Kommt Selbständigkeit aus der Mode?

Im vergangenen Jahr ist die Anzahl an Existenzgründungen in Deutschland weiter rückläufig gewesen. Nur 775.000 Unternehmen wurden neu angemeldet, davon 315.000 Vollerwerbsgründer. Laut dem Gründungsmonitor 2013 der KfW Bankengruppe ist das die niedrigste Zahl seit dem Jahr 2000. Diese Entwicklung ist besorgniserregend, da ein reges Gründungsgeschehen aus volkswirtschaftlicher Sicht wichtig ist, um die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu unterstützen. Auch der direkte Bruttobeschäftigungseffekt – so wird die Gesamtzahl der Arbeitsplätze bezeichnet, die durch Neugründungen für den Gründer selbst und seine Angestellten entstehen – sinkt mit dem Rückgang von Unternehmensgründungen, was sich negativ auf den Arbeitsmarkt auswirkt.

Die Deutschen möchten lieber in einem Angestelltenverhältnis arbeiten, kann man die Ergebnisse der Studie zusammenfassen. Als einer der Hauptgründe gegen die Selbständigkeit wird die Bürokratiehürde genannt. Trotz Fortschritt im Bürokratieabbau werden die damit verbundenen Probleme, Kosten und Verzögerungen intensiver und kritischer wahrgenommen. Finanzielle und zeitliche Belastung der Familie werden ebenfalls stark mit einem eigenen Unternehmen verbunden. Als Angestellter Karriere zu machen bedeutet für die meisten mehr Sicherheit für weniger Arbeit und damit eine bessere Work-Life-Balance. Denn dass man als Unternehmer gute Chancen auf ein höheres Einkommen hat, wissen die meisten. Aber gemessen an der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit steht man, gerade als Existenzgründer, oft schlechter da. In den letzten Jahren gab es häufiger Befragungen von Studierenden zum Thema Selbständigkeit. Egal ob es um eine eigene Gründung geht oder die Übernahme des Familienbetriebes, es zeigt sich unter den zukünftigen Akademikern genau derselbe Trend: Unternehmer sein hat für die meisten keinen Reiz mehr.

Wenn gegründet wird, dann allerdings schnell: sieben Monate braucht ein Gründer im Durchschnitt von der Produktidee bis zur Umsetzung. Vollerwerbsgründer brauchen in der Regel länger, da sie den Schritt logischerweise intensiver planen. Auch zwischen Männern und Frauen gibt es hier einen großen Unterschied. Weibliche Gründer bereiten ihren neuen Job als Unternehmer sorgfältiger und entsprechend länger vor als ihre männlichen Mitstreiter, da sie risikobewusster vorgehen.

Die Mühe zahlt sich zum Glück in den meisten Fällen aus: mehr als 40 Prozent der Gründer können ihr Nettohaushaltseinkommen verbessern, nur wenige stehen danach schlechter da. Man kann also hoffen, dass das Unternehmertum wieder einen Aufschwung erfährt. Die KfW Bankengruppe sieht für das Jahr 2013 allerdings keine Chancen. Ein guter Anlass, um auch bei der Planung einer Unternehmensnachfolge möglichst frühzeitig mit der Suche nach dem geeigneten Kandidaten zu beginnen.

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