IT-Startup-Unternehmer: die jungen Wilden von Nebenan – weit gefehlt

Der IT-Branchenverband Bitkom gab eine Studie in Auftrag, wonach ermitteln werden sollte, wie alt der typische Gründer eines IT-Startups ist und wo er herkommt. Die Ergebnisse sind überraschend.

Neue Ideen, Innovationen, kreativ knisterndes Klima, an Waghalsigkeit grenzender Mut – all das müsste man meinen, findet sich vor allem unter dem studentischen Volk oder frisch Gebackenen Absolventen wieder. Doch diese Vorstellung hat nichts mit der Realität zu tun, zeigt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Diese forschte im Auftrag des IT-Branchenverbandes Bitkom genauer über die Altersstrukturen von deutschen IT-Startup-Gründern. Das ZEW fand heraus, dass der ein Gründer durchschnittlich 38 Jahre alt ist und darunter werden wenige Studenten im 30. Semester vermutet. Gründungsbeispiele wie die von Mark Zuckerberg kommen in Deutschland nur selten vor. Denn mit 17 Jahren Berufserfahrung, davon elf Jahre in der IT-Branche gesammelt, nehmen die meisten Startup-Gründer ein eigenes Unternehmen in Anspruch. Erfahrung ist laut Studie genauso wichtig wie eine hochqualifizierte Bildung, denn nur knapp mehr als die Hälfte aller Gründer haben je eine Universität besucht. Die Mitarbeiter in solchen Firmen haben auch nur zu 36% studiert und zur Hälfe eine abgeschlossene Berufsausbildung. Der Großteil von Startup-Unternehmen sind Neugründungen aus bereits existierenden Firmen. Schließlich entscheiden sich Menschen lieber aus einem sicheren Arbeitsverhältnis heraus, in dem ein finanzieller Puffer für die Selbstständigkeit erwirtschaftet werden konnte, als sich am Anfang ihrer Karriere in Schulden zu stürzen.

In München, Berlin und Hamburg wird fleißig gegründet

Die deutschen Zentren von kreativen IT-lern liegen laut Studie in München und Berlin, da hier die meisten Startups aus dem Boden schießen. Die ostdeutschen Bundesländer bilden das Schlusslicht im Bezug auf IT-Gründungen. Insgesamt wurden 2011 mehr als 8000 Firmen deutschlandweit in diesem Wirtschaftszweig gegründet. Damit stieg die Zahl der Gründungen um ein Viertel im Vergleich zu den Vorjahren seit 1995.

Alles aus eigener Kraft

„In Summe braucht ein Gründer circa 700.000 Euro über einen Zeitraum von vier Jahren, wobei das Gründungsjahr selbst mit 70.000 Euro eher bescheidener ausfällt“, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf.

Beim Blick in andere Branchen ist das ein gängiger finanzieller Rahmen für den Anfang. Im Gegensatz zu anderen Fachbereichen jedoch können sich IT-ler nicht auf öffentliche Zuschüsse freuen. Die Neugründungen müssen sich schnell auf dem Markt beweisen, da sie lediglich aus selbst erwirtschafteten Einnahmen und dem Gründereigenkapital schöpfen. So ist es auch wenig verwunderlich, dass nur zirka 60 Prozent aller IT-Startups ihr fünfjähriges Bestehen feiern.

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