Die Gründung – aber der Gründer

Von 12. bis zum 18. November tagt in Deutschland zum fünften Mal die Gründermesse. Eine Vielzahl von Workshops und Wettbewerben sollen Anreize für noch Unentschlossene bieten und die Gründungskultur weiter anregen. Wie sehr die Ermutigung vor allem noch bei Frauen benötigt wird, zeigen zwei Daten-Auswertungen ganz unterschiedlich.

Männer gründen, Frauen unterstützen bestenfalls dabei – so lautet schon lange nicht mehr die gängige Philosophie in ganz Deutschland. Im Großen und Ganzen scheint es jedoch immer noch nicht üblich, dass Frauen genauso oft wie Männer gründen. Der häufigste Grund: Sie sind oft zu selbstkritisch mit sich und ihrer Arbeit.

Der aktuelle KfW-Gründungsmonitor wertete das Jahr 2011 aus. Das überraschende Ergebnis: Mit 42,5 Prozent konnten die Frauen aus den neuen Bundesländern nicht nur den höchsten Anteil an Gründungen im Osten Deutschlands seit der Jahrtausendwende verzeichnen, sondern übertrafen ihre Mitstreiterinnen aus dem Westen sogar um 1,2 Prozent. Zur Jahrtausendwende wurden nur 30% Prozent aller Neugründungen von Frauen aus dem Osten auf die Beine gestellt.

Andere Daten – andere Sicht

Zu einer anderen Beurteilung kommt man beim Blick auf die Daten des Mannheimer Unternehmerpanels vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Hier wurde fürs Jahr 2011 eine weniger positive Bilanz für die Frauen gezogen, da von den etwa 203.000 neuen Unternehmen nur 22 Prozent alleinig von Frauen gegründet wurden. Wenn man die gemischten Gründerteams auch dazurechnet, kommt man am Ende trotzdem nur auf 26 Prozent. Also maximal ein Viertel aller bundesweiten Neugründungen werden von Frauen in Angriff genommen. „Der typische Gründer ist männlich, etwa 39 Jahre alt, hat mehrere Jahre Berufserfahrung und ist Akademiker“, sagt ZEW-Expertin Gottschalk. „Frauen gründen häufig alleine, sie gründen kleiner und haben weniger Beschäftigte als Männer.“

Helfende Eigenschaften

Jedoch außerhalb dieser Eckdaten gebe es den Archetypus eines Gründers nicht. Er/Sie muss keinen bestimmten Charakter haben oder in seinem Lebenslauf gewisse Merkmale aufweisen. Jedoch Eigenschaften wie Durchhaltevermögen und kontinuierliche Eigenmotivation sind essentiell. Zu Tausend Prozent sollte ein Gründer am besten von seiner Geschäftsidee überzeugt sein, denn so kann er auch andere davon begeistern bzw. überzeugen. Nichts ist schlimmer als sich und seinen Plan ständig zu hinterfragen. Dieses Verhalten blockiert erfolgreiches Handeln. Es ist wie in der Liebe, wenn alle Fehler des Partners am Anfang gleich gesehen werden und man sich immer wieder fragt, ob es jetzt das Richtige ist, wagt man den Schritt in die vielleicht glücklichste Beziehung seines Lebens nie. Fehler machen gehört zur Unternehmensgründung einfach dazu, doch die kritische Haltung, die Frauen gegenüber sich selbst an den Tag legen, wirkt kontraproduktiv und sie gründen leider eher nicht.

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