (KfW -Kreditanstalt für Wiederaufbau: Förderbank der deutschen Wirtschaft und Entwicklungsbank für die Transformations- und Entwicklungsländer) ist das „Unternehmerkredit–Fremdkapital“ mit 1% effektivem Zins pro Jahr in der günstigsten Preisklasse, bei einer Auszahlung von 100% des Kreditbetrags. Die Zinsbindung ist von zwei bis zwanzig Jahren wählbar.

Finanziert werden vor allem Investitionen in Gebäude; Grundstücke oder Baumaßnahmen, Betriebs- und Geschäftsausstattung, Übernahmen, Maschinen, Anlagen oder Einrichtungsgegenstände, Firmenfahrzeuge.

Wer also über einen Firmenkauf oder eine Unternehmensnachfolge nachdenkt, der sollte dies am besten in naher Zukunft anpacken. Bis zu vier bzw. zehn Millionen Euro pro Geschäftsvorhaben können Unternehmer von der KfW in Form eines Förderdarlehens erhalten. Diese Angebote gelten übrigens ebenso für Investitionen im Ausland.

Wer völlig unbekannte Märkte erschließen will oder erstmalig als Unternehmensnachfolger fungiert und dafür Förderdarlehen beantragt oder neue Produktionsmethoden einführt, greift zu diesem Zweck meist ein- oder mehrmalig für eine bestimmte Dauer auf einen externen Berater zurück. Die gute Nachricht ist, dass auch diese Dienstleistungen über den Unternehmerkredit abgedeckt werden können.

Migranten als Unternehmensnachfolger

Bei Unternehmensnachfolgen im deutschen Mittelstand kommt es häufig zu Schwierigkeiten. Laut einer Studie diverser Berliner Hochschulen und der Erfahrungen der Ecovis Steuerberatungsgesellschaft, bieten hochqualifizierte Migranten eine oft unterschätzte Lösung auf das Problem der fehlenden Firmennachfolger.

Sushi vom Japaner, Asiapfanne vom Chinesen und Döner vom Türken – Bestandteile des ganz normalen Speisealltags in Deutschland. Wir vertrauen unseren ausländischen Mitbürgern völlig bei der Zubereitung unserer Nahrung, jedoch bei einem wichtigen Aspekt der deutschen Wirtschaft beachten wir unsere Migranten zu wenig und verschenken somit wertvolles Potential: die Unternehmensnachfolge von mittelständischen Familienunternehmen.

Einen potenziellen Ausweg zeigt die Studie „MiNa – Potenzialanalyse von Migranten zur Lösung der Unternehmensnachfolgen im deutschen Mittelstand“ auf. Diese Studie ist vom Institut für Entrepreneurship, Mittelstand und Familienunternehmen der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) initiiert worden. Partner für das erste Forschungsprojekt dieser Art waren die Alice-Salomon Hochschule Berlin (AHS) und der Rechtsanwalt Dr. Rolf Rahm von Ecovis in Berlin.

Unternehmer mit Migrationshintergrund wählen lieber den Weg der Neugründung statt des Firmenkaufs, da Mittelstandsunternehmen auf sie häufig nur schwer zugänglich erscheinen. Laut Studie wählen lediglich vier Prozent der Migranten, die sich selbstständig machen, den Weg der Unternehmensnachfolge. Oft entstehen auf beiden Seiten Vorbehalte durch mangelndes Wissen über die Voraussetzung einer Übernahme und die Abläufe der Verhandlung sowie fehlendes Vertrauen. Die Bindung an die jeweilige nationale Vertrauenskultur ist verständlicherweise sehr groß. Um eine Tradition des Vertrauens nationsübergreifen entstehen zu lassen, ist viel Bedarf an Informationen und individueller Beratung von Nöten.

Die Potenzialanalyse MiNa kommt hier für zu drei Empfehlungen: Die Prozesse der Nachfolge müssen optimiert, das Wissen über Möglichkeiten und Bedingungen der Unternehmensnachfolge verbessert und die Interkulturalität als Ressource gezielt genutzt werden.

Ob dies früh genug geschieht und die bis 2014 schätzungsweise anstehenden 110.000 Übergaben bei mittleren Unternehmen verstärkt durch Migranten erfolgen, bleibt abzuwarten. Fakt ist Unternehmensinhaber sollten den Kreis der potentiellen Nachfolger nicht zu früh einschränken. Ihr perfekter Nachfolger ist möglicherweise weiblich und spricht neben fließend deutsch eine andere Muttersprache.

 

Weibliches Potential nicht verschenken

Familienunternehmen werden zu 80 Prozent* innerhalb der Familie weitergeben. Mittlerweile sind ein Viertel* dieser familieninternen Unternehmensnachfolger auch Frauen. Jedoch eine externe Unternehmensnachfolge im Rahmen eines Management Buy-Ins (MBI) an Frauen bleibt nach wie vor noch eine Ausnahme. Die Generation der konservativen Patriarchen, unsere Väter, lässt sich Zeit fürs Umdenken. Vielleicht zu viel Zeit? Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie und Handelskammer hat jedes dritte Familienunternehmen schon jetzt Schwierigkeiten überhaupt jemanden für die Nachfolge zu finden.

Eine Studie des IfM an der Universität Mannheim ergab: Unternehmer bevorzugen nicht nur ihre Söhne, falls sie einen haben, sie bleiben oftmals sogar so lange selbst am Ruder, bis sie auch einen haben. Die Studie zeigt: Die Senior-Generation hat deutlich öfter nur Söhne als nur Töchter. „Viele Unternehmer scheinen sich einen Sohn als Nachfolger zu wünschen“, sagt Jan-Philipp Ahrens, einer der Autoren. „Dieser Wunsch scheint sogar erkennbar Einfluss auf die Familienplanung zu haben.“

Man müsste meinen, dass der Wandel schneller einsetzt und Unternehmerinnen in den Fokus des Interesses rücken und Unternehmensnachfolger nicht zwingend Söhne sein werden.

Führungsqualität statt Spezialwissen fördern

In Erfurt hat man die Dringlichkeit erfasst und einen nationalen Aktionstag zur Unternehmensnachfolge organisiert. Es trafen sich am 14. Juni 2012 interessierte Frauen, zukünftige Unternehmensnachfolgerinnen, Förderer und Berater, sowie Geschäftsinhaber, die ihre Unternehmensnachfolge planen. Die Bundesweite Gründerinnenagentur (bga) und das Beratungsnetzwerk „Gründen und Wachsen in Thüringen“ boten Expertenvorträge, eine Podiumsdiskussion und persönliche Erfahrungsgespräche zum Firmenkauf an.

Die Sorge der Betroffenen um die Zukunft ist groß. Allein in Thüringen gilt für etwa 10.000 Handwerksbetrieben mit über 50.000 Beschäftigten in den kommenden Jahren, sofern die Nachfolge nicht geklärt ist, Unternehmensnachfolger zu finden, die die Betriebe fortführen und damit die Arbeits- und Ausbildungsplätze erhalten.

Da bleibt es nur zu hoffen, dass Frauen künfitg verstärkt ihre Potenziale in der Wirtschaft und am Markt mobilisieren und die Chancen nutzen, die der demographische Wandel ihnen bietet.

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