Ein expemplarisches MBO in der Verlagsbranche

Kaufen statt Gründen: Der Umbruch in der Medienlandschaft eröffnet neue Karrierechancen für unternehmerische Führungskräfte.

Die aktuelle Lage der Zeitschriftenverlage sieht derzeit alles andere als rosig aus. Die Financial Times Deutschland, die Frankfurter Rundschau und das Unternehmermagazin Impulse sind leider schon im Aus oder standen kurz davor. Und das wäre nur eine Auswahl von Beispielen des Blättersterbens aus der letzten Zeit. Einige konnten niemals die Einnahmen erzielen, die zur Sicherung des Qualitätsniveaus nötig waren, andere konnten nicht Schritt mit der Wandel der Zeit halten.

Häufig ist es derart, dass größere Verlagskonzerne einfach nicht mehr in der Lage sind, Nischenpublikationen wirtschaftlich zu führen und müssen sie deswegen aufgeben. Obwohl unter anderen Voraussetzungen das Produkt durchaus überlebensfähig wäre. In diesen Fällen sollten Sie sich Fragen stellen, wenn Sie in der Verlagsbranche tätig sind: Glauben Sie an Ihre Arbeit? Glauben Sie an Ihr Magazin und wollen sie nicht, dass dieses auch ausstirbt? – Dann übernehmen Sie es doch einfach! Denn Unternehmensnachfolgen sind eine clevere Alternative zur klassischen Existenzgründung.

Insbesondere leitende Angestellte scheuen eine Existenzgründung aus dem Nichts heraus, da sie es gewohnt sind, strukturierte Positionen auszufüllen. Doch falls nicht ein philanthropischer Erbe aus Liebhaber-Gründen einspringt, werden weitere qualitativ hochwertige Zeitschriften ohne zwingende Notwendigkeit ihre Publikation einstellen müssen.

Notwendige Voraussetzungen

Wenn Sie also eine Führungskraft der Verlagsbranche sind und schon immer unternehmerisch denken sowie in der Lage sind harte Personalentscheidungen gesichtswahrend für alle Beteiligten zu treffen und ihre Familie zu hundert Prozent hinter ihren unternehmerischen Ambitionen steht, dann wägen Sie einmal genau Vor-und Nachteile ab und entscheiden Sie selbst, ob die Zukunft der Verlagsbranche nicht auch zum Teil in Ihren Händen liegen könnte.

Es bieten sich zahlreiche Vorteile, wenn Führungskräfte ihre Chance ergreifen und in Erwägung ziehen, ihr eigenes Magazin zu übernehmen.

  • Man fängt nicht bei null an, sondern bei der Firma handelt es sich schon um einen funktionierenden Organismus. Dazu gehören eingespielte Prozesse, Titelbekanntheit, etablierte Vertriebswege sowie erfahrene Mitarbeiter.
  • Man kennt seine Leser und seine Werbekunden.
  • Es bietet sich die Chance, neue Richtungen zu verwirklichen.
  • Veränderte Motivation: Für das eigene Unternehmen arbeitet es sich ganz anders.
  • Die Form der Unternehmensübernahme ist vermutlich die sicherste Form der Unternehmensnachfolge.

Aber auch die Risiken sollten keinesfalls unterschätzt werden.

  • Das Stichwort lautet doppelte Betriebsblindheit: Die Risiken werden unterschätzt, da eigene Projekte oft von der Außenperspektive abgekoppelt bewertet werden. Psychologisch eine ganz schwere Situation: Wer jahrelang für sein Magazin plant und kämpft, dessen Euphorie schlägt manches Mal den gesunden Zweifel. Aber auch Chancen werden übersehen, weil es in vielen Betrieben seit Jahren heißt: So etwas tun wir nicht, das passt nicht zu uns. Deswegen ist es wichtig sich die Objektivität bei einer potentiellen Übernahme von außen mit ins Boot zu holen.
  • Aufgrund des ehemaligen kollegialen Verhältnisses wird die Entwicklung zum Inhaber nicht bewältigt.
  • Unbequeme Entscheidungen können nicht mehr hoch delegiert werden.
  • Man kann nicht kündigen, wenn man mit der Firmensituation unzufrieden ist.
  • Falls man die Übernahme gemeinsam mit einem Kollegen angeht, muss man bedenken: Eine Ehe-Scheidung ist leichter umzusetzen, als eine Trennung von einem mitbeteiligten Partner.

Finanzierung

Die größte Frage, die sich potentielle Nachfolger stellen, kreist rund um das Thema Finanzierung und machen wir uns nichts vor: Es ist auch die größte Hürde. Aber es gibt mehr Lösungen, als man denkt. Ohne ein gewisses Maß an Eigenkapital geht es jedoch nicht. Dabei kann es sich um die halb abgezahlte Eigentumswohnung handeln oder auch um eine Bürgschaft der Eltern über das zukünftige Erbe. Ebenso funktioniert die Eigenkapitalbeschaffung zum Beispiel über ein Darlehen eines Onkels. Crowdfunding bietet sich sicherlich nur für kleinere Projekte und bei sehr enger Leserbindung an. Die taz hat dies schon getan, bevor es den Begriff überhaupt gab.

Falls diese Geldquellen nicht ausreichen sollte, kann auf einen professionellen Investor zurückgegriffen werden. Mit diesem gesammelten Eigenkapital erhält man dann Zugang zum zentralen Baustein bei Nachfolgeprojekten: zahlreiche, zinsgünstige Darlehen der öffentlichen Förderbanken (z.B. KfW, LBBW).

Eine Sondersituation bei Verlagskonzernen, die einzelne Titel abstoßen wollen, kann ebenfalls ausgenutzt werden: Hier ergibt sich die Möglichkeit einer sogenannten Verkäuferfinanzierung, bei dem der Konzern dem Nachfolger aus dem eigenen Hause einen Teilbetrag des Übernahmepreises stundet.

Vorbild „Impulse“

Erst Anfang 2013 gab es ein leuchtendes Beispiel eines sogenannten Management-Buy-Outs in der Verlagsbranche. Der Chefredakteur Nikolas Förster konnte das Unternehmermagazin „Impulse“ vor dem Sterben bewahren, in dem er mit der Finanzierunghilfe eines Privatinvestors den Titel von Gruner + Jahr am Leben erhielt und so vom Angestellten zum Unternehmer avancierte. 15 Redakteure konnten in das nun 30- köpfige Team übernommen werden. Damit ist es ihm gelungen, seine eigenen Ratschläge zu beherzigen: Unternehmerisches Denken konsequent in Handeln umzusetzen.

Es muss jedoch nicht bei der Übernahme eines zum Verkauf stehenden Titels bleiben. Darüber hinaus kann ein guter Manager auch einen Blick über den Verlagshorizont hinaus werfen, wenn ein kleinerer Betrieb ohne Nachfolger dasteht. Das unter Umständen fehlende spezifische Branchen-Know-How kann eine erfahrene Führungskraft durch eine länger andauernde Inhaber-begleitete Einführung erwerben.

Ergo: Wenn Sie ein Unternehmer-Gen verspüren, halten Sie die Augen auf und nutzen Sie Chancen. Denn in kaum einer anderen Branche bieten sich derzeit so viele Gelegenheiten.

Comments are closed.