Nachfolge ist weiblich

Jedes Jahr suchen rund 22.000 Unternehmen in Deutschland eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. Eine gescheiterte Übernahme bringt viele Nachteile mit sich. Dennoch wird nur jedes zehnte Familienunternehmen an eine Tochter übergeben.

Genau wie Frauen als Angestellte in Führungspositionen noch selten zu finden sind, stellen sie auch bei Nachfolgelösungen von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) die Minderheit dar. Aber man kann sich über einen Aufwärtstrend freuen. Von einem Anstieg auf über 20 Prozent berichtet die bundesweite gründerinnenagentur (bga)*. Es gibt aber noch sehr viel mehr Unternehmen, die eine neue Chefin brauchen, denn viele erfolgreiche Familienunternehmen müssen schließen, weil sie keinen geeigneten Nachfolger bzw. keine geeignete Nachfolgerin finden. Und das wirkt sich nachteilig auf die gesamte wirtschaftliche Situation aus, da 93 Prozent der deutschen Unternehmen Familienunternehmen sind, die insgesamt 60 Prozent aller Arbeitsplätze bereithalten. Viel wichtiger für den (nicht) abgebenden Unternehmer dürfte aber sein, dass sein Lebenswerk ohne Nachfolger nicht weiter geführt wird, dass die langjährigen Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren, dass am Ende eines erfolgreichen Unternehmerlebens dennoch das Aus des Betriebs steht.

Da gerade für Unternehmerinnen der Erhalt von Arbeitsplätzen eine wichtige Rolle spielt, ist es auch im Interesse der Politik, für noch mehr Aufschwung bei der weiblichen Nachfolgelösung zu sorgen. Am 13. Juni 2013 findet daher der fünfte Nationale Aktionstag „Unternehmensnachfolge durch Frauen“ statt. Bundesweit laufen an diesem Tag verschieden Veranstaltungen, die zum Thema beraten oder diskutieren. Ganztägig wird es ein Expertentelefon mit 30 Beraterinnen und Beratern geben. Ziel ist es, deutschlandweit auf die Chancen und Möglichkeiten einer Unternehmensnachfolge durch Frauen aufmerksam zu machen.

Gerade für erfahrene Managerinnen ist die Unternehmensübernahme eine große Chance, da es aufgrund der so genannten Gläsernen Decke im Angestelltenverhältnis oft nicht weiter geht. „Die Übernahme eines Unternehmens erlaubt es Frauen, ihre unternehmerische Qualifikation auf höchstem Niveau einzubringen, da am Markt bereits etablierte Firmen im Gegensatz zu Neugründungen nicht eines Aufbaus von Null an bedürfen“, sagt Iris Kronenbitter, Leiterin der bga. Auch der volkswirtschaftliche Nutzen ist durch eine solche Übernahme meist höher, da Neugründungen oft ohne oder mit nur wenigen Angestellten starten.

Ein weiteres Projekt, um Frauen für die Selbständigkeit und Unternehmensübernahme zu sensibilisieren und zu begeistern, ist SHE! (Selbstständig – Handeln – Existenzgründung) in Rheinland-Pfalz. In diesem Netzwerk lernen Frauen Vorbilder kennen, die den Sprung in die Selbständigkeit bereits erfolgreich geschafft haben. „Mit unseren Aktivitäten möchten wir Frauen ermutigen, Karrierechancen zu ergreifen und als eigene Chefin Verantwortung zu übernehmen, sei es im elterlichen Betrieb oder in einem anderen Unternehmen“, sagt Wirtschaftsministerin Eveline Lemke.

*Der Link zum Dokument ist inzwischen leider nicht mehr verfügbar.

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