Erbschaftssteuer für Unternehmen soll angehoben werden

Im Herbst wird das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes erwartet, welches über die Steuervergünstigungen beim Vererben von Unternehmen entscheiden soll. Bisher können Unternehmenserben steuerlich günstig wegkommen, wenn sie einige Auflagen erfüllen. Nun wird umfassend geprüft, inwiefern diese Vorteile für Unternehmenserben mit dem Grundgesetz vereinbar sind.

Wird die Steuer für Firmenerben angehoben, werden viele Betriebe genau rechnen müssen, ob eine Weiterführung möglich ist.Verkäufe an Beteiligungsgesellschaften werden steigen.

Wird die Steuer für Firmenerben angehoben, werden viele Betriebe genau rechnen müssen, ob eine Weiterführung möglich ist. Verkäufe an Beteiligungsgesellschaften werden steigen.

Der Mittelstand – also vorrangig inhabergeführte Unternehmen und Familienbetriebe – sind der Motor und die Sicherheit der deutschen Wirtschaft. Soweit sind sich die meisten einig. Definitionsgemäß gehören Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis 50 Millionen Euro und mit maximal 500 Mitarbeiten zum Mittelstand. Dazu zählen mehr als 99 Prozent aller Firmen in Deutschland, die zusammen 60 Prozent aller Arbeitsplätze stellen. In den kommenden vier Jahren suchen etwa 135.000 dieser Betriebe einen Nachfolger, da der Seniorunternehmer den Betrieb aus Altersgründen nicht mehr fortführen kann. Mit diesen Übergaben sind etwa 2 Millionen Arbeitsplätze verbunden, die auf dem Spiel stehen, sollte sich kein Nachfolger finden.

Da es sich häufig um Familienbetriebe handelt, kommen auch die Nachfolger meist aus dem Kreis der Verwandten – vorrangig die eigenen Kinder. Aktuell können Firmenbesitzer ihren Kindern oder Ehepartner den Betrieb ohne großes Liquiditätsrisiko vererben oder schenken, da für Betriebsvermögen Sonderregelungen gelten, was die Erbschaftssteuer betrifft. Unter bestimmten Voraussetzungen funktionierte das bisher sogar völlig steuerfrei. Die Bedingungen für die Steuervergünstigung bzw. Befreiung: die Erben müssen die Firma fünf bzw. sieben Jahre weiterführen bei gleichbleibender Lohnsumme aller Mitarbeiter.

Nur Steuerstreckung über mehrere Jahre kann Verkauf von Familienbetrieben verhindern

Wird am Bundesverfassungsgericht in Kassel nun beschlossen, dass diese Vorteile für Firmenerben nicht rechtens sind, könnte es passieren, dass sich manche Nachfolger die Steuerlast nicht leisten können. Vor allem für Firmen,

deren Kapital in teuren Maschinen gebunden ist, kann das bevorstehende Urteil zum Problem werden. Hierfür müssen Lösungen gefunden werden, von denen noch nicht klar ist, wie sie aussehen werden. Klar erscheint jedoch, dass, wenn nicht eine Steuererleichterung, jedenfalls eine zinsfreie Steuerstreckung über mehrere Jahre vonnöten sein wird, um Firmenerben nicht regelmäßig zum Verkauf anstelle einer Fortführung zu zwingen.

Die Erbschaftssteuer bzw. deren Verschärfung könnte Beteiligungsgesellschaften einen Vorteil verschaffen. Für diese wäre ein hohe Erbschaftssteuer auf Betriebe ein gefundenes Fressen, sagt der Schweizer Unternehmer Michael Pieper. Schon jetzt klopfen die Beteiligungsgesellschaften an die Tür von Familienunternehmen und bieten an, diese teilweise oder vollständig zu kaufen, wenn sich die Erben die Steuerlast nicht leisten können. Die Schweiz steht kurz vor einem Volksentscheid zur Erbschaftsteuer, die auf pauschal 20 Prozent festgesetzt werden soll.

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