Plötzlich Nachfolger

Ungeplante Unternehmensnachfolgen passieren häufiger als man denkt – durch Krankheit oder Tod des Seniorunternehmers. Plötzlich steht man als Tochter oder Sohn vor einer enormen Herausforderung und muss eine schnelle Entscheidung treffen. Viele Juniorunternehmer trifft ein solches Schicksal dann, wenn sie sich noch gar nicht bereit fühlen oder entschieden haben, ob sie überhaupt ins elterliche Unternehmen einsteigen möchten.

Plötzlich Ausfall des Chefs (Bild: Menschenleere Bank mit wertvoller Uhr)

Wenn die Chefbank unerwartet leer wird, rennt die Zeit. Ist keine klare Nachfolgeregelung getroffen, sollte die Familie nicht zögern, Beratung und möglicherweise einen Interimsgeschäftsführer zu suchen.

Die Nachfolgeregelung wird in vielen Familienunternehmen komplett vernachlässigt oder unzureichend geklärt. So kommen viele Jungunternehmer zu ihrem Chefposten, ohne dass dies geplant oder gewollt war. Das kann gut gehen – birgt aber ein enormes Risiko für das Unternehmen und die ganze Familie. Plötzlich Unternehmer zu sein – ohne ausreichende Einarbeitung und eine strukturierte Übergabe – kann einen Nachfolger derart überfordern, dass die Zukunft des Unternehmens auf dem Spiel steht.

Im Todesfall des bisherigen Chefs kommt außerdem Trauer im Familienkreis hinzu – ein Umstand, der das schnelle, klare und betriebsorientierte Handeln und Entscheiden ebenfalls erschwert oder gar unmöglich macht. Nicht selten kommen Streitigkeiten unter den Erben hinzu, wenn das Vorgehen im Falle des Falles nicht klar geregelt und im Testament festgehalten ist. Wer soll das Unternehmen leiten? Wie werden die anderen Erben eingebunden oder ausgezahlt? All diese Fragen sollten im Testament geklärt sein. Und dieses sollte in regelmäßigen Abständen, etwa alle drei Jahre, auch auf seine Richtigkeit geprüft werden. Denn über die Jahre kann sich viel ändern und eine Lösung die heute richtig scheint, kann einige Jahre später nicht mehr angemessen sein.

Was also tun im Ernstfall? Das Unternehmen braucht einen Chef, und zwar schnell. Vor allem in kleineren Unternehmen, in denen der Inhaber vieles selbst gemacht hat, kann es sonst zu schwerwiegenden Problemen kommen. Im schlimmsten Fall muss das Unternehmen schließen, die Mitarbeiter stehen auf der Straße und das Lebenswerk des Unternehmers ist unnötigerweise zerstört.

Im besten Fall wurde vorgesorgt, ein sogenannter Notfallkoffer zusammengestellt und ein Nachfolger bestimmt, der bereits in den Managementprozess eingebunden ist. Wurde das versäumt, weil noch niemand mit einem solchen Fall gerechnet hat, sollten schnell kompetente Berater hinzugezogen werden. Auch ein Coach oder Mediator, der die Lösungsfindung in der Familie begleitet ist denkbar, um Verzögerungen aufgrund von Uneinigkeiten zu vermeiden. In den meisten Fällen findet sich eine familieninterne Lösung für die Leitung des Betriebes und entweder Ehepartner oder Kinder treten die Nachfolge an. Auch wenn noch keine klare Regelung getroffen wurde, sind diese im Normalfall am besten mit den Unternehmensstrukturen vertraut.

Ist nicht eines der Familienmitglieder sowieso schon in der Geschäftsleitung mit tätig, ist es eine durchaus ratsame Überlegung, einen Interims-Chef einzusetzen. Solche Manager auf Zeit kennen sich mit genau solchen Fällen aus und sind darin geübt, sich blitzschnell in ein neues Unternehmen einzuarbeiten und die wichtigsten Prozesse am Laufen zu halten. Der neue Juniorchef hat so genug Zeit, Entscheidungen zu treffen, sich mit der neuen Situation vertraut zu machen oder eine andere Nachfolgelösung zu finden.

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