Lieber angestellt als angetreten

Familienunternehmen sterben aus, weil immer weniger Studenten die Nachfolge ihrer Eltern anstreben

Die Ergebnisse einer Studie des Center for Family Business der Universität St. Gallen (CFB-HSG), die in Kooperation mit der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young* durchgeführt wurde, sind alarmierend für die mittelständischen Unternehmen.

Es wurden mehr als 28.000 Studenten aus 26 Ländern befragt, deren Eltern ein Familienunternehmen führen. Nur vier Prozent der deutschen Studentenschaft kann sich vorstellt direkt nach dem Studium die Nachfolge anzutreten. Hingegen 74% wollen dies in keinem Fall.

Selbstfindung heißt Unabhängigkeit gegenüber der Eltern

Die Firma als Generationenprojekt zu sehen, ist längst nicht mehr up-to-date. Der Trend heißt Individualität. Anstelle im elterlichen Betrieb zu arbeiten oder ihn sogar zu übernehmen, strebt der Großteil der Unternehmerkinder (76%) nach einer Karriere als Angestellter. Obgleich mehr als die Hälfte aller deutschen Unternehmerkinder berufspraktische Erfahrungen und spezifische Fertigkeiten im Elternbetrieb gesammelt haben, nutzen sie lieber die beruflichen Alternativen im externen Umfeld, um sich unabhängig von der elterlichen Aufsicht auszuprobieren und sich ihrer Leistung bewusst zu werden.

Eltern können den richtigen Anstoß geben

Mit rationalen Argumenten allerdings haben es Eltern nicht leicht: Eine intensive Auseinandersetzung mit einer möglichen Unternehmensnachfolge finde unter deutschen Unternehmerkindern nur selten statt. Auf einer Skala von 0 („ich habe mich nie mit einer Nachfolge beschäftigt“) bis 7 („ich habe bereits die Unternehmensführung übernommen“) liegt Deutschland lediglich bei einem Wert von 0,96 (globaler Durchschnitt: 1,02).

Die jetzige Generation der Unternehmensführung kann lediglich die Idee wiederholt ins Gedächtnis der Kinder rufen, ein positives Rollenmodell von Unternehmertum vorleben und die positive Unterstützung im Falle einer familiären Unternehmensnachfolge signalisieren.

Die Dosis macht das Gift: Druck ist kontraproduktiv

Jedoch zu stark sollten Eltern ihre Kinder nicht zur Unternehmensnachfolge drängen. Vor allem sehr selbstbewusste und qualifizierte Kinder wollten sich zunächst frei vom elterlichen Umfeld beweisen, indem sie beispielsweise ein eigenes Unternehmen gründen. Eltern könnten zu einer solchen Selbstfindungsphase wichtigen Beistand leisten, indem sie bei der Ideenfindung helfen sowie Ressourcen wie Kontakte oder Tipps zur Unternehmensführung zur Verfügung stellen.

Das „Kind“ extern suchen

Natürlich gibt es auch passende Nachfolger außerhalb der eigenen Familie. Laut Studie des CFB-HSG seien langfristig erfolgreich aber vor allem diejenigen Unternehmen, in denen sich mehrere Generationen für die Entwicklung verantwortlich fühlen.

In jedem Fall beeinträchtigt eine ungeklärte Nachfolge die Leistungsfähigkeit von Unternehmen erheblich. Daher sollte insbesondere darauf geachtet werden zur rechten Zeit einen passenden Unternehmensnachfolger für das über Generationen aufgebaute Familienunternehmen zu finden. Wenn nicht innerhalb dann eben außerhalb der Familie.

*edit 18.09.2014: Der Link zu den Studien ist inzwischen leider nicht mehr verfügbar.

Comments are closed.