Archiv für 25. Januar 2011

Fusion über den Wolken

British Airways und Iberia haben sich gestern zusammengeschlossen und die sechstgrößte Airline weltweit geformt: die International Airlines Group (IAG).

Die neue Luftfahrtgesellschaft ist damit auch Nummer drei in Europa mit 406 Flugzeugen, 55 Mio. Passagieren und 14 Mrd. Euro Umsatz in 2010. 204 Zielen werden nunmehr weltweit angeflogen. Iberia Kunden profitieren von besserem Zugang zu asiatischen Zielen, für die Passagiere von BA sind es mehr Destinationen in Lateinamerika.

Es gilt zu beobachten, wie die spanische und die britische Managementkultur miteinander harmonieren. Zwar ist in international tätigen spanischen Großunternehmen die Zeit der Siesta vorbei, doch gibt es zwischen spanischen und britischen Unternehmenskulturen große Unterschiede was den Umgang mit Kollegen und Mitarbeitern angeht. Hier verträgliche Strukturen für die Zukunft zu schaffen, wird -wie bei den meisten Fusionen- eine der wesentlichen Herausforderungen sein. Verschiedenen Quellen zufolge scheitern rund 50% aller M&A-Transaktionen wirtschaftlich. Vernachlässigtes Change-Management steht dabei ganz oben auf der Liste der Unterlassungssünden.

Indien auf dem Vormarsch

Indische Unternehmen gehen auf Einkaufstour – die am zweitstärksten wachsende Volkswirtschaft der Welt strotzt nur so vor Kraft. Das grenzüberschreitende  Transaktionsvolumen hat sich 2010 im Gegensatz zum Vorjahr verfünffacht. Nach Angaben der Financial Times wurden in den ersten elf Monaten 2010 über 45 Milliarden US-$ eingesetzt, wobei indische Käufe ausländischer Unternehmen deutlich überwogen. Neben vielen eher unauffälligen Deals unterhalb der 100-Millionen-Grenze erregte der Kauf des Grosvenor House Hotels in London für über 470 Millionen Britische Pfund Aufsehen. Nicht mehr reiner Wissenstransfer nach Asien steht im Vordergrund, sondern der direkte Zugang zu europäischen Konsumenten und harter Währung. Neben Afrika, anderen asiatischen Ländern und Großbritannien wird auch Deutschland immer interessanter für Firmenlenker vom Subkontinent. So soll das traditionsreiche Bankhaus Merck nach Angaben der Wirtschaftswoche (Ausgabe 50, 2010, S. 70) auf der Einkaufsliste der indischen Hinduja Group stehen.

Unternehmensnachfolgen durch Frauen: Österreich vorbildlich

Während in Deutschland der Anteil der Frauen als Nachfolgerinnen nur zwischen zehn und 23%* aller Unternehmensnachfolgen liegt, beträgt die Quote in Österreich gemäß einer Schätzung der WKO fortschrittliche 43% – das entspricht in etwa dem Anteil der erwerbstätigen Frauen  an der Gesamtbevölkerung! Was macht Deutschland hier falsch, bzw. Österreich richtig?

An mangelnden sozialen bzw. gesellschaftlichen Möglichkeiten zur Selbständigkeit kann es kaum liegen, denn laut BMWi werden 41% aller Existenzgründungen in Deutschland von Frauen durchgeführt. Die demographische Entwicklung beider Länder ist vergleichbar, ebenso staatliche Unterstützungsprogramme bei der Finanzierung. So bleiben eigentlich nur zwei Erklärungen wahrscheinlich: Österreichische Unternehmer trauen ihren Töchtern öfter die erfolgreiche Fortführung ihres Betriebes zu, oder aber österreichische Frauen wagen öfter als deutsche Frauen eine Firmenübernahme in Angriff zu nehmen.

*edit 18.09.1014: Der Link zur entsprechenden BGA-Studie ist inzwischen leider nicht mehr verfügbar.