Gründerkinder stehen der Nachfolge skeptisch gegenüber

Sie haben ein Leben lang hart dafür gearbeitet, ihr Unternehmen aufzubauen und zum Erfolg zu führen – und nun steht die Nachfolge an. Aber wie? Anders als Familienunternehmen, die bereits eine oder mehrere Nachfolgen hinter sich haben, besitzen Existenzgründer keine Erfahrungen in puncto Unternehmensübergabe und tun sich daher meist schwerer.

Und wenn die Elterngeneration keinen Plan hat, wie eine mögliche Betriebsübergabe aussehen könnte, überträgt sich diese Unsicherheit auf die Töchter und Söhne. Die Folge ist eine starke Skepsis gegenüber dem elterlichen Betrieb und dessen Übernahme. So gaben in der neuesten Studie der Wirtschaftsberatung PwC zum Thema Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen 20 Prozent der Gründerkinder an, sich nicht auf die Aufgabe als neue Firmenchefin oder neuer Firmenchef zu freuen. Bei Unternehmerkindern von Betrieben, die schon einen oder mehrere Wechsel miterlebt haben waren es nur 8 Prozent, die einer Nachfolge so kritisch gegenüberstehen.

Unternehmen die schon eine erfolgreiche Nachfolge hinter sich haben, kennen die Probleme und regeln diese oft klarer und besser. Das war bereits eines der Ergebnisse der PwC-Familienunternehmen-Umfrage im Jahr 2012. Ein Grund mehr für die Gründergeneration, sich professionelle Beratung für die Nachfolgeplanung hinzuzuziehen. Möglicherweise würden es dann langfristig mehr als 12 Prozent der Familienunternehmen bis in die dritte Generation schaffen.

Fehlendes Vertrauen in die Kinder erschwert Übergabe

Dass ein so großer Teil des Unternehmernachwuchses keine Vorfreude auf die bevorstehenden Herausforderungen verspürt, hat natürlich noch andere Gründe als die Unwissenheit des Seniors in Bezug auf eine Übergabe. Vielen Unternehmern fehlt auch einfach das Vertrauen, dass der Nachwuchs überhaupt in der Lage ist, das Unternehmen zu führen. Sie überschätzen ihre eigene Leistung und unterschätzen die Fähigkeiten ihrer Kinder. Außerdem gaben 88 Prozent der Befragten an, härter arbeiten zu müssen, um sich Respekt bei Kunden und Mitarbeitern zu verschaffen – das Image, nur Sohn oder Tochter zu sein wird man offensichtlich nicht so leicht los.

Als Faustregel gilt: Eine interne Übergabe an ein Familienmitglied sollte mindestens genau so lange vorbereitet werden, wie eine externe Nachfolgelösung, also im Idealfall bis zu fünf Jahre vor dem Tag X. Auch wenn die Ausgestaltung des Übernahmefahrplans bei einer familieninternen Lösung anders aussieht, als bei einem Unternehmensverkauf: Diese wichtigste (weil existenzielle) strategische Frage eines Betriebes muss für jeden Unternehmer weit oben auf der Prioritätenliste stehen. Sonst riskiert er sein Lebenswerk.

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