Übergabe als Chance zur Neustrukturierung

Wer sein Leben lang im eigenen Unternehmen hart gearbeitet und dieses womöglich selbst aufgebaut hat, wird irgendwann zwangsläufig ein wenig betriebsblind. Das Unternehmen läuft und man macht sich immer weniger Gedanken um die Zukunft, neue Märkte und Innovationen. Dabei könnten die Geschäfte noch besser laufen, wenn weiterhin Ideen entwickelt werden und vor allem globale Entwicklungen und Trends im Auge behalten werden.

Eine Unternehmensnachfolge kann der ideale Zeitpunkt sein, um mal richtig aufzuräumen oder eine Restrukturierung vorzunehmen.

Eine Unternehmensnachfolge kann der ideale Zeitpunkt sein, um mal richtig aufzuräumen oder eine Restrukturierung vorzunehmen. (Bild: flickr/ Joseph Ma. Rosell)

Wenn Betriebsblindheit und Innovationsträgheit einsetzt, ist womöglich der Zeitpunkt für einen Generationswechsel gekommen. Denn die Nachfolgegeneration steht dem Erfolgskonzept der Firma oftmals viel kritischer gegenüber und überlegt sich gut, ob der Betrieb noch marktfähig ist, bevor sie Zeit und Geld investiert. Für den Seniorunternehmer bedeutet das im Umkehrschluss: ist mein Unternehmen übergabefähig?

Eine Betriebsübergabe ist also der ideale Zeitpunkt, um aufzuräumen. Da stellt sich als erstes die Frage nach der Rechtsform. Passt diese noch zum Unternehmen und zu dessen Risiko? Weil die Seniorgeneration als Personengesellschaft gut durchs Leben gekommen ist, heißt das noch lange nicht, dass dies die beste Rechtsform für das Unternehmen ist. Möglicherweise ist die Umwandlung in eine GmbH und damit die Trennung von Firmen- und Privatbesitz die bessere Alternative, um das Haftungsrisiko einzuschränken und damit die Geschäfte langfristig und sicher weiterzuführen. Solch eine Umgründung sollte idealerweise vor einer Übergabe geregelt werden, damit der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Anfang an in sicheren Strukturen arbeiten kann. Denn der Alltag als neuer Firmenchef schlägt schnell zu und der Juniorunternehmer findet möglicherweise keine Zeit mehr – wie auch die vorhergehende Generation bereits – „den Laden fit zu machen“.

Die zweite wichtige Frage ist die nach der Zukunftsfähigkeit der Firma. Selbst Umsatzrückgänge lassen viele Unternehmer nicht aufhorchen – sie schieben es auf schlechte Zeiten oder andere ungünstige Randbedingungen. Auch hier kann die Nachfolgegeneration helfen. Sie sehen schneller, dass Produkt oder Dienstleistung, Preis oder Kundenstruktur nicht mehr zeitgemäß sind und können einlenken. Denn sie haben einerseits – noch – den Blick von außen, andererseits haben sie meist mehr Gespür für den „Zeitgeist“.

Das Unternehmen übergabefähig machen heißt also in manchen Fällen auch, es vor dem Ruin retten.

 

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