Gründerinnen wollen am liebsten Töchter als Nachfolgerinnen haben

Familieninterne Nachfolge wird auch von Frauen am liebsten angestrebt, jedoch bevor der Betrieb eingeht, können sie sich besser als Männer für einen externen Kandidaten entscheiden.

Der Frauenanteil bei Unternehmensnachfolgen ist mit 13 bis 23 Prozent immer noch verschwindend gering. Das heißt die Chancen, die durch eine Unternehmensnachfolge entstehen, werden von der Damenwelt noch landläufig übersehen. Falls es doch mal zu einem Generationswechsel, mit dem Ergebnis nun eine Inhaberin an der Spitze zu wissen, kommt, ist dies meist nicht geplant gewesen, sondern durch glückliche bzw. unglückliche Fügung entstanden. Daher denken diese Frauen zumeist auch schon früh über ihre eigene Nachfolge nach, damit sich die negative Geschichte nicht wiederholen muss. Um genaue Erkenntnisse über das Vorgehen von Unternehmerinnen zu erfahren, analysierte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) dazu die Meinungen von 300 Geschäftsführerinnen und Inhaberinnen, die Mitglied im Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) sind. Darunter befinden sich auch Gründerinnen von Firmen, die ein Drittel der Gesamtquote in der Wirtschaft ausmachen.

Das Resultat war, dass der Prototyp einer Unternehmerin etwa 38 Jahre alt ist, wenn sie die Leitungsfunktion einer Firma übernimmt – ganz gleich, ob sie eine Firma erst gründet oder die Nachfolge antritt. Doch die Branchenwahl ist hierbei sehr verschieden. Frauen, die eine Firma übernehmen, führen eher produzierende Gewerbe, wohingegen Gründerinnen unternehmensnahen Dienstleistungen sowie das Finanz- und Versicherungsgewerbe präferieren.

Frauen lassen sich helfen

Im Alter von 62 Jahren denke die meisten Frauen im Gegensatz zu Männern verantwortungsbewusst ans Aufhören und organisieren die Nachfolge, welche nach einer vierjährigen Planungs- und Übergangsphase auch stattfindet. Dabei will der Großteil aller Befragten auch Hilfe von außen in Anspruch nehmen. 75 Prozent „würden aufgrund der Komplexität des Übergabeprozesses Hilfe durch einen Steuerberater in Anspruch nehmen, für die Hälfte käme ein Anwalt in Betracht. Für 40 Prozent wäre ein Unternehmensberater ein geeigneter Begleiter in der Übergabephase.“, heißt es in der Studie.

Bei der Wahl der potentiellen Nachfolger gehen die Geschmäcker dann aber doch weit auseinander. Initiatoren eines Unternehmens bevorzugen ihre Töchter oder eine externe Führungskraft als zukünftige/n Chef/in. Frauen, die eine Firma mehr oder weniger geplant in die Führungsrolle hinein wuchsen, wünschen sich lieber den Sohn an ihrer Stelle. An entfernte Verwandte denkt kaum eine bei der Nachfolgeregelung.

Kein falscher männlicher Stolz

Nach Hochrechnungen des Instituts für Mittelstandsforschungen müssen jährlich mindestens 70.000 Familienunternehmen übergeben werden. Jedoch nicht einmal bei der Hälfte aller Firmen findet sich der geeignete Nachfolger innerhalb der Familie. Es ist schwer den Kindern Vorwürfe zu machen, wenn sie ihren eigenen Weg gehen wollen und der nicht im Betrieb der Eltern oder Großeltern endet. Trotzdem ist es schade, dass nicht wenige Betriebe am Ende einer langen Suche nach einem passenden Kandidaten ausweglos schließen müssen. Die Unternehmerinnen wollen aber exakt diesen Ausgang vermeiden, da bei ihnen im Fokus der Übergabeplanung „die Verantwortung für Betrieb und Mitarbeiter“ steht. Aufschlussreiches Fazit der Analyse des IW Köln: „Den meisten Chefinnen ist der Erhalt von Arbeitsplätzen weit wichtiger als die wirtschaftliche Absicherung von Familienangehörigen oder die Fortführung der Firmentradition.“

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