Weibliches Potential nicht verschenken

Familienunternehmen werden zu 80 Prozent* innerhalb der Familie weitergeben. Mittlerweile sind ein Viertel* dieser familieninternen Unternehmensnachfolger auch Frauen. Jedoch eine externe Unternehmensnachfolge im Rahmen eines Management Buy-Ins (MBI) an Frauen bleibt nach wie vor noch eine Ausnahme. Die Generation der konservativen Patriarchen, unsere Väter, lässt sich Zeit fürs Umdenken. Vielleicht zu viel Zeit? Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie und Handelskammer hat jedes dritte Familienunternehmen schon jetzt Schwierigkeiten überhaupt jemanden für die Nachfolge zu finden.

Eine Studie des IfM an der Universität Mannheim ergab: Unternehmer bevorzugen nicht nur ihre Söhne, falls sie einen haben, sie bleiben oftmals sogar so lange selbst am Ruder, bis sie auch einen haben. Die Studie zeigt: Die Senior-Generation hat deutlich öfter nur Söhne als nur Töchter. „Viele Unternehmer scheinen sich einen Sohn als Nachfolger zu wünschen“, sagt Jan-Philipp Ahrens, einer der Autoren. „Dieser Wunsch scheint sogar erkennbar Einfluss auf die Familienplanung zu haben.“

Man müsste meinen, dass der Wandel schneller einsetzt und Unternehmerinnen in den Fokus des Interesses rücken und Unternehmensnachfolger nicht zwingend Söhne sein werden.

Führungsqualität statt Spezialwissen fördern

In Erfurt hat man die Dringlichkeit erfasst und einen nationalen Aktionstag zur Unternehmensnachfolge organisiert. Es trafen sich am 14. Juni 2012 interessierte Frauen, zukünftige Unternehmensnachfolgerinnen, Förderer und Berater, sowie Geschäftsinhaber, die ihre Unternehmensnachfolge planen. Die Bundesweite Gründerinnenagentur (bga) und das Beratungsnetzwerk „Gründen und Wachsen in Thüringen“ boten Expertenvorträge, eine Podiumsdiskussion und persönliche Erfahrungsgespräche zum Firmenkauf an.

Die Sorge der Betroffenen um die Zukunft ist groß. Allein in Thüringen gilt für etwa 10.000 Handwerksbetrieben mit über 50.000 Beschäftigten in den kommenden Jahren, sofern die Nachfolge nicht geklärt ist, Unternehmensnachfolger zu finden, die die Betriebe fortführen und damit die Arbeits- und Ausbildungsplätze erhalten.

Da bleibt es nur zu hoffen, dass Frauen künfitg verstärkt ihre Potenziale in der Wirtschaft und am Markt mobilisieren und die Chancen nutzen, die der demographische Wandel ihnen bietet.

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