Im internationalen M&A-Business hat Deutschland nur eine Statistenrolle

Wenn es um innovative hochwertige Produkte geht, ist Deutschland ganz vorn mit dabei. Nahezu jeder Krise zum Trotz exportieren deutsche Unternehmen ihre Qualitätsprodukte rund um den Globus. Wenn es um die Fusionen mit oder die Übernahme von Unternehmen auf dem internationalen Markt geht, sind die Exportchampions aber eher zurückhaltend. Das kostet Einflussmöglichkeiten im weltweiten Wirtschaftsgeschehen und kann auf lange Sicht schaden.

Deutsche Produkte sind überall auf der Welt gern gesehen, was Deutschland aktuell zu einem rekordverdächtigen Exportüberschuss verhilft – während die Wirtschaft in anderen Teilen Europas noch immer lahmt. Die Exportstärke Deutschlands stößt daher zunehmend auf internationale Kritik. Diese Überschüsse durch planwirtschaftliches Eingreifen abzubauen ist laut dem deutschen Wirtschaftsministerium nicht im Sinne der Bundesrepublik und würde auch die Stabilität der gesamten Eurozone betreffen.

Diesem Trend entgegen, spielt Deutschland im internationalen M&A-Geschehen eine vergleichbar kleine Rolle. Dabei ist die Beteiligung an ausländischen Unternehmen eine gute Möglichkeit, Einfluss auf das internationale Wirtschaftsgeschehen zu nehmen. Weiterhin ist damit auch ein Benefit für die inländische Wirtschaft verbunden, da der Know-How- und Technologietransfer die Effizienz und Produktivität steigern kann und somit einen positiven Einfluss auf den Lebensstandard hat. Die Investitionen, die deutsche Unternehmen für sogenannte Cross-Border Acquisitions kumuliert von 2008 bis 2012 aufgebracht haben, belaufen sich auf rund 110 Milliarden US-Dollar, insgesamt wurden 1.710 Deals abgeschlossen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Consultingfirma Accenture. Zum Vergleich: der Cross-Border M&A-Vorreiter USA hat in derselben Zeit 620 Milliarden US Dollar in internationale Übernahmen investiert. Allerdings wurden dort auch Unternehmensanteile in Höhe von 733 Milliarden US-Dollar ausgelagert. Unterm Strich sind die USA damit einer der großen Verlierer.

Der relativ geringen Beteiligung Deutschlands an internationalen Firmen steht auch ein verhältnismäßig kleines Investitionsvolumen ausländischer Firmen in Deutschland gegenüber. Insgesamt wurden seitens deutscher Firmen nur Beteiligungen an in Höhe von gut 93 Milliarden US-Dollar „aus der Hand gegeben“. Der Grund dafür ist das gesteigerte Interesse ausländischer Investoren an deutschen Mittelständlern, während sich deutsche Unternehmen im Ausland eher an Mega-Deals beteiligen. Die Bilanz fällt also positiv aus: Deutschland hat sich mehr Einfluss eingekauft als verkauft. Dennoch: Andere Länder sind auf diesem Gebiet sehr viel erfolgreicher. Ihren Einfluss auf dem internationalen Markt seit 2008 erheblich verbessern konnten Japan, China, Frankreich, Indien und die Schweiz. Was den Netto-Zuwachs an corporate control bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt betrifft, ist die Schweiz der Spitzenreiter. Deutschland befindet sich laut der Studie nur auf Platz 11. Um auch langfristig wirtschaftlich in der ersten Liga mitzuspielen, sollten deutsche Unternehmer ihr Augenmerk künftig stärker auf Cross Border M&A legen.

Mehr zum Thema Cross Border M&A zwischen China und Deutschland.

Comments are closed.