Archiv für 24. Oktober 2012

Unternehmensnachfolgen im exemplarischen Bayern

Die Auswertung einer einjährigen Studie zeigt, dass immer mehr Beratungshilfe bei der Unternehmensnachfolge in Anspruch genommen wird. Ebenfalls ist eine familiäre Unternehmensübergabe immer noch der beliebteste Weg.

Das Bayrische Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr, Infrastruktur und Technologie vergab vor gut einem Jahr den Auftrag für eine Studie zum Thema Unternehmensnachfolge in Bayern an die Fachholschule der Wirtschaft Paderborn/Bielefeld (FHDW). Diese nahm sich dem Forschungsauftrag in Zusammenarbeit mit dem Betriebswirtschaftlichen Forschungszentrum für Fragen der mittelständischen Wirtschaft e.V. von der Universität Bayreuth an.
Im Fokus der Kurzstudie stand zum einen die Zählung der für die Jahre 2011 bis 2015 zur Nachfolge anstehenden Unternehmen in Bayern sowie in den einzelnen Regierungsbezirken. Zum anderen wurde eine Expertenbefragung von Beratern öffentlicher Institutionen und privater Einrichtungen, die auf Unternehmensnachfolgen spezialisiert sind, durchgeführt.

Klare Prognose

In Oberfranken werden in den zukünftigen fünf Jahren zirka 1.500 Unternehmen an einen Nachfolger übergeben. Nach Schätzungen der FHDW stehen rund 20.200 Firmen mit etwa 304.000 Arbeitsplätzen zu einer Übernahme an. Auf das Jahr runtergebrochen heißt das, dass 4.000 Unternehmen mit 61.000 Mitarbeitern übergeben werden wollen. Im größten Regierungsbezirk Oberbayern werden mit rund 40% der 20.200 Unternehmensnachfolgen am häufigsten in den nächsten fünf Jahren Firmen übergeben.

Den Bedarf erkennen, sich helfen zu lassen

Auch kleine Unternehmen lassen sich durch Beratungsfirmen bei der Übernahme helfen. Das Ergebnis aus einer Befragung der Nachfolgeberater ergab, dass bei frühzeitigem Aufsuchen einer Beratung, das heißt etwa zehn Jahre vor Renteneintrittsalter, der Erfolg dieser sehr zufriedenstellend ist. Auch bei Unternehmen, die weniger als eine Million Euro im Jahr erwirtschaften, kommt der Service gut an. Momentan wird der Großteil aller Unternehmer noch von ihrem Bankberater auf die mögliche Beratung aufmerksam gemacht, jedoch knapp die Hälfte entscheidet sich aus eigener Motivation dazu. Vorausschauend planen mittlerweile viele, trotzdem gibt es noch 15%, die viel zu spät, also schon in der Übergabephase den Besuch einer Beratung ansteuern.

Blut ist dicker als Wasser

Trotz des diversen Nachfolgeangebots, wird immer noch die Nachfolgeregelung in der Familie favorisiert, die auch in fast der Hälfte aller Fälle stattfindet. Im Vergleich zu früher bemerken Berater jedoch nachlassendes Interesse der Kinder an einer Nachfolge, was dazu führt, dass durchschnittlich mehr fremde Personen einen Betrieb übernehmen. Das größte Hindernis beim Verkauf einer Firma stellt laut Umfrage die Einigung auf den Kaufpreis dar, denn drei Viertel aller Eigentümer schätzen den Wert ihres Unternehmens zu hoch ein.
In der wissenschaftlichen Auswertung beider Institute ist ein positives Fazit gezogen worden. Jedoch der Weg zu einer zeitlich passenden und zielgenauen Beratung, die jeder in Anspruch nehmen sollte, ist noch ein steiniger.

Die gesamte Studie finden Sie unter www.bfm-bayreuth.de oder unter: (edit 18.09.2014: Der Link des Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie ist inzwischen leider nicht mehr verfügbar.)