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Loslassen können.

Deutsche Unternehmer vernachlässigen bzw. unterschätzen das Thema Nachfolge

Laut einer Umfrage der IHK Frankfurt vom März 2012 haben etwa 70% der befragten 4.000 mittelständigen Unternehmen in Hessen noch keine verbindliche Regelung für die Unternehmensnachfolge getroffen. Für diese Unternehmen besteht das Risiko, gänzlich vom Markt zu verschwinden, falls der Unternehmer von einem Tag auf den anderen ausfällt. Neben Einbußen finanzieller Art für den Unternehmer und seine Angehörigen bedeutet dies auch die Gefährdung von Arbeitsplätzen. Durch eine rechtzeitige Planung der Unternehmensnachfolge mit Hilfe von Experten, die auch erbrechtliche Regelungen umfassen muss, kann dies verhindert werden.  Spannend zu sehen ist, dass es keinen großen Unterschied zwischen den unter und über 50-Jährigen gibt, was die finale Nachfolgeregelung anbelangt. Die Gründe der Nichtbeschäftigung mit diesem Thema sind so zahlreich wie verständlich:

Unternehmen loslassen können

Es ist völlig nachvollziehbar, dass ein Unternehmer, der mit viel Mühe und eigenem Fleiß über Jahrzehnte seinen Betrieb aufgebaut hat, sich nicht so einfach aus dem aktiven Tagesgeschäft zurückziehen kann, um es einem Jüngerem zu überlassen. Doch die Nachfolge wird da am besten geregelt sein, wo im Zuge des Generationswechsels Zugeständnisse an den Nachfolger gemacht werden und akzeptiert wird, dass die Unternehmensführung neu gestaltet wird.

Klare Spielregeln helfen

Es ist beiden Parteien geholfen, wenn ein Leitfaden festgelegt wird, wie die Nachfolge Stück für Stück von statten geht. Man definiert dabei genaue Aufgaben und Verantwortungsbereiche mit eindeutigen Anforderungen und überträgt sich sukzessive dem Nachfolger im Rahmen einer vereinbarten Dauer.

Beteiligen Sie den Junior – entsprechend seiner übernommenen Tätigkeiten – an Erfolg und Verdienst. Dieser Anreiz steigert die Motivation und das unternehmerische Denken. Je selbständiger der Senior den Unternehmensnachfolger nach und nach einbezieht, je mehr Verantwortung er an ihn übertragen, desto leichter fällt ihm das Loslassen.

Weiterführende Tipps und Informationen zum Thema Nachfolgeplanung.

„Jüngere Menschen rennen schneller. Ältere Menschen kennen die Abkürzungen.“

Diesen treffenden Satz formulierte Ursula von der Leyen erst kürzlich. Das wissen vor allem die älteren Menschen selbst und sehnen sich als Ausweg vor der Langeweile im Ruhestand nach einer spannenden Alternative: der Existenzgründung im Alter.

Ein paar Fragen sollten jedoch im Vorfeld geklärt sein:

Was ist das Unternehmensziel?

Wer sich im Alter selbständig macht, um sich finanziell abzusichern, tut gut daran dies auch in seinem bisherigen Aufgabenfeld zu tun. Hier verfügt man über solides Wissen und Kontakte um sein Geschäft aufzubauen. Sich noch einmal in ein ganz neues Business mit einer völlig neuen geschäftsidee zu stürzen kann zwar sehr interessant sein, ist aber mit einem höheren Risiko verbunden. Diese Möglichkeit ist eigentlich nur denjenigen zu empfehlen, die nicht auf die Einnahmen aus der Existenzgründung angewiesen sind.

Geteiltes Leid ist doppelte Freude

Eine weitere Option ist es sich einen Partner fürs neue Geschäft anzulachen. Natürlich bietet es sich an auf jemanden der jüngeren Generation zu setzen. Man minimiert zum Beispiel das Risiko, dass beide Gründer gleichzeitig krankheitsbedingt, was im Alter nun mal einfach häufiger vorkommt, ausfallen. Zudem ergänzen sich zwei unterschiedliche Sichtweisen und die Erfahrung des einen ergänzt sich hervorragend mit der Neugier und höheren Anpassungsfähigkeit des anderen.

Sich selbst einschätzen

Wie man sich jetzt fühlt, so wird man sich wahrscheinlich nicht mehr in fünf Jahren fühlen. Das muss jedem noch so stolzen Menschen im Alter klar sein. Deshalb ist es besonders wichtig den eigenen körperlichen und mentalen Zustand einzuschätzen. Eine Existenzgründung kann eine nervenaufreibende Angelegenheit sein und dieser Belastung sollte man sich gewachsen fühlen.

Das Sparschwein schlachten

Ohne Eigenkapital ist die Existenzgründung im Ruhestand kompliziert. Gründungszuschüsse und andere Fördermittel von der Bundesagentur für Arbeit gibt es nicht mehr, da keine Zuständigkeit für Rentner besteht oder für Darlehen meist eine Altersgrenze von Anfang 60 existiert. Banken geben wenn überhaupt nur einen Kredit mit sehr kurzen Laufzeiten. Eine Option können sogenannte Mikrodarlehen oder das „StartGeld“ der staatlichen KfW-Bank sein.

An die Rente denken

Vor dem 65. Geburtstag darf ein zusätzliches regelmäßiges Einkommen von 400 Euro monatlich ohne Abzüge eingenommen werden. Wenn das monatliche Einkommen regelmäßig den zulässigen Hinzuverdienst überschreitet, wird die Rente um mindestens 1/3 gekürzt und als sogenannte Teilrente ausgezahlt. Wer also nur geringfügig mehr als 400 Euro verdient, kann unter dem Strich sogar weniger netto bekommen. Je höher der Hinzuverdienst, umso niedriger die Teilrente.

Über-65-Jährige dürften dagegen so viel verdienen, wie sie möchten. Wer sicher ist, von seiner Selbstständigkeit bald leben zu können, kann auch erst mal auf die Rente verzichten. Pro Monat, den man verzichtet, bekommt man ein halbes Prozent mehr Rente. Missglückt der Versuch der Selbstständigkeit jedoch und es türmen sich Schulden, kann ein Teil der Rente gepfändet werden. Nur ein Betrag von knapp 990 Euro für einen Alleinstehenden ist geschützt.

Wer sich im Alter noch einmal selbständig machen möchte sollte also das Für und Wider genau abwägen.

Migranten als Unternehmensnachfolger

Bei Unternehmensnachfolgen im deutschen Mittelstand kommt es häufig zu Schwierigkeiten. Laut einer Studie diverser Berliner Hochschulen und der Erfahrungen der Ecovis Steuerberatungsgesellschaft, bieten hochqualifizierte Migranten eine oft unterschätzte Lösung auf das Problem der fehlenden Firmennachfolger.

Sushi vom Japaner, Asiapfanne vom Chinesen und Döner vom Türken – Bestandteile des ganz normalen Speisealltags in Deutschland. Wir vertrauen unseren ausländischen Mitbürgern völlig bei der Zubereitung unserer Nahrung, jedoch bei einem wichtigen Aspekt der deutschen Wirtschaft beachten wir unsere Migranten zu wenig und verschenken somit wertvolles Potential: die Unternehmensnachfolge von mittelständischen Familienunternehmen.

Einen potenziellen Ausweg zeigt die Studie „MiNa – Potenzialanalyse von Migranten zur Lösung der Unternehmensnachfolgen im deutschen Mittelstand“ auf. Diese Studie ist vom Institut für Entrepreneurship, Mittelstand und Familienunternehmen der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) initiiert worden. Partner für das erste Forschungsprojekt dieser Art waren die Alice-Salomon Hochschule Berlin (AHS) und der Rechtsanwalt Dr. Rolf Rahm von Ecovis in Berlin.

Unternehmer mit Migrationshintergrund wählen lieber den Weg der Neugründung statt des Firmenkaufs, da Mittelstandsunternehmen auf sie häufig nur schwer zugänglich erscheinen. Laut Studie wählen lediglich vier Prozent der Migranten, die sich selbstständig machen, den Weg der Unternehmensnachfolge. Oft entstehen auf beiden Seiten Vorbehalte durch mangelndes Wissen über die Voraussetzung einer Übernahme und die Abläufe der Verhandlung sowie fehlendes Vertrauen. Die Bindung an die jeweilige nationale Vertrauenskultur ist verständlicherweise sehr groß. Um eine Tradition des Vertrauens nationsübergreifen entstehen zu lassen, ist viel Bedarf an Informationen und individueller Beratung von Nöten.

Die Potenzialanalyse MiNa kommt hier für zu drei Empfehlungen: Die Prozesse der Nachfolge müssen optimiert, das Wissen über Möglichkeiten und Bedingungen der Unternehmensnachfolge verbessert und die Interkulturalität als Ressource gezielt genutzt werden.

Ob dies früh genug geschieht und die bis 2014 schätzungsweise anstehenden 110.000 Übergaben bei mittleren Unternehmen verstärkt durch Migranten erfolgen, bleibt abzuwarten. Fakt ist Unternehmensinhaber sollten den Kreis der potentiellen Nachfolger nicht zu früh einschränken. Ihr perfekter Nachfolger ist möglicherweise weiblich und spricht neben fließend deutsch eine andere Muttersprache.

 

Firmenkäufer schauen genauer hin

Die M&A Aktivitäten deutscher Unternehmen sind seit Jahresbeginn gestiegen, so das Ergebnis des aktuellen M&A Panels von CMS/FINANCE. Unternehmen im deutschsprachigen Raum sind verstärkt auf der Suche nach Wachstumschancen und sehen bereits einen schärferen Wettbewerb um interessante Übernahmeziele. Häufiger noch als im Februar allerdings scheiterten Übernahmeaktivitäten daran, dass die für die Akquisition avisierten Unternehmen sich bei näherer Analyse als nicht attraktiv genug herausstellten. Substanz zählt letztlich immer noch am meisten.

 

Indien auf dem Vormarsch

Indische Unternehmen gehen auf Einkaufstour – die am zweitstärksten wachsende Volkswirtschaft der Welt strotzt nur so vor Kraft. Das grenzüberschreitende  Transaktionsvolumen hat sich 2010 im Gegensatz zum Vorjahr verfünffacht. Nach Angaben der Financial Times wurden in den ersten elf Monaten 2010 über 45 Milliarden US-$ eingesetzt, wobei indische Käufe ausländischer Unternehmen deutlich überwogen. Neben vielen eher unauffälligen Deals unterhalb der 100-Millionen-Grenze erregte der Kauf des Grosvenor House Hotels in London für über 470 Millionen Britische Pfund Aufsehen. Nicht mehr reiner Wissenstransfer nach Asien steht im Vordergrund, sondern der direkte Zugang zu europäischen Konsumenten und harter Währung. Neben Afrika, anderen asiatischen Ländern und Großbritannien wird auch Deutschland immer interessanter für Firmenlenker vom Subkontinent. So soll das traditionsreiche Bankhaus Merck nach Angaben der Wirtschaftswoche (Ausgabe 50, 2010, S. 70) auf der Einkaufsliste der indischen Hinduja Group stehen.