Der Notfallkoffer muss parat stehen

Bis zum Ruhestand ist es noch lang hin. Ich bin fit und gesund. Über die Nachfolge für mein Unternehmen kann ich mir später Gedanken machen. So oder ähnlich lauten wahrscheinlich die Gedanken vieler Firmeninhaber. Aber im Laufe eines Unternehmerlebens kann viel passieren. Unfall, Krankheit oder gar Tod des Geschäftsführers bringen das Unternehmen in große Schwierigkeiten, wenn nicht genau geklärt ist, was in diesem Fall zu tun ist. Familie und Angestellte sind oftmals überrascht von solchen Ereignissen und logischerweise überfordert, was die laufenden Geschäfte angeht.

Und trotzdem: viele Chefs haben keinen Notfallkoffer gepackt. Von etwa 75 Prozent aller Betriebe spricht Dr. Dirk Haid von der Handwerkskammer für Oberfranken. Einer der wichtigsten Gründe für das Fehlen eines solchen Notfallplans: der Inhaber weiß nicht, wo er anfangen soll. Wer muss einbezogen werden? Wer springt ein, wenn es nötig wird? Möglicherweise sehen viele auch die schwerwiegenden Folgen nicht, die es haben kann, wenn eine Schlüsselperson im Betrieb unerwartet wegbricht, und sei es auch nur für wenige Wochen. Eine Generalvollmacht für Eheleute gibt es nicht. Im Ernstfall darf also die Ehefrau oder der Ehemann nicht für die Rechtsgeschäfte einspringen und so können dann schlimmstenfalls weder Löhne noch wichtige Rechnungen bezahlt werden.

Dass das Unternehmen aus diesem Grund zum Scheitern verurteilt ist, muss nicht sein. Man muss mit seinen Überlegungen nicht von vorn anfangen, sondern kann auf die vielfältigen „Fahrpläne“ zurückgreifen, die bereits entwickelt wurden. Alle IHKs stellen hierfür die wichtigsten Informationen bereit. Auch auf den Seiten der Fredelia AG ist das wichtige Wissen zum Thema Notfallkoffer zusammengestellt.

Und auch wenn der Ernstfall hoffentlich nicht eintritt, ist das Erstellen eines Notfallplans eine gute Gelegenheit, sich einmal intensiv mit dem eigenen Betrieb auseinanderzusetzen. Ist alles auf dem neuesten Stand? Sind die administrativen Prozesse für jemand anderen durchschaubar? Oder können sie vielleicht vereinfacht werden? Auch um sich eventuell über eine Nachfolgelösung Gedanken zu machen, ist dies eine gute  Gelegenheit. Denn die Überlegung, wer den Chef vertreten könnte, führt möglicherweise auch zu einem geeigneten Nachfolger. Zu guter Letzt kann das Vorlegen eines solchen Plans bei der Hausbank zur Verbesserung der Bonität führen. Es gibt also ausreichend Gründe, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Diese Aufgabe auf die lange Bank zu schieben, kann fatale Folgen haben.

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