Wenn Nachfolgepläne scheitern

Innerhalb von zwei Wochen sind mir drei Unternehmer vorgestellt worden, deren Betriebe in Ermangelung eines passenden Unternehmensnachfolgers, bzw. Unternehmenskäufers liquidiert wurden, bzw. bei denen eine Liquidation geplant ist:

Gesundes Metallbauunternehmen: Liquidation mangels Nachfolger

Fall 1: Ein Metallbaubetrieb im Berliner Umland, mit glänzender Vergangenheit und branchenbekanntem Namen. Die Umsätze lagen noch vor sieben Jahren deutlich jenseits der Millionen-Euro-Marke, bei satten Erträgen. Ein Berater versuchte über drei Jahre erfolglos einen Nachfolger zu finden. Der Inhaber stimmte schließlich in Eigenregie der Übernahme durch einen Wettbewerber zu und verlegte den Firmensitz schon einmal in dessen Nähe. Der Deal platzte und der Unternehmer hat aufgegeben, die Versuche haben ihn über die Jahre zu viel Kraft und Nerven gekostet. Als inzwischen nur noch 1-Mann-Betrieb erwirtschaftet er stabile 150.000-180.000 EUR Umsatz im Jahr und wird trotzdem zum Jahresende 2012 liquidieren, die Betriebsausstattung soll an einen Industrieverwerter verkauft werden.

Der Metallbauer stellt immer noch eine hervorragende Basis für einen fachlich geeigneten Existenzgründer dar. Nachweislich qualifizierte Existenzgründer mit mindestens 20.000 EUR Eigenkapital können sich bei der Fredelia AG für einen möglichen Firmenkauf melden und bekommen kostenfrei den Kontakt zum Inhaber hergestellt, der auch für eine Einarbeitung gerne noch bereit steht. Aber die Uhr tickt.

Erfolgreiche Gärtnerei: beerdigt

Fall 2: Ein bekannter, familiärer Gärtnereibetrieb in dritter Generation, in guter Lage in Norddeutschland. Anfang August wurde zugesperrt, sechs langjährige Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Eine Betriebsnachfolge war über mehrere Jahre erfolglos selbst, bzw. mit Unterstützung der örtlichen IHK versucht worden. Die Erträge gering, die Mittel zur Modernisierung der Gewächshäuser fehlten. Vorbei.

Innovativer Produktionsbetrieb: ohne Nachfolgeregelung am Ende

Fall 3: Ein Industriebetrieb mit über 100 Mitarbeitern in Ostdeutschland. Ein lokales Beratungsunternehmen fand über mehrere Jahre keinen Käufer oder Investor. Die Finanzlage ist inzwischen kritisch, der Kundenstamm (mehrere DAX-Unternehmen) und die Expertise jedoch exzellent, das Geschäftsfeld sehr zukunftsträchtig. Inzwischen kam ein neues Problem hinzu, das vor einigen Jahren schon die Brauereienlandschaft durcheinanderwirbelte: Das Betriebsgrundstück ist viele Millionen Euro wert, das Unternehmen (derzeit) maximal noch eine. Die beiden Bieter für das Grundstück (große Immobilienentwicklungsgesellschaften) sehen den Unternehmenswert als notwendiges Agio auf den Grundstückswert und planen, unmittelbar nach Kauf den Betrieb zu liquidieren. Ich versuche derzeit gemeinsam mit Verkäufer, Käufern, Gemeinde und einem MBI-Kandidaten eine Lösung zu finden, um die 100 Arbeitsplätze zu erhalten, aber die Chancen stehen schlecht, es soll schnell gebaut werden. Auch hier: der Inhaber durch die jahrelangen Verkaufsversuche zermürbt, wollte schon vor Jahren in Rente gehen. Ihm fehlt die Kraft, jetzt noch einen Umzug der Betriebsstätten in Angriff zu nehmen. Der potentielle Unternehmensnachfolger ist perfekt für die Leitung dieses Unternehmens qualifiziert, kann und will aber nicht das Risiko eingehen, einen so großen Betrieb zu übernehmen und die Übernahme gleich mit einem Umzug der kompletten Produktionsstätte zu beginnen.

Drei Betriebe, die für einen qualifizierten Unternehmensnachfolger eine Existenz darstellen könnten, und Arbeitsplätze für zahlreiche Mitarbeiter sind, die auf den Unternehmer vertrauen.

Unternehmensnachfolgen professionell vorbereiten

Ohne näher auf die erfolglosen Bemühungen der Kollegen beim Firmenverkauf einzugehen:

  1. Eine Unternehmensnachfolge braucht Zeit. Planen Sie mindestens drei, besser fünf Jahre ein, damit es „hinten“ nicht eng wird. Vorbereitung heißt nicht: Der Verkauf beginnt sofort und es dauert fünf Jahre. Sondern ein Unternehmen muss im Rahmen einer langfristigen Nachfolgeplanung auf einen künftigen Nachfolger vorbereitet werden.
  2. Die intensive, professionelle Vorbereitung der Betriebsübergabe ist der Schlüssel zum Erfolg. Ein Unternehmensverkauf ist nicht das gleiche, wie der Verkauf einer Maschine. Schuster, bleib bei Deinen Leisten: Nehmen Sie sich einen M&A-Berater, der sich speziell mit klassischen Unternehmensnachfolgen (im Fachjargon „Management Buy-in“, kurz MBI) auskennt.
  3. Die Auswahl des richtigen, bzw. zu Ihnen passenden Beraters ist beim Unternehmensverkauf eine heikle Angelegenheit. Vergleichen Sie unbedingt mehrere Beratungsunternehmen und entscheiden Sie nicht nach den Kosten, sondern nach Qualität und persönlicher Betreuung: Wie viel Aufwand, ist der Berater bereit, speziell in Ihren Verkaufsprozess zu investieren? Schreibt er nur schnell ein Kurzexposé, stellt die Firma anschließend in einer Nachfolgebörse zum Verkauf und Sie müssen den Rest alleine machen?  Oder analysiert er den Betrieb intensiv, berät sie ausführlich und entlastet Sie von allen Arbeiten,  Prozessen und Gesprächen, die Sie nicht unbedingt persönlich übernehmen müssen oder wollen?
  4. Und vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl.

Auch eine gegenwärtig schlechte wirtschaftliche Situation des Unternehmens ist kein Hindernis für einen Firmenverkauf. Natürlich ist es einfacher, einen gesunden Betrieb zu verkaufen, als einen Sanierungsfall. Aber es gibt zig-tausende potentielle Unternehmenskäufer in Deutschland und Österreich, und für einen davon ist vielleicht genau Ihr Betrieb das Traumunternehmen, in dem er mit seiner langjährigen Branchenerfahrung, neuen Ideen und frischem Kapital seinen persönlichen Lebenstraum verwirklicht.

Und Ihr berufliches Lebenswerk erfolgreich fortsetzt.

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