Ein steiniger Weg – die familieninterne Übernahme

In den Betrieb von Familienangehörigen einzusteigen, ist keine einfache Sache. Denn die Schützlinge vom Chef haben es meist doppelt schwer, wenn es darum geht sich in den Augen der Mitarbeiter zu beweisen. Daher ist ein guter Rat, dass man als Nachfolger zuerst seine Karriere in einer anderen Firma aufbauen soll.

Es gibt zweierlei Typen von Eltern. Die einen nehmen einen besonders hart ran, wenn man die Ausbildung bei ihnen macht, die anderen hingegen loben einen gehäuft und lassen die Erziehung schleifen. Franz Eugen zählt zum Schlag der alten Schule und wollte, dass sein Sohn eines Tages seinen Sanitärbetrieb in Berlin erfolgreich übernimmt. Doch bis dahin war es kein lockerer Spaziergang, weiß der Sohn Holger. Die Übernahme der Firma gestaltete sich schwieriger als gedacht. Denn um die Akzeptanz der Kollegen, die ihn teilweise schon als Kind kannten, musste lange gekämpft werden. Der Junior weiß:„Es ist kompliziert gegen das Vorurteil in den Köpfen der Mitarbeiter, dass der Sohn des Chefs automatisch Unternehmensnachfolger wird, anzukommen.“ Holger Eugen begriff schnell, dass er im heimatlichen Betrieb nicht die notwendige Ausbildung erhält, um sich den Respekt des Vaters und seiner Angestellten zu erarbeiten. Daher zog es ihn nach dem Abbruch der Ausbildung beim Papa in die Ferne, wo er sich ohne die Bemerkungen der Familie beweisen konnte.

Woanders Fehler machen dürfen

Dieses Verhalten befürwortet auch der Betriebswirtschaftler Prof. Stefan Prigge, der in Hamburg an der School of Business Administration lehrt, denn „der Sohn oder die Tochter wird innerhalb des Unternehmens zumeist mit Argusaugen beobachtet“ und das kann keiner Entwicklung gut tun. Er rät auch vor dem Einstieg in den elterlichen Betrieb in diversen Unternehmen seine Fehler zu machen.

Wenn diese Hürde genommen ist, müssen jedoch noch andere Weichen gestellt sein, damit die Unternehmensnachfolge ohne Komplikationen von statten gehen kann. Zum Beispiel sollte der Senior schon an eine ausfüllende Beschäftigung nach der Rente denken und damit ist kein kurzweiliges Hobby gemeint. Denn sonst passiert es gerne, dass der Senior nun ständig alles kommentiert – er nicht loslässt. Franz Eugen war sehr misstrauisch, was die Ausbildung des Sprösslings in der Ferne anging. Als der Junior durch die Impulse, die er in seiner Karriere bekommen hatte, nach der Übernahme Änderungen im väterlichen Betrieb vornahm, gab es Familienkrach. Auch die Mitarbeiter waren sich uneins, zu welchen ihrer Chefs sie nun halten sollen.

Zu tief drin

Um so ein Szenario zu vermeiden, empfehlen Experten die schrittweise Übergabe des Unternehmens. Das heißt der Junior sollte für einen gewissen Zeitraum schon vorher seinen eigenen Bereich zur Leitung bekommen. Dabei erstarkt das Selbstbewusstsein des Neulings und das Vertrauen der Eltern in das Kind kann langsam wachsen. Manchmal hilft aber auch die Betreuung von Außen durch einen Berater oder Anwalt, der auch die testamentarischen Dinge klären kann.

Bei den Eugens war es Mutter Barbara, die den Streit beilegte. Sie packte ihren Mann ein und unternahm eine drei monatige Weltreise. Als die beiden wieder zurückkehrten, sah der Vater, dass das Unternehmen immer noch lief und hatte erfahren, was man mit seiner Zeit außerhalb des Betriebes anfangen könnte.

One comment

  1. wjf sagt:

    Bei Fragen rund um die Themen Unternehmensnachfolge, M&A oder Firmenkauf wenden Sie sich bitte direkt an die Fredelia AG – Nachfolgebörse, wir stehen mit Rat und Tat sowohl dem Unternehmensnachfolger, als auch dem Unternehmensverkäufer zur Seite.